Bilder auf Wiki Commons hochladen
Am Jahresende ist die Zeit gekommen, sich dem Stapel der über das Jahr unerledigt gebliebenen Aufgaben zu widmen. Darunter auch: “Bilder auf Wiki Commons hochladen”. Schon seit eineinhalb Jahren möchte ich eine Auswahl meiner Westafrikabilder der Welt spenden, die nahezu grauenhafte Mediawikioberfläche hatte mich aber nach dem zweiten Bild aufgeben lassen.
Exkurs: Ich bin im übrigen davon überzeugt, dass wenn Mediawiki verständlicher wäre, der Vandalismusgrad bedeutend höher wäre. Die meisten potentiellen Vandalen können gar nichts kaputt machen.
Jedoch: Es gibt eine Möglichkeit, zumindest den Uploadvorgang selbst deutlich effizienter zu gestalten. The Commonist ist in Java geschrieben, trägt ein Hammer-und-Sichel-Icon, läuft auf Mac und PC und ermöglicht Bulkupload. Lizenz, Urheber, Kategorien und Beschreibung der Bilder lassen sich pro Foto oder praktischerweise für einen ganzen Ordner festlegen. Klasse!
Ganz erspart bleibt eine Mediawiki jedoch trotzdem nicht, für’s Finetuning wie beispielsweise mehrsprachige Bildbeschreibungstexte ist dann doch der Login auf commons.wikimedia.org notwendig.
Exkurs zwei: Ein gefährliches Werkzeug, dieser Bulkupload. Als der manuelle Upload für mich noch so umständlich war, habe ich schier endlos überlegt, welches nun das passendste, beste, für Wikipedia nützlichste Bild ist. Mit dem Commonisten habe ich mal eben nebenbei mehrere duzend Bilder hochgejagt. Ab wann wohl erstickt ein solches Projekt an Überangebot?
Jedenfalls: Wer an Westafrika- und Voodoobildern unter GNU interessiert ist, der möge sich nun an dieser Auswahl bedienen.
Das Handwerkerproblem
Mein Ceranfeld ist kaputt. Angenommen, ich hätte nun einen Handwerker bestellt, von dem die Hotline sagt, dass er zwischen 07:00 und 12:00 Uhr kommen werde: Ich stehe also um 07:00 Uhr auf, in der Erwartung, dass der Handwerker jede Minute eintreffend wird. Ich warte und traue mich nicht duschen zu gehen, da ich schließlich nicht unter der Dusche vom Handwerkerklingeln überrascht werden möchte.
Ich warte also weiter und es wird 10:00 Uhr. Dann denke ich mir, dass ich nun nicht länger warten kann und ohne Rücksicht auf Verluste duschen werde, komme was wolle. Schließlich habe ich ja bereits um 07:00 Uhr vergeblich gewartet, und um diese Zeit war die Chance genau so groß dass der Handwerker kommt wie jetzt um 10:00 Uhr.
Erst unter der Dusche fällt mir mein Fehler auf: Mit jeder Minute, die ich seit 7:00 Uhr gezögert habe, habe ich die Wahrscheinlichkeit erhöht, eingeseift weggeklingelt zu werden! Denn zwischen 07:00 und 10:00 Uhr 3 Stunden vergangen und bis 12:00 Uhr verbleiben nur noch 2 Stunden.
Oder anders gesagt: 300 Lose (Minuten) sind im Spiel, mindestens ein Los (eine Minute) ist ein Gewinn. Maximal sind 300 Lose im Spiel, und zwar dann, wenn der Handwerker um Punkt 07:00 eintrifft. Dass der Handwerker länger als eine Minute bleibt, ist dabei irrelevant, schließlich bricht das Spiel nach dem ersten gezogenen Gewinn – beim Klingeln – ab. Um 10:00 Uhr, als ich gerade unter die Dusche gestiegen bin, herrscht also folgende Situation:
300 Lose sind im Spiel. 180 Lose sind bereits gezogen, davon waren alle Nieten. 120 Lose sind noch zu ziehen, darunter eine unbekannte Anzahl an Gewinnen.
Und nun die Frage:
Ist die Wahrscheinlichkeit, dass es während ich dusche klingelt gestiegen? Oder ist es völlig egal, wann ich dusche, da hinter jedem Los die selbe Wahrscheinlichkeit steht, dass es ein Gewinn ist? Und lässt sich überhaupt die Lose-Analogie herstellen?
Die Rahmenbedingungen sind: Der Handwerker kommt auf jeden Fall zwischen 07:00 und 12:00 Uhr und ich benötige für das Duschen 10 Minuten. Übrigens: Mein Ceranfeld ist kaputt.
Totgesagte leben länger: Plants vs. Zombies

Plants vs. Zombies
Es gibt ein paar Quellen, mit denen ich zwar vielleicht nicht immer einer Meinung bin, deren Empfehlungen ich aber meistens auch dann genauer ansehen, wenn mich das Empfohlene auf den ersten Blick nicht zu interessieren scheint. Ben_ und Plants vs. Zombies ist so ein Fall. Ich spiele nicht und erst recht gebe ich keine 20,- Euro für ein Computerspiel aus.
Jetzt schon, denn ich hatte lange nicht eine so vergnügliche, kurzweilige Zeit gehabt wie bei Plants vs. Zombies. Ich habe gepflanzt und eingekauft, ich habe gegossen, gehegt, gepflegt sowie hunderte von Zombies erledigt.
Ich habe einen Screenshot von einer meiner Lieblingszenen gemacht. Meiner Amada aus Samenkörner spuckenden Pflanzen stehen delfinreitende Zombies, blecheimerhelmgeschütze Zombies, schwimmende Zombies und bobfahrende Zombies (nicht im Bild) entgegen. Delfinreitende Zombies, allein das ist das Geld wert. Wirklich!
Über die Bahn, Vorurteile und Bonuspunkte

Ganz in der erwarteten Corporate Identity: bahn.bonus zum Geburtstag
Seit Monaten ärgere ich mich bei jedem Onlineticketkauf auf bahn.de über ein fehlerhaft eingebundenes Bild. Auf einer der letzten Seiten im Bestellprozess steht der Text “Sicher abgewickelte Buchungen dank zuverlässiger Verschlüsselungstechnologie”, direkt über diesem Text erscheint das Browsericon für “Fehler”. Das ist, nun, nennen wir es suboptimal.
Diesen Sachverhalt habe ich hier gebloggt. Ausserdem habe ich den Fehler per E-Mail über die bahn.de-Webseite an den Support gesendet, im felsenfesten Glauben, nie wieder etwas davon zu hören.
Ein Fehler, denn direkt am darauf folgenden Tag war eine E-Mail vom “Service Team” da. Ein Standardtext, in dem ich unter anderem gebeten wurde, es doch einfach noch mal zu versuchen und dann doch bitte die exakte Adresse des Fehlers mitzuteilen. Da ich aber wenig Ambitionen hatte, nur aus Gründen der Fehlerbehebung ein Onlineticket zu kaufen und durch die Standardantwort offensichtlich war, dass meine Fehlerbeschreibung erst gar nicht richtig gelesen wurde, schrieb ich umgehend zurück.
Zugegeben, ich war bereits etwas genervt als ich diese E-Mail mit den Worten “Liebes bahn.de-Textbausteinteam” begann, als Bahnfahrer hatte ich jedoch so viele Erfahrungen mit diesem Konzern gemacht, dass meine Erwartungshaltung gering und das Vorurteil groß ist. Während ich also meine E-Mail schreibe, soll folgende Geschichte erzählt werden:
Es war im Februar, exakt eine Woche vor meinem Geburtstag, als ich eine Postkarte mit der Aufschrift “HEUTE HABEN SIE GEBURTSTAG!” erhielt. Ich sagte am Briefkasten stehend “Nein…?” und öffnete die ausklappbare Karte, sie war von der Bahn. Unter der Überschrift “Wünschen Sie sich was!” wurde mir mitgeteilt, dass ich soeben 50 bahn.bonus Geburtstagspunkte geschenkt bekommen habe und ausserdem 250 bahn.bonus Extrapunkte bekommen könne, wenn ich dem Erhalt von Werbung per E-Mail zustimmen würde.
Jetzt konnte ich mich zwar nicht erinnern, dass ich mir “Aktuelle Produktinformationen per E-Mail” zum Geburtstag gewünscht hätte, aber 50 Punkte nehm’ ich natürlich gerne. Also habe ich schnell den Prämienkatalog rausgesucht, was man für 50 Punkte wohl so bekommt.
Der Prämienkatalog von bahn.bonus geht bei 500 Punkten los. Für 500 Punkte bekomme ich einen 6 Monate gültigen, personalisierten und nicht übertragbaren 5,- Euro Genussgutschein, der bei Einlösung vom Servicemitarbeiter einbehalten wird. Für 50 Punkte bekomme ich nichts. Für 500 im Grunde auch nichts, höchstens einen Kaffee. Der Kostet 2,90 und in der Speisekarte ist ein Sternchen dahinter. Beim Sternchen steht: “Diese Kaffeespezialität bieten wir ihnen in ausgewählten Zügen an”.
Zurück zum Onlineticket. Die Erwartungshaltung gegenüber der Bahn ist also sehr gering. Ich schreibe also meine E-Mail, die mit den Worten “Liebes bahn.de-Textbausteinteam” beginnt, rechne nicht damit, jemals eine Antwort zu bekommen und täusche mich stark. Bereits am nächsten Morgen, einem Samstag, erhalte ich eine freundliche Rückmeldung.
Sehr geehrter Herr Schwarz,
vielen Dank für Ihre E-Mail. Leider können wir den Fehler nicht nachvollziehen. Wir haben verschiedene Probebuchungen auf mehreren Compurten getätigt, daber keine fehlerhafte Verknüfung zu einem Bild gefunden.
Nach Ihrer Beschreibung taucht der Fehler zwischen “Buchung durchführen” und der Anzeige der Auftragsnummer / des OnlineTickets auf.
Das Bild auf dem Screenshot sollte demnach die Seite sein, die Sie nicht sehen. Bitte bestätigen Sie uns das kurz, damit wir in der Fehlersuche weitere Prüfungen anstellen können.Es würde uns freuen, Sie auch weiterhin auf unseren Seiten und in unseren Zügen begrüßen zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Service-Team von www.bahn.de

Selbst eine eingehende Prüfung durch Experten kam zum Schluss: Keine Fehler.
Damit habe ich nicht gerechnet. Ich freue mich, dass mein Anliegen ernst genommen wird, schließlich will ich ja auch nur helfen, einen peinlichen Fehler zu beheben. Und weil ich schon dabei bin, mache ich auch gleich noch darauf aufmerksam, dass sogar der Browser im Screenshot des Bahn.de-Serviceteams Fehler anzeigt. Ich nehme mir vor, in den nächsten Tagen einen Blogbeitrag zu schreiben, der mit den Worten “Ich muss eine Lanze für das Bahn.de Serviceteam brechen” beginnen soll.
Das Bahn.de Serviceteam kommt mir zuvor. Am Mittwoch erhalte ich eine Antwort und mein Supportticket wird geschlossen.
vielen Dank für Ihre Rückantwort.
Das fehlende dieses Bildes wird durch ein fehlendes PlugIn auf Ihrem Rechner oder durch eine geblockte Netzwerkverbindung in Ihrem Netzwerk verursacht. Bitte überprüfen Sie Ihre Einstellungen am Computer.
Wir bedauern, Ihnen keine positivere Nachricht geben zu können.
Der Fehler wird auch 2010 noch vorhanden sein. 50 bahn.bonus-Punkte drauf!
Horst Köhlers Antwort auf meinen Brief

Die Antwort auf meinen Brief an Horst Köhler.
Am 19. Juni habe ich an unseren Bundespräsidenten Horst Köhler geschrieben. Inhalt meines Briefs waren meine massiven Bedenken hinsichtlich des “Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen”.
Heute habe ich die Antwort aus Bundespräsidialamt erhalten. Da es sich um keinen persönlichen Brief handelt, erlaube ich mir, das Antwortschreiben im Volltext hier zu zitieren:
Sehr geehrter Herr Schwarz,
Bundespräsident Köhler hat mich gebeten, für Ihren Brief vom 19. Juni 2009 zu danken, mit dem Sie Bedenken gegen das Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen erheben.
Der Bundespräsident hat keine Möglichkeit, auf die inhaltliche Gestaltung eines Gesetzes während des Gesetzgebungsverfahrens Einfluss zu nehmen. Er bittet Sie daher um Verständnis, dass er sich zu dem Inhalt des von parlamentarischen Gremien zu beratenden Gesetzes nicht äußern möchte. Er wird die Frage der Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes prüfen, sobald ihm nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens ein entsprechendes Gesetz zur Ausfertigung vorgelegt wird. Ihre Ausführungen wird er berücksichtigen, soweit sie verfassungsrechtlich von Belang sind.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Was ist also von dieser Antwort zu halten? Nun, zunächst muss klar sein, was die Erwartungen an einen solchen Brief sind. Dass ein (persönlicher) Dialog als Reaktion fast völlig auszuschließen ist, muss jedem, der an den Bundespräsidenten (oder einen Amtsinhaber ähnlicher Größenordnung) schreibt, klar sein. Und das war auch niemals Intention, selbst wenn ich mich sehr gerne mit Herrn Bundespräsident Köhler über dieses Thema unterhalten würde.
Mir waren zwei Aspekte wichtig:
- Besser, der Bundespräsident erhält 100 Briefe zu diesem Thema, als dass er 99 erhält. Besser 1.000 als 999. Besser ich habe mein Anliegen vorgetragen, als dass ich geschwiegen habe. Ich erwarte, in irgend einer Art und Weise registriert zu werden, selbst wenn es nur die Zahl “X Bürgerbriefe zum Thema Netzsperren” in seiner täglichen Zusammenfassung ist.
- Noch viel wichtiger sind mir die vielen Gespräche mit meinem Freunden und Bekannten zu diesem Thema. Ich möchte zeigen, dass mir dieses Thema wichtig ist und ich möchte zeigen, dass diese Thematik für uns alle wichtig ist. Dass die Zusammenhänge viel komplexer sind, als manche Kurznachrichten es darstellen und man als Laie denken könnten. Dass es solche Dinge wie Netzneutralität überhaupt gibt – und was dies für uns alle bedeutet. Oder anders ausgedrückt: Wir müssen das Internet erklären und mit meinem Brief habe ich die Aufmerksamkeit meiner Klasse.
Das waren meine Erwartungen und soweit ich es beurteilen kann, habe ich beide erreicht. Was ist nun aber von der Antwort zu halten?
Eigentlich stört mich nur eine Sache, diese dafür um so mehr: der erste Satz. Ich bin nicht gegen das “Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen”. Dieser Titel ist schwer irreführend, denn dieses Gesetz gibt es nicht und all zu leicht entsteht bei Dritten der Eindruckt, es bestünde Kritik am Vorgang der “Bekämpfung der Kinderpornographie”.
Dies ist grundlegend falsch! Befürworter und Gegner des Gesetzes werden – völlig zu Recht – nicht müde zu betonen, dass Kinderpornographie ein schreckliches Verbrechen ist, welches es mit rechtsstaatlichen Mitteln konsequent verfolgt werden muss.
Die Kritik am vorliegenden Gesetzesentwurf bezieht sich schließlich gerade darauf, dass mit dem “Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen” – so übrigens der korrekte Name – eben keine Kinderpornographie bekämpft wird, sondern lediglich ein löcheriger Vorhang davorgehalten wird, der noch ganz andere Gefahren birgt.
Sehr schade also, dass obwohl ich in meinem Schreiben die korrekte Gesetzesbezeichnung verwendet habe, der Antwortschreiber den falschen Namen verwendet. Ich möchte glauben, es war ein unbeabsichtigtes Versehen.
Tschüss, studiVZ. Tschüss, lastfm.

Ausgegruschelt:Ich habe zwei Accounts in Soical Networks gelöscht
Ich habe heute meinen lastfm-Account gelöscht. Und weil ich schon dabei war, habe ich meinen studiVZ-Account gelöscht. Und das kam so:
Lastfm ist eine Mischung aus Onlineradio und Netzwerk für Musikfreunde. Mit einer kleinen Software, die an mein iTunes gekoppelt ist, wird alles, was ich in iTunes abspiele an lastfm übermittelt. Dort wird mein “Hörverhalten” analysiert und auf Basis einfacher Statistik werden mir Bands vorgeschlagen, die ich ich noch nicht kenne, die aber zu meinem Musikprofil passen könnten.
Das funktioniert mal mehr und mal weniger gut, je heterogener die Hörgewohnheiten desto schwieriger ist es natürlich. Dennoch, zusammen mit der Onlineradio-Funktion alles in allem eine prima Webseite. Trotzdem habe ich meinen Account gelöscht. Seit mehreren Jahren schicke ich jedes Lied, welches ich spiele, an lastfm. Und dort bleibt es gespeichert, wird statistisch aufbereitet und ist für jeden einsehbar. Zwar hatte ich die “Liveinfos”, also die unmittelbare Anzeige welcher Track gerade von iTunes abgespielt wird, von Anfang an abgeschaltet, Monats- Quartals und Jahresstatistiken hingegen lassen sich nicht abschalten.
Trotz eines schönen Relaunchs im letzten Jahr, trotz des riesigen Verzeichnis: Ich habe lastfm nie wirklich genutzt. Und unter diesen Voraussetzungen brauche ich auch keinen Account, unter diesen Voraussetzungen muss ich auch meine Musikdaten nicht hinschicken. Also habe ich meinen Account gelöscht. Funktioniert problemlos.
Dann dieses Studentenverzeichnis. In studiVZ hingegen dürfte ich erst gar nicht sein, die AGB verbieten mir die Teilnahme als Nicht-Student – nunja. Und es gibt sicherlich viele prinzipiellen Gründe, erst gar keinen Account auf studiVZ anzulegen, doch so lange ich twittere und auf facebook bin, können die kaum zählen. Der Grund war viel simpler.
Auch studiVZ habe ich nie aktiv genutzt, doch selbst wenn ich es mit all seinen Möglichkeiten nutzen wollte, würde mich ein Profil dort repräsentieren? Repräsentation und Kontaktmöglichkeiten, darum geht es schließlich in den Social Networks. Aber genau dass schafft studiVZ für mich nicht.
Wollte ich Bilder hochladen, hätte ich Größenbeschränkungen, hätte Speicherort, Anzahl und maximale Dateigröße vorgegeben. Wollte ich Texte schreiben, hätte ich dafür keinen Platz. Wollte ich präsentieren, verändern und gestalten – es gäbe dafür keinen Platz.
Und die Kontaktfunktion: Ich ärgere mich, wenn ich studiVZ-Nachrichten bekomme, die statt in meinem Posteingang auf einer Webseite liegen, das bringt mich aus dem Arbeitsfluss. Ich ärgere mich, wenn ich mit “Freunde” verknüpft bin, deren Namen mir nichts sagen oder deren “Freundschaftsanfrage” die einzige Interaktion war, die je stattgefunden hat.
Dabei habe ich doch bereits eine Webseite, von der ich mich vollständig und umfassend repräsentiert fühle. Auf der es Kontaktmöglichkeiten gibt, die ich bestimmen – frei verfügbar ohne Anmeldung für alle. Ich habe – meine Webseite, diese hier! Und dann habe ich meinen studiVZ Account gelöscht. Funktionierte auch problemlos.
Hey, bahn.de-Webteam!

Screenshot: Kaputte Grafik bei Kauf eines Bahn Onlinetickets
Hey, bahn.de-Webteam,
ich bestelle ziemlich häufig Onlinetickets bei euch. Das ist eigentlich auch ziemlich praktisch und funktioniert sogar total prima leider auch meistens die einzige Möglichkeit, da euer Unternehmen an kleineren Bahnhöfen auch ganz gerne mal auf funktionierende Automaten verzichtet. (Apropos Automaten: Mal ehrlich, Menschen einzustellen, deren Aufgabe es ist, Automaten zu erklären, das ist schon irgendwie… also… ihr seht wenigstens die Ironie, ja?)
Jedenfalls, diese Onlinetickets. Ihr schreibt immer, wie unglaublich bequem und sicher das ist und dass ich ein prima Gefühl dabei haben soll, wenn ich so bequem und sicher mein Ticket kaufe. Könntet ihr dann bitte bitte bitte mal den “broken link” auf der Bestellseite fixen, damit nicht ein weiteres Jahr (so lange ist das schon defekt) mich JE-DES MAL wenn ich ein Ticket bestelle darüber ärgern muss? Ginge das?
Herzlichst,
dein Kunde
Geschäftsmodelle im Internet
Aus verschiedenen Gründen habe ich mich in den letzten Wochen mehrfach mit dem Thema “Geschäftsmodelle im Internet” beschäftigt. Was zunächst sehr banal klingen mag, ist bei näherer Betrachtung jedoch gar nicht immer so eindeutig. Die Vielzahl an (kommerziellen) Webseiten täuscht all zu schnell darüber hinweg, dass es lediglich eine Hand voll Methoden gibt, über das Internet einen unmittelbaren Umsatz zu erzielen.

Unmittelbar: Zwischen einer Aktion eines Nutzers (links) und einem realen Geldfluss (rechts)
steht immer sowohl eine direkte logische als auch zeitlich begrenzte Verknüpfung.
Unmittelbar bedeutet in diesem Fall, dass zwischen einer Aktion eines Users und einem realen Geldfluss sowohl eine logische Verknüpfung besteht (z.B. ein Käufer kauft ein Produkt), also auch begrenzter Zeitrahmen liegt (z.B. 2 Wochen Zahlungsziel).

Umsatz: Mit einem definiertem Produkt wird in zeitlich regelmäßigen Abständen ein realer Zahlfluss erzielt.
Umsatz bedeutet in diesem Fall, dass über die in Anspruchname eines ein klar definiertes Produkts (Ware oder Dienstleistung) regelmäßig reale Zahlungsflüsse stattfinden.
“Exits”, also Projekt- oder Unternehmensverkäufe, werden bei dieser Betrachtungsweise bewusst ausgeklammert, da der “Exit” selbst per Definition (es fehlt das Nutzenversprechen) kein Geschäftsmodell im klassischen Sinne sein kann. Auch bei einem Unternehmensverkauf kalkuliert der Käufer mit einem (bisher möglicherweise noch nicht realisierten) Geschäftsmodell, welches auf unmittelbarem Umsatz fußt.
Auf Basis der Begriffsdefiniton von unmittelbarem Umsatz lassen sich fünf Geschäftsmodelle für Internetunternehmer identifizieren.
01. Das werbefinanzierte Modell
Im werbefinanzierten Geschäftsmodell werden Werbeflächen (z.B. Banner) an Werbekunden vermietet. Die Abrechnung erfolgt in Abhängigkeit der Anzahl der Nutzer, denen die Werbeflächen angezeigt wurden (TKP). Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells muss sein, eine maximale Anzahl an Nutzern nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten und zu wiederkehrenden Besuchern zu machen.
Beispiel: Contentportale (also Webseiten mit redaktionellen Inhalten), zahlreiche Zeitungen und Social Networks gehören zu den ausschließlich bis mehrheitlich werbefinanzierten Webseiten. Die Nutzerbindung wird durch kontinuierliche Aktualisierung der Inhalte (Zeitungen) oder die Bereitstellung eines kostenlosen Services (z.B. Netzwerk mit Freunden, Foren, kostenlose Browserspiele …) erreicht.
Unternehmen: StudiVZ, Zeit.de, Pennergame
02. Das transaktionsfinanzierte (Diensleistungen) Modell
Im transaktionsfinanzierten Modell auf Dienstleistungsbasis wird ein zeitlich befristetes, nicht-materielles Produkt an Kunden vermietet. Die Abrechnung erfolgt in Einheiten pro Einheit/Nutzer/Monat/…
Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells muss sein, eine maximale Anzahl an Nutzern zu gewinnen, die eine maximale Anzahl an Abrechnungseinheiten erwerben (z.B. lange Laufzeit bei Abomodellen oder häufige Nutzung bei Abrechnung pro “Stück”).
Beispiel: Anzeigenmärkte (Auto- und Immobilienbörsen, Auktionshäuser,…), kostenpflichtige Mitgliedschaftsmodelle (Social Networks, Software as a Service) und Dienstleistungsunternehmen (Marketingagenturen, “Amazon Mechanical Turk”) basieren auf dem transaktionsbasierten Modell. Alle Unternehmen dieser Kategorie haben gemein, dass die Wertschöpfung beim Unternehmen selbst liegt: Social Networks, Börsen und Auktionshäuser stellen die Infrastruktur bereit, Applicationprovider entwickeln Software, Dienstleister leisten Diensleistungsstunden.
Unternehmen: Jobscout, pkw.de, ebay, Xing, Immowelt
03. Das transaktionsfinanziert (Waren) Modell
Im transaktionsfinanzierten Modell auf Warenbasis wird ein physisch greifbares Produkt an den Kunden verkauft. Die Abrechnung erfolgt pro verkaufter Einheit.
Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells muss sein, eine maximale Anzahl an Nutzern zu gewinnen, die jeweils eine maximale Stückzahl1 eines Produkts/der Produkte erwerben. Das Ziel der maximalen Stückzahl an abgesetzten Produkten pro Nutzer schließt die Zielerreichung über einen längeren Zeitraum mit ein, da Wiederkäufer in der Regel mit geringerem Aufwand zu gewinnen sind.
Beispiel: Jeder Art von Onlineshop mit physischer Ware.
Unternehmen: Amazon, MyMuesli, Quelle, Spreadshirt
04. Das vermittlungsfinanziert Modell
Im vermittlungsfinanzierten Modell werden Nutzer einer Webseite an Werbekunden weitervermittelt. Die Abrechnung erfolgt per Klick oder auf Provisionsbasis pro vermitteltem Käufer.
Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells muss sein, eine maximale Anzahl an Nutzern zu gewinnen, die jeweils auf kürzestem Weg die eigene Webseite über die “richtigen” Links wieder verlässt.2 Eine Umsatzsteigerung kann bei diesem Modell einerseits über eine steigende Masse an vermittelte Nutzern, andererseits (bei der Vermittlung von Käufern) über die zielgerichtetere Nutzerströme realisiert werden.
Da hier kein reeller Wert geschaffen wird, funktioniert das vermittlungsfinanzierte Modell ausschließlich in einem Wirtschaftssystem, in dem genügend Unternehmen mit anderen Geschäftsmodellen existieren.
Beispiel: Suchmaschinen (der mit gigantischem Abstand größte Bereich für dieses Geschäftsmodell), Webseiten mit “contextsensitiven Textwerbelinks”, Affiliateseiten
Unternehmen: Google, Zanox(nutzer)3
05. Das Mitgliedschaftsmodell
Im Mitgliedschaftsmodell werden den Nutzern einer Webseite Gebühren für die Nutzung berechnet. Die Abrechnung erfolgt pro Leistungszeitraum und gegebenenfalls Leistungsumfang.
Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells ist es, aus der Gesamtzahl der Seitenbesucher möglichst viele zahlende Nutzer zu gewinnen und diese über einen maximalen Zeitraum zu halten. Eine Umsatzsteigerung wird oftmals über die Bereitstellung einer kostenlosen Variante realisiert, über welche die Akquise von zahlenden Mitgliedern deutlich erleichtert wird.
Beispiele: Social Networks, Partnerbörsen, Onlineapplikationen
Unternehmen: Xing, Neu.de, Office Live
Was tun mit den Erkenntnissen?
Dazu muss zunächst klar sein, was die Erkenntnisse sind, und derer gibt es viele. Eine Erkenntnis kann beispielsweise sein: Das vermittlungsbasierte Modell sowie das werbefinanzierte Modell sind beide jeweils in maximalem Maß von einem gesunden wirtschaftlichen Umfeld abhängig, das werbefinanzierte Modell sogar noch in einem größeren Maß, da vermittlungsbasierte Modelle für Werbekunden oftmals deutlich kostengünstiger sind und damit eher bevorzugt werden. Dennoch besteht auch hier eine nicht änderbare Abhängigkeit von Faktoren, die ein Unternehmer dieses Geschäftsmodells nicht beeinflussen kann.
- Als Unternehmer sollte man sich dann fragen: Ist es ratsam, ein Unternehmen aufzubauen, dessen Geschäftsmodell so viel Risiko impliziert? Wie kann ich das Risiko besser abfangen und verteilen?
- Als Arbeitnehmer kann ich mit dieser Erkenntnis besser beurteilen: Wie solide und sicher steht das Internetunternehmen da, bei dem ich arbeite/mich bewerbe?4
- Als Investor kann ich mit dieser Erkenntnis Schwachstellen erkennen und als Entrepreneur meine Investoren besser überzeugen.
Und das sind nur drei Beispiel eines einzigen Aspekts. Es lohnt sich immer, nicht nur eine konkrete Idee zu beurteilen, sondern auch einen Blick auf das Geschäftsmodell dahinter zu werfen.
- Betrachung erfolgt zur Vereinfachung ohne Berücksichtung der Invesitionskosten für Absatzplus [↩]
- Dies gilt auch für Sonderformen wie Affiliatemarketing über SEA, wobei hier als “eigene Webseite” ein Trackinglink ausreichen kann. [↩]
- Die Affiliateplattformen selbst treten als Technologieanbieter auf und sind nicht die eigentlichen Trafficvermittler. [↩]
- Das Geschäftsmodell ist EIN Faktor von sehr vielen für die Beantwortung dieser Frage. Aber ein wichtiger. [↩]
Wir müssen das Internet erklären
Quasi eine beschlossene Sache: Die Internetsperren sind da
Das Gesetz zur “Zugangserschwerung” ist verabschiedet. Die 134.00 Unterschriften der bis dato erfolgreichsten Onlinepetition konnten dies ebenso wenig verhindern wie die Warnungen zahlreicher Experten. Briefaktionen, Proteste, persönliche Gespräche – nichts fruchtete.
Eine ganz klare Mehrzahl der schwarz-roten Parlamentarier stimmte für die Errichtung einer Sperrinfrastruktur. Und selbst in der Grünen Opposition scheint – zum eigenen Entsetzen – nicht klar zu sein, worum es geht: 15 Abgeordnete enthielten sich bei der Abstimmung ihrer Stimme, mehr als in allen anderen Fraktionen zusammen.
Was vom Protest übrig bleibt
Der Schock sitzt tief bei allen, die gegen dieses Vorhaben gekämpft haben. Und dem überwältigenden Gefühl der Ohnmacht folgt die Wut. Wut über die Ignoranz, die falschen und gefährlichen Argumente, den offenbar aussichtslosen Kampf gegen Lobbys und Unwillige.
Wut, die sich vom ironisch-sarkastischen Aufruf zum bewaffneten Kampf um Grundgesetz Artikel 5 bis hin zum massenhaften Eintritt in die Piratenpartei ausdrückt. Letzteres ist mit Sicherheit zu bevorzugen.
Aber auch die Piratenpartei ist nur ein Aspekt und nicht die ganze Lösung. Eine entscheidungsfähige Mehrheit einer monothematischen Partei ist weder erstrebenswert noch absehbar. Selbst wenn die Piratenpartei in den Bundestag einzieht (was durchaus zu hoffen ist), mehr als Impulse sind nicht zu erwarten – und dass diese auch gut übergangen werden können, haben wir gesehen.
Was passiert also mit dem Gesetz zur “Zugangserschwerung”? Trotz aller Briefe: Es ist davon auszugehen, dass Horst Köhler unterzeichnen wird. Die anschließenden Verfassungsklagen, die mit Sicherheit kommen werden, sind ergebnisoffen mit Option zum Pyrrhussieg.
Denn parallel geht es munter weiter: Indizierung von österreichischen Computerspiele-Onlineshops, Alterskennzeichnung für Webseiten, Three-Strikes und natürlich die befürchteten Ausweitungen der Netzsperren. Jedes dieser Themen wird bereits diskutiert – Ende nicht absehbar.
Wie kommen wir da nur wieder raus?
Auf der Suche nach Lösungen
Jedes einzelne Gesetzesvorhaben muss sich der kritischen Betrachtung von allen Seiten stellen. Doch was nützt dies, wenn berechtigte Einwände ignoriert oder die Masse an Gesetzesvorhaben gegen unendlich läuft?
Für eine echte Lösung müssen also – übrigens genau wie beim wichtigen Kampf gegen Kinderpornographie – nicht nur die einzelnen Ausprägungen, sondern vor allem auch das Kernproblem selbst gelöst werden. Die Frage ist also: Warum gibt es überhaupt so viele Vorstöße in eine Richtung, die Netzaktivisten als gefährlich und die Politik als notwendig bezeichnet?
Jörg Tauss, ehemaliger SPD Politiker und aus Protest gegen das “Zugangserschwerungsgesetz” zur Piratenpartei übergetretener Abgeordneter versucht auf abgeordnetenwatch.de einen Erklärungsversuch, der sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen deckt:
Ein grosser Teil der Parlamentarier ist mit dem Internet nicht aufgewachsen. Sie empfinden es daher moeglicherweise sogar als Bedrohung. Sie nehmen es nicht als technisches Netz oder als Kommunikationsinfrastruktur wahr, verstehen nichts von Netzneutralitaet, sondern als etwas, wo man eben Boeses bekommen kann und wo vermeintlich das Boese auch herkommt und die Gesellschaft durchdringt.
Das Netz spiegelt nicht Probleme wider, sondern verursacht sie in deren Augen: (in beliebiger Reihenfolge und austauschbar Islamismus, Pornos, Hacker, Bombenbauanleitungen, Terroristen, Rechtsradikale und dann auch noch amoklaufende Jugendliche etc. etc.). Deshalb muss das auch bei uns bekaempft werden, zumal, siehe Olympia, es die Chinesen ja schliesslich sogar vormachen koennen (CSU- Uhl ernsthaft: Bei der Ueberwachung des Internet von China lernen).
Von fehlenden Basics
Die deutliche Mehrzahl der Abgeordneten glaubt, eine für Kinder und Jugendliche richtige Entscheidung gefällt zu haben. Sie wollen grundsätzlich Gutes bewirken und sind im festen Glauben, genau dies zu tun. Dass sich z.B. die Sperre einer Webseite in so vielen Aspekten fundamental von dem Verbot eines Fernsehsenders unterscheidet ist für sie dabei schlichtweg nicht zu begreifen.
Und denken wir einen Schritt zurück: Für die allermeisten Deutschen ist der Unterschied zwischen dem Sendeverbot für einen TV-Kanal und der Indizierung einer Webseite völlig unklar.
Und natürlich ist es so, denn wo könnte man solche Dinge ausserhalb der Tätigkeit in der IT-Branche (wenn überhaupt!) lernen? Wie viele Menschen sind interessiert und autodidaktisch genug veranlagt, sich selbstständig z.B. über Netzneutralität zu informieren?
Doch heute, 10 Jahre nach dem das Netz den endgültigen Siegeszug in die Privathaushalte angetreten hat, sind diese Fragen von immenser Bedeutung. Das Internet ist ein solch beherrschender Aspekt unseres Lebens geworden und kann auf so vielfältige und wundervolle Weise bereichernd sein. Senden und Empfangen. Die Möglichkeit des Publizierens für jeden, der Zugriff auf das Netz hat. Jeden einzelnen. Wir haben die Geburt einer Technologie erlebt, deren Folgen so global, umfassend und radikal sind, wie es zuletzt vielleicht nicht einmal die Erfindung des Buchdrucks war. Nur die Bedienungsanleitung fehlt.
Bildungslücke Medienkompetenz
Seit mehreren Jahren spreche ich davon, dass es von der Grundschule an ein Fach “Medien” geben muss. Der erwachsene Umgang mit Print, TV und Netz, Datenschutz und Datensicherheit sind in unserer Gesellschaft nicht minder wichtig als Fremdsprachen. Und derjenige, der weiß, wie Schlagzeilen in Boulevardzeitungen aufgebaut sind oder Phishing im Netz funktioniert, kann sich besser davor schützen.
Soweit der kurze Exkurs, Punkt ist jedoch: Wer soll das unterrichten? Aus welchen Lehrbüchern sich informieren?
Unwissenheit kann man der Politik gar nicht so sehr zum Vorwurf machen, wie man vielleicht gerne möchte. Unsere Volksvertreter verhalten sich wie Schüler, die überfordert und geradezu überwältigt vor einer Aufgabe sitzen und einfach gar nichts mehr verstehen: Sie verleugnen, ignorieren, verbittern.
Ich habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass, wenn ich über Medien spreche, beim Gegenüber zunächst oft die Tendenz da ist, auch ohne eigenes Wissen das Problem zunächst zu negieren. “Aber das ist doch nicht so schlimm”, heißt es.
Und dann, wenn ich mehr erkläre, wenn ich (aus meiner Sicht) bei “Adam und Eva” anfange, dann kommt die Einsicht. “Oh! Ach so ist das, das hab ich nicht gewusst.” Natürlich nicht, woher auch.
Nachhilfe für eine Nation
Und genau dort müssen wir ansetzen. Wir müssen bei “Adam und Eva” beginnen. Nicht die Frage des Für und Wider der Netzneutralität ist die wichtigste, es ist die Frage: “Was unterscheidet eine Webseite von einem Server und warum lässt sich beides nicht mit einem Fernsehsender vergleichen?” Wir müssen das Internet erklären, verständlich und für alle!
Wir müssen erklären, warum “Google.de” keine Quellenangabe ist. Wir müssen erklären, dass es so etwas wie “Phishing” gibt und wie man sich davor schützt. Wir müssen erklären, was eine Domain ist, was ein Server ist und wie Domaininhaber zu ermitteln sind. Wir müssen erklären, warum zwischen Domaininhaber und Impressum ein Unterschied besteht. Wir müssen erklären, dass es so etwas wie Proxys gibt und warum diese wichtig sind. Wir müssen erklären, was ein Browser ist. Wir müssen erklären, dass www. nicht der einzige Teil des Internets ist. Wir müssen erklären, was ein dezentrales Netzwerk ist. Wir müssen erklären, warum die Sperrung von Webseiten zur Bekämpfung von deren Inhalten eine eine so unglaublich gefährliche Idee ist. In einfachen, klaren, Worten.
Es sieht so aus, als sei es die Aufgabe hauptsächlich meiner Generation, das dringend benötigte Handbuch für die Technologie, die wir alle längst nutzen, nachzureichen.
Man stelle es sich vor, dieses kontinuierlich aktualisierte Standardwerk: “Das Internet – verständlich erklärt“. Ein neutrales Handbuch unter Creative Commons, frei konvertierbar für jedes beliebige Medium. Entwickelt, geschrieben, redigiert und diskutiert, illustriert und distributiert von all jenen kreativen Experten aller Couleur , die so sehr die Kraft des Netzes beschwören: Uns. Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken.



