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"But I... I... I think you're the fucking Antichrist."

Noch ein Weblog von Dominik...

Archive for the ‘Werbung und Marketing’ Category

Über die Bahn, Vorurteile und Bonuspunkte

4 Kommentare

Ganz in der erwarteten Corporate Identity: bahn.bonus zum Geburtstag

Ganz in der erwarteten Corporate Identity: bahn.bonus zum Geburtstag

Seit Monaten ärgere ich mich bei jedem Onlineticketkauf auf bahn.de über ein fehlerhaft eingebundenes Bild. Auf einer der letzten Seiten im Bestellprozess steht der Text “Sicher abgewickelte Buchungen dank zuverlässiger Verschlüsselungstechnologie”, direkt über diesem Text erscheint das Browsericon für “Fehler”. Das ist, nun, nennen wir es suboptimal.

Diesen Sachverhalt habe ich hier gebloggt. Ausserdem habe ich den Fehler per E-Mail über die bahn.de-Webseite an den Support gesendet, im felsenfesten Glauben, nie wieder etwas davon zu hören.

Ein Fehler, denn direkt am darauf folgenden Tag war eine E-Mail vom “Service Team” da. Ein Standardtext, in dem ich unter anderem gebeten wurde, es doch einfach noch mal zu versuchen und dann doch bitte die exakte Adresse des Fehlers mitzuteilen. Da ich aber wenig Ambitionen hatte, nur aus Gründen der Fehlerbehebung ein Onlineticket zu kaufen und durch die Standardantwort offensichtlich war, dass meine Fehlerbeschreibung erst gar nicht richtig gelesen wurde, schrieb ich umgehend zurück.

Zugegeben, ich war bereits etwas genervt als ich diese E-Mail mit den Worten “Liebes bahn.de-Textbausteinteam” begann, als Bahnfahrer hatte ich jedoch so viele Erfahrungen mit diesem Konzern gemacht, dass meine Erwartungshaltung gering und das Vorurteil groß ist. Während ich also meine E-Mail schreibe, soll folgende Geschichte erzählt werden:

Es war im Februar, exakt eine Woche vor meinem Geburtstag, als ich eine Postkarte mit der Aufschrift “HEUTE HABEN SIE GEBURTSTAG!” erhielt. Ich sagte am Briefkasten stehend “Nein…?” und öffnete die ausklappbare Karte, sie war von der Bahn. Unter der Überschrift “Wünschen Sie sich was!” wurde mir mitgeteilt, dass ich soeben 50 bahn.bonus Geburtstagspunkte geschenkt bekommen habe und ausserdem 250 bahn.bonus Extrapunkte bekommen könne, wenn ich dem Erhalt von Werbung per E-Mail zustimmen würde.

Jetzt konnte ich mich zwar nicht erinnern, dass ich mir “Aktuelle Produktinformationen per E-Mail” zum Geburtstag gewünscht hätte, aber 50 Punkte nehm’ ich natürlich gerne. Also habe ich schnell den Prämienkatalog rausgesucht, was man für 50 Punkte wohl so bekommt.

Der Prämienkatalog von bahn.bonus geht bei 500 Punkten los. Für 500 Punkte bekomme ich einen 6 Monate gültigen, personalisierten und nicht übertragbaren 5,- Euro Genussgutschein, der bei Einlösung vom Servicemitarbeiter einbehalten wird. Für 50 Punkte bekomme ich nichts. Für 500 im Grunde auch nichts, höchstens einen Kaffee. Der Kostet 2,90 und in der Speisekarte ist ein Sternchen dahinter. Beim Sternchen steht: “Diese Kaffeespezialität bieten wir ihnen in ausgewählten Zügen an”.

Zurück zum Onlineticket. Die Erwartungshaltung gegenüber der Bahn ist also sehr gering. Ich schreibe also meine E-Mail, die mit den Worten “Liebes bahn.de-Textbausteinteam” beginnt, rechne nicht damit, jemals eine Antwort zu bekommen und täusche mich stark. Bereits am nächsten Morgen, einem Samstag, erhalte ich eine freundliche Rückmeldung.

Sehr geehrter Herr Schwarz,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Leider können wir den Fehler nicht nachvollziehen. Wir haben verschiedene Probebuchungen auf mehreren Compurten getätigt, daber keine fehlerhafte Verknüfung zu einem Bild gefunden.

Nach Ihrer Beschreibung taucht der Fehler zwischen “Buchung durchführen” und der Anzeige der Auftragsnummer / des OnlineTickets auf.
Das Bild auf dem Screenshot sollte demnach die Seite sein, die Sie nicht sehen. Bitte bestätigen Sie uns das kurz, damit wir in der Fehlersuche weitere Prüfungen anstellen können.

Es würde uns freuen, Sie auch weiterhin auf unseren Seiten und in unseren Zügen begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Service-Team von www.bahn.de

Selbst eine eingehende Prüfung durch Experten kam zum Schluss: Keine Fehler.

Selbst eine eingehende Prüfung durch Experten kam zum Schluss: Keine Fehler.

Damit habe ich nicht gerechnet. Ich freue mich, dass mein Anliegen ernst genommen wird, schließlich will ich ja auch nur helfen, einen peinlichen Fehler zu beheben. Und weil ich schon dabei bin, mache ich auch gleich noch darauf aufmerksam, dass sogar der Browser im Screenshot des Bahn.de-Serviceteams Fehler anzeigt. Ich nehme mir vor, in den nächsten Tagen einen Blogbeitrag zu schreiben, der mit den Worten “Ich muss eine Lanze für das Bahn.de Serviceteam brechen” beginnen soll.

Das Bahn.de Serviceteam kommt mir zuvor. Am Mittwoch erhalte ich eine Antwort und mein Supportticket wird geschlossen.

vielen Dank für Ihre Rückantwort.

Das fehlende dieses Bildes wird durch ein fehlendes PlugIn auf Ihrem Rechner oder durch eine geblockte Netzwerkverbindung in Ihrem Netzwerk verursacht. Bitte überprüfen Sie Ihre Einstellungen am Computer.

Wir bedauern, Ihnen keine positivere Nachricht geben zu können.

Der Fehler wird auch 2010 noch vorhanden sein. 50 bahn.bonus-Punkte drauf!

Geschrieben von Dominik Schwarz

19. Juli 2009 um 01:07

Geschäftsmodelle im Internet

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Aus verschiedenen Gründen habe ich mich in den letzten Wochen mehrfach mit dem Thema “Geschäftsmodelle im Internet” beschäftigt. Was zunächst sehr banal klingen mag, ist bei näherer Betrachtung jedoch gar nicht immer so eindeutig. Die Vielzahl an (kommerziellen) Webseiten täuscht all zu schnell darüber hinweg, dass es lediglich eine Hand voll Methoden gibt, über das Internet einen unmittelbaren Umsatz zu erzielen.

Unmittelbarer Umsatz im Internet: Zwischen einer Aktion eines Nutzers (links) und einem realen Geldfluss (rechts) steht immer sowohl eine direkte logische als auch zeitlich begrenzte Verknüpfung.

Unmittelbar: Zwischen einer Aktion eines Nutzers (links) und einem realen Geldfluss (rechts)
steht immer sowohl eine direkte logische als auch zeitlich begrenzte Verknüpfung.

Unmittelbar bedeutet in diesem Fall, dass zwischen einer Aktion eines Users und einem realen Geldfluss sowohl eine logische Verknüpfung besteht (z.B. ein Käufer kauft ein Produkt), also auch begrenzter Zeitrahmen liegt (z.B. 2 Wochen Zahlungsziel).

Umsatz: Ein klar definiertes Produkt wird in zeitlich regelmäßigen Abständen verkauft.

Umsatz: Mit einem definiertem Produkt wird in zeitlich regelmäßigen Abständen ein realer Zahlfluss erzielt.

Umsatz bedeutet in diesem Fall, dass über die in Anspruchname eines ein klar definiertes Produkts (Ware oder Dienstleistung) regelmäßig reale Zahlungsflüsse stattfinden.

“Exits”, also Projekt- oder Unternehmensverkäufe, werden bei dieser Betrachtungsweise bewusst ausgeklammert, da der “Exit” selbst per Definition (es fehlt das Nutzenversprechen) kein Geschäftsmodell im klassischen Sinne sein kann. Auch bei einem Unternehmensverkauf kalkuliert der Käufer mit einem (bisher möglicherweise noch nicht realisierten) Geschäftsmodell, welches auf unmittelbarem Umsatz fußt.

Auf Basis der Begriffsdefiniton von unmittelbarem Umsatz lassen sich fünf Geschäftsmodelle für Internetunternehmer identifizieren.

01. Das werbefinanzierte Modell

Im werbefinanzierten Geschäftsmodell werden Werbeflächen (z.B. Banner) an Werbekunden vermietet. Die Abrechnung erfolgt in Abhängigkeit der Anzahl der Nutzer, denen die Werbeflächen angezeigt wurden (TKP). Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells muss sein, eine maximale Anzahl an Nutzern nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten und zu wiederkehrenden Besuchern zu machen.

Beispiel: Contentportale (also Webseiten mit redaktionellen Inhalten), zahlreiche Zeitungen und Social Networks gehören zu den ausschließlich bis mehrheitlich werbefinanzierten Webseiten. Die Nutzerbindung wird durch kontinuierliche Aktualisierung der Inhalte (Zeitungen) oder die Bereitstellung eines kostenlosen Services (z.B. Netzwerk mit Freunden, Foren, kostenlose Browserspiele …) erreicht.

Unternehmen: StudiVZ, Zeit.de, Pennergame

02. Das transaktionsfinanzierte (Diensleistungen) Modell

Im transaktionsfinanzierten Modell auf Dienstleistungsbasis wird ein zeitlich befristetes, nicht-materielles Produkt an Kunden vermietet. Die Abrechnung erfolgt in Einheiten pro Einheit/Nutzer/Monat/…
Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells muss sein, eine maximale Anzahl an Nutzern zu gewinnen, die eine maximale Anzahl an Abrechnungseinheiten erwerben (z.B. lange Laufzeit bei Abomodellen oder häufige Nutzung bei Abrechnung pro “Stück”).

Beispiel: Anzeigenmärkte (Auto- und Immobilienbörsen, Auktionshäuser,…), kostenpflichtige Mitgliedschaftsmodelle (Social Networks, Software as a Service) und Dienstleistungsunternehmen (Marketingagenturen, “Amazon Mechanical Turk”) basieren auf dem transaktionsbasierten Modell. Alle Unternehmen dieser Kategorie haben gemein, dass die Wertschöpfung beim Unternehmen selbst liegt: Social Networks, Börsen und Auktionshäuser stellen die Infrastruktur bereit, Applicationprovider entwickeln Software, Dienstleister leisten Diensleistungsstunden.

Unternehmen: Jobscout, pkw.de, ebay, Xing, Immowelt

03. Das transaktionsfinanziert (Waren) Modell

Im transaktionsfinanzierten Modell auf Warenbasis wird ein physisch greifbares Produkt an den Kunden verkauft. Die Abrechnung erfolgt pro verkaufter Einheit.
Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells muss sein, eine maximale Anzahl an Nutzern zu gewinnen, die jeweils eine maximale Stückzahl1 eines Produkts/der Produkte erwerben. Das Ziel der maximalen Stückzahl an abgesetzten Produkten pro Nutzer schließt die Zielerreichung über einen längeren Zeitraum mit ein, da Wiederkäufer in der Regel mit geringerem Aufwand zu gewinnen sind.

Beispiel: Jeder Art von Onlineshop mit physischer Ware.

Unternehmen: Amazon, MyMuesli, Quelle, Spreadshirt

04. Das vermittlungsfinanziert Modell

Im vermittlungsfinanzierten Modell werden Nutzer einer Webseite an Werbekunden weitervermittelt. Die Abrechnung erfolgt per Klick oder auf Provisionsbasis pro vermitteltem Käufer.
Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells muss sein, eine maximale Anzahl an Nutzern zu gewinnen, die jeweils auf kürzestem Weg die eigene Webseite über die “richtigen” Links wieder verlässt.2 Eine Umsatzsteigerung kann bei diesem Modell einerseits über eine steigende Masse an vermittelte Nutzern, andererseits (bei der Vermittlung von Käufern) über die zielgerichtetere Nutzerströme realisiert werden.

Da hier kein reeller Wert geschaffen wird, funktioniert das vermittlungsfinanzierte Modell ausschließlich in einem Wirtschaftssystem, in dem genügend Unternehmen mit anderen Geschäftsmodellen existieren.

Beispiel: Suchmaschinen (der mit gigantischem Abstand größte Bereich für dieses Geschäftsmodell), Webseiten mit “contextsensitiven Textwerbelinks”, Affiliateseiten

Unternehmen: Google, Zanox(nutzer)3

05. Das Mitgliedschaftsmodell

Im Mitgliedschaftsmodell werden den Nutzern einer Webseite Gebühren für die Nutzung berechnet. Die Abrechnung erfolgt pro Leistungszeitraum und gegebenenfalls Leistungsumfang.
Ziel innerhalb dieses Geschäftsmodells ist es, aus der Gesamtzahl der Seitenbesucher möglichst viele zahlende Nutzer zu gewinnen und diese über einen maximalen Zeitraum zu halten. Eine Umsatzsteigerung wird oftmals über die Bereitstellung einer kostenlosen Variante realisiert, über welche die Akquise von zahlenden Mitgliedern deutlich erleichtert wird.

Beispiele: Social Networks, Partnerbörsen, Onlineapplikationen

Unternehmen: Xing, Neu.de, Office Live

Was tun mit den Erkenntnissen?

Dazu muss zunächst klar sein, was die Erkenntnisse sind, und derer gibt es viele. Eine Erkenntnis kann beispielsweise sein: Das vermittlungsbasierte Modell sowie das werbefinanzierte Modell sind beide jeweils in maximalem Maß von einem gesunden wirtschaftlichen Umfeld abhängig, das werbefinanzierte Modell sogar noch in einem größeren Maß, da vermittlungsbasierte Modelle für Werbekunden oftmals deutlich kostengünstiger sind und damit eher bevorzugt werden. Dennoch besteht auch hier eine nicht änderbare Abhängigkeit von Faktoren, die ein Unternehmer dieses Geschäftsmodells nicht beeinflussen kann.

Und das sind nur drei Beispiel eines einzigen Aspekts. Es lohnt sich immer, nicht nur eine konkrete Idee zu beurteilen, sondern auch einen Blick auf das Geschäftsmodell dahinter zu werfen.

Fußnoten:
  1. Betrachung erfolgt zur Vereinfachung ohne Berücksichtung der Invesitionskosten für Absatzplus []
  2. Dies gilt auch für Sonderformen wie Affiliatemarketing über SEA, wobei hier als “eigene Webseite” ein Trackinglink ausreichen kann. []
  3. Die Affiliateplattformen selbst treten als Technologieanbieter auf und sind nicht die eigentlichen Trafficvermittler. []
  4. Das Geschäftsmodell ist EIN Faktor von sehr vielen für die Beantwortung dieser Frage. Aber ein wichtiger. []

Geschrieben von Dominik Schwarz

6. Juli 2009 um 14:39

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Die Seitenstruktur von Google und Bing

3 Kommentare

Das Thema Bing und die damit verbundene Frage, warum es der milliardenschwere Microsoftkonzern nicht schafft, eine handwerklich saubere Webseiten- und Layoutstruktur für seine Suchmaschine zu entwickeln, lässt mich nicht los. Ja, ich ärgere mich richtiggehend, es ist so schade und unnötig.

Bei den Überlegungen bin ich auch auf folgende Frage gestoßen: Wie kann ich einem wenig design-affinen Menschen, am besten sogar einem absoluten Laien, verständlich aufschlüsseln, dass eine Webseite unstrukturiert ist? Im vorangegangenen Beitrag habe ich versucht, die Screenshots nebeneinander zu stellen. Doch der Effekt der kleinen Thumbnails kommt nicht so stark heraus, wie ich es mir erhofft hatte. Zwar sieht man, dass jede einzelne Seite unterschiedlich gelayoutet ist, die extremen Designsprünge aber, die bei dem klicken auftreten, lassen sich dadurch nicht vermitteln.

Gibt es vielleicht sogar eine Möglichkeit, eine Art Formel festzulegen? Eine Faustregel oder zumindest ein standardisiertes Vorgehen, an Hand dessen eine laien- und vorstandstaugliche Bewertung möglich ist?

Ich habe experimentiert. Das Ziel des Experiments war, zu visualisieren, ob ein Nutzer im Bereich “1 Klick von der Startseite entfernt” mit (verwirrenden) Design/Layoutveränderungen konfrontiert wird. Ich habe dafür die Startseiten von Google und Bing genommen und jeweils alle auf der Startseite direkt verfügbaren Links angeklickt. Bei Google waren das rund 30, bei Bing die Hälfte.

Von jeder einzelnen Seite habe ich einen Screenshot angelegt, diese Screenshots habe ich übereinander gelegt und die Sichtbarkeit für jede einzelne Ebene von 100% auf 10% reduziert, will heißen: die einzelnen übereinandergelegten Screenshots werden dadurch zu 90% durchsichtig. Mit folgendem Ergebnis (am besten im Vollbild betrachten):

Google

Bing

Was heißt das nun? Das Ergebnis ist auf den ersten Blick nicht so eindeutig, wie ich vermutet hätte. Man muss auch dazu sagen, dass die Reihenfolge der Ebenen zufällig gewählt ist, dies wirkt sich natürlich auch auf das Endergebnis aus und bietet Platz für entsprechende Manipulationen (wenn z.B. Screenshots mit hohem weiß-Anteil ganz oben platziert werden).

Lässt sich mit dieser Methode dennoch etwas über eine Webseite herausfinden? Ich denke, bei genauerer Betrachtung schon.

Geschrieben von Dominik Schwarz

15. Juni 2009 um 23:51

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Und jetzt auch noch Bing: Microsoft und das Internet

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Dass Microsoft das Internet verschlafen hat ist kein großes Geheimnis. Jahrelang erkannte man nicht den bevorstehenden Wandel oder zog zumindest keine Konsequenzen daraus. Und als er schließlich da war, schossen kleine Startups an Microsoft vorbei und die Redmonder mussten hilflos zusehen, wie selbst kleine Firmen und OpenSource Bewegungen das schafften, was sie selbst nicht hinbekommen: Eine Größe im Netz zu werden, ein Innovator sein, die Entwicklung voranzutreiben.

Der Blick vom Spielfeldrand

Beispiel Browser: Der Internet Explorer, ist bis heute in Sachen Nutzerzahl Marktführer, was aber allein darauf beruht, dass er im quasi-monopolistischen Betriebssystem Windows mitgeliefert wird. Und was tun die User, kaum werden ganze Generationen nach 10 Jahren “PC” zu “fortgeschrittenen Anwendern”? Sie wandern ab, massenhaft. Die kostenlose Browseralternative Mozilla Firefox hat den Internet Explorer fast bis in Griffnähe eingeholt und auch Apple – die ihren Browser ebenfalls mit dem Betriebssystem mitliefern – gewinnt beständig an Marktanteil. Und das zu Recht: Der so genannte ACID3-Test prüft Browser darauf, wie standardkonform diese in Sachen HTML und CSS, der Lingua Franca des Webs, sind.

Safari 4: 100/100 Punkten
Firefox 3: 76/100 Punkten
Internet Explorer 8: 20/200 Punkten

Browser sind nur ein Bereich, der zeigt, dass es Microsoft nicht gelingt, zu einer relevanten Größe im Netz zu werden. Eine Größe, definiert nicht durch Umsatz oder Aktienkurse, sondern eine Größe definiert durch Innovationsgrad. Ein weiteres Feld: Serversoftware. Damit aus einem physischen Gerät im Rechenzentrum ein Server wird, bedarf es einer Software. Weltweit führend: Apache, ein OpenSource-Programm.

Die neue Suchmaschine: Gestatten, Bing, der Google-Killer

Jetzt soll es also eine Suchmaschine richten. Mal wieder, schließlich ist Bing nicht der erste Versuch, in diesem Markt Fuß zu fassen. Da gab es “MSN”, jahrelang die einzige Suche von Microsoft, die diesen Namen jedoch kaum verdiente und es auch nie aus der absoluten Irrelevant hinaus schaffte. Dann kam “Live Search”, schon deutlich an Google angelehnt, jedoch mit merklich schlechteren Suchergebnissen, ein rechter Marktanteil wollte ich einfach nicht einstellen.

Das blieb auch in Redmond nicht unbemerkt und seit dem 01. Juni gibt es “Bing”. Es handle sich um eine “Entscheidemaschine” betont man gerne, eine Entscheidemaschine die bei “bei täglichen Entscheidungsfindungen rund um Themen wie Einkaufen oder Reiseplanung helfe”. Und tatsächlich sind die Suchergebnisse deutlich besser geworden, fast alle Anfragen führen zu soliden Ergebnissen. Doch welche Existenzberechtigung gibt es für eine Suchmaschine, die “nicht viel schlechter als Google” ist?

Usability – Benutzerfreundlichkeit – ist ein wesentlicher Faktor, der hinter dem Erfolg von Google steht. Den überladenen, blitzend-blinkenden Portalen Ende der 90er Jahre setzte Google eine radikale Alternative entgegen: Ein Logo, ein Suchfeld, ein Button, das war’s im Wesentlichen.
Bei Bing ganz ähnlich – bis auf dass man sich dort dazu entschlossen hat, ein großformatiges Hintergrundbild zu verwenden. Persönlicher soll die Suche dadurch werden, hat vermutlich jemand aus dem Marketing eingeflüstert. Ob es klug ist, den Fokus von den Funktionselementen auf die Fototapete im Hintergrund zu lenken sei dahingestellt.

Struktur, Ordnung und Design bei Bing

Es ist insgesamt die klare Linie, die so dringend fehlt. Von einheitlicher Struktur ist nichts zu erkennen, ganz im Gegenteil. Es beginnt mit dem dritten Namenswechsel innerhalb weniger Jahre und zieht sich durch bis zur eigenwilligen Groß- und Kleinschreibung, die übrigens auch schon bei “Live” ständig wechselte.

“Bing” schreibt sich im Logo klein, im Linktext 200 Pixel weiter oben jedoch groß. “Beta” ist ebenfalls groß, “seiten” dafür in klein, “web” ebenfalls klein, dafür “Mehr” großgeschrieben. Das orthographische Chaos auf der Startseite scheint symptomatisch.

Für die Nutzer aber noch viel schlimmer ist die einheitliche Uneinheitlichkeit im Design. Konkret:

Folgende Screenshots stammen ausschließlich von Seiten, die mit einem Klick (!) von bing.com erreichbar sind. Ausnahme: Das Dropdownfeld “Extras” benötigt 1 zusätzlichen Klick, betrifft die Seiten “Einstellungen” und “Werbung”.

Rund 100 Millionen Dollar sollen jetzt in die Marketingmaßnahmen für Bing fließen. Eine große Summe, erst recht für ein halb ausgegorenes Produkt. Dabei wäre ein starkes “Bing” sogar wünschenswert, selbst 2 ernstzunehmende Suchmaschinen im Internet wären immer noch zu wenig. Und wie es aktuell aussieht, wird es aber wohl auf absehbare Zeit sogar nur bei einer bleiben.

…ach, übrigens, hier.. Datenschutz?

Wenn ich auf Feedback klick, also wirklich nur klicke, nichts nichts eingebe, nicht eingeloggt und registriert bin, einfach nur als Benutzer auf Feedback klicke… dann werde ich auf diese URL weitergeleitet:

https://feedback.discoverbing.com/default.aspx?mkt=de-de&productkey=bingweb&brand=&&locale=de-DE&P1=dsathome&P2=&P3=0&P4=&P5=32B72ECDB1F04D5FBEB43459E4184F4D&P6=Koln,%20Nordrhein-Westfalen&P7=Original&P8=&P9=50.944442/6.961666&P10=24902.0&P11=http://www.bing.com/?scope=images&nr=1&P12=&searchtype=Web%20Search&optl1=1&backurl=http://www.bing.com:80/?scope=images&nr=1&FORM=FEEDTU

Da wird also die IP des Users auf dessen Wohnort aufgelöst. Ein Standardverfahren im Webcontrolling, je nach dem über welchen Provider man online ist nur mäßig genau und mehr als eine Region oder Stadt kann nicht ausgelesen werden.

Aber auch wenn es Standard ist, bei “Bing liegen die Sachen meines (Laien)-Erachtens ein wenig anders:

Ach Microsoft…

Geschrieben von Dominik Schwarz

14. Juni 2009 um 15:49

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IWB Relaunch: Ownz You System!

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Der Relaunch der IWB ruled gewaltig.

Screenshot google.de 22.09.08 - 17:00

LULZ! Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Relaunch der Internet World Business: Die Jungs von knochwerke haben ihre 1337en h@xx0r 5k!112 ausgepackt und direkt “Ownz You System!“…. in Google… reingehackt!

…und dabei irgendwie vergessen die URL der Entwicklungsumgebung nach dem Launch anständig weiterzuleiten. Jetzt wird fleissig Duplicated Content generiert und überhaupt, was soll man denn da noch sagen? Die im letzten Artikel beschriebene 404-Seite gibt es nicht mehr, die sinnlosen Fehlermeldungen wurden einfach durch – nichts ersetzt. Statt Nutzerführung gibts eine weiße Seite. Achje

Geschrieben von Dominik Schwarz

22. September 2008 um 17:42

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Relaunch: Internet World Business

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Relaunch der Internet World Business

Relaunch der Internet World Business

“Oh, diese zeternden, nichtsnutzigen Blogger. Da steckt man so viel Arbeit in ein Projekt und dann ist es keine 15 Minuten online und schon wirds zerissen.” So oder so ähnlich mag so mancher denken. Darum halte ich mich was den Relaunch des Branchenkompetenzkompetenzmagazins “Internet World Business” angeht vornehm zurück. Nennen wir es eine würdige Umgebung für all die “News”.

Vielmehr gehts um Folgendes: Bisher waren sämtliche Artikel der “IWB” über URL nach folgendem Schema erreichbar:
http://www.internetworld.de/home/news-single/article/lycos-guter-draht-zur-internetwache.html

Mit dem Relaunch hat sich das geändert, der gleiche Artikel hat nun dir URL:
http://www.internetworld.de/Nachrichten/News/Lycos-Guter-Draht-zur-Internetwache

Wer nun einen alten Link anklicken möchte, landet auf einer Fehlerseite. Zugegeben, ein automatisches Umschreiben und Weiterleiten sämtlicher URL ist bei einer Webseite dieser Größe unter Umständen nicht ganz simpel, erst Recht, wenn die alte Version unsauber geplant und uneinheitlich strukturiert ist. Ob das bei der “IWB” der Fall war, ist mir nicht bekannt. Es kann also Gründe dafür geben, dass alte Artikel-URL nicht weitergeleitet werden.

Keinen Grund, aber wirklich keinen Grund kann es aber für folgende Fehlerseite geben, die beim Klick auf einen alten Link aufgerufen wird:

Modul nicht gefunden
Das angeforderte Modul home konnte nicht gefunden werden.
Mögliche Gründe dafür sind:
* Der Modulname ist falsch geschrieben, versuchen Sie ihn zu ändern.
* Das Modul existiert nicht auf dieser Seite.
* Diese Seite benutzt in der URL “siteaccess matching”, Sie haben aber keine übermittelt. Versuchen Sie einen “siteaccess name” vor dem Modul in der URL anzugeben.

Bitte WAS? Ich habe keinen “siteaccess name” in der URL angegeben? Ich habe das Modul falsch geschrieben? Aber… ich habe doch nur auf einen Link geklickt? Und was bedeutet denn kernel (20) im Seitentitel? Auf meinem PC kommt auch immer was mit Kernel, und zwar immer dann, wenn alles so richtig kaputt ist! AAAH!

Wenn eine Privatperson einen relaunch versemmelt – kein Problem. Wenn ein Unternehme sich vor einem Relaunch zu wenig darüber Gedanken macht, was nach dem Switch passiert – hmmm. Aber wenn eine Fachzeitschrift, die sich Berichte über Usabillity und Nutzererfahrungen auf die Fahne geschrieben hat und beinahe täglich über SEO berichtet, wenn diese Fachzeitschrift also eine 404-Fehlerseite hat, auf der steht, ich müsse als Anwender einen siteaccess name angeben, dann…

…dann halte ich mich einfach gleich nochmal vornehm zurück. Weiter gehts mit “News”.

Geschrieben von Dominik Schwarz

1. September 2008 um 19:25

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OMD 2008

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Online Marketing Düsseldorf

Es geht doch! Mit großer Freude stelle ich fest, dass sich die OMD – Deutschlands wichtigste Messe zum Thema Onlinemarketing – von ihrem unsäglichen pseudometaphertriefenden Goldfischlayout verabschiedet hat und nun auch grafisch quasi ernstzunehmen ist. Reptilienartike Punkte gibt es dieses Jahr – nun, okay.

Geschrieben von Dominik Schwarz

9. Juli 2008 um 18:19

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Der sogenannte “User Generated Content”

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funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht. Funktioniert nicht.

Wobei, “Content” vielleicht schon. Siehe den derzeitigen Platz 1 und die dazugehörenden usergenerierten Kommentare des Ehre und Karriere “Ehre und Karriere”-Wettbewerbs. Nochmal: Das ist der Platz 1 nach Uservoting.

Content, okay. Aber Qualität?

Geschrieben von Dominik Schwarz

14. März 2008 um 02:48

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Eine Dekade Internet IV

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oder: Der Tod der Suchmaschinen, der “SEO” und allem anderen.

(Weiter gehts mit dem Thema Umwälzungen. Die Vorgeschichte dazu findet sich hier, hierund hier.)

Erstens: Suchmaschinen sind eine aussterbende Spezies. Zweitens: Alles Gefasel von der “Relevanz”, ich kann es nicht mehr hören. Je mehr ich mich mit dem Prinzip des Hypertexts befasse, desto klarer wird wir, wie unübersehbar fehlerhaft das System als solches ist.

Tatsächlich sind die Suchergebnisse einer jeden Suchmaschinen alles andere als “relevant”.

a) Suchmaschinenergebnisse sind eine künstlich getroffenen Vorauswahl

Welche digitale Inhalte erfasst werden können, bestimmen technologische Voraussetzungen. Text auf Bildern, gesprochene Texte, Technologien wie Flash oder schlicht die Kapazitätsgrenze des Suchindex einer Suchmaschine filtern Inhalte vor und schließen weite Teile schlichtweg aus.

b) Suchmaschinenergebnisse sind Manipulation

“SEO”, die so genannte Suchmaschinenoptimierung, ist – jede philosophische/ethische Diskussion darüber ausklammernd – in vielen Fällen ein euphemistisches Schlagwort für die Manipulation der Ursprungsinformation. Fast alle Maßnahmen, die über eine semantisch korrekte Codedarstellung hinausgehen, verändern die Mutterinformation. Mal mehr, mal weniger:

Überschriften, Seitentitel werden Wortenau angepasst, “Keyworddichten” gemessen und verändert und der “Backlinkhandel” blühte, bis Google einen Riegel vorschob.

Das soeben verlorene Korsett der Zeilenlänge und Druckerschwärze, welchem der Text vor so kurzem erst entrann; in Zeiten der Suchmaschinenoptimierung, wie sie heute betrieben wird, bekommt er es wieder angelegt. Wer ob der harten Worte Zweifel an dieser Aussage hegt, der möge einmal versuchen, wahrhaftig informative und aussagekräftige Inhalte ohne unmittelbare (!) kommerzielle Hintergründe zu den Themen “Private Krankenkasse”" oder Kredite zu finden. Wikipedia zählt nicht.

c) Suchmaschnenergebnisse sind digitale Ergebnisse

Ohne Zweifel, digital ist die Zukunft. Beinahe jede (!) schriftliche- oder bildliche Information, die sekündlich in den Industriestaaten im Jahr 2008 erstellt wird, ist digital. Aber Informationen, die zehn Jahre alt sind? Zwanzig? fünfzig? Mündliches Wissen? Und vor allem: afrikanisches Wissen? Chinesisches? Der bereits vorliegende Datenbestand mag unvorstellbar gigantisch sein, ist aber verschwindet gering gegen das Wissen der Welt, was analog vorliegt.

Und damit sind wir beim ersten Kernproblem: Das Wissen der Welt liegt in Größenordnungen, die für einen Menschen nicht fassbar sind. Lediglich in einem erschreckend geringen Zahlenraum “begreifen” wir Zahlen tatsächlich. 10 Millionen oder 100 Millionen jedoch, wer vermag schon zu sagen wie viel das tatsächlich ist. Viel. Haben uns die Medien gesagt.

Ergo: Technologische Probleme werden immer gelöst, früher oder später. Bücher werden bereits jetzt in großem Stil digitalisiert und Texterkennungsmechanismen sind auf dem besten Weg, ausgereift zu sein. Und das Internet erreicht früher oder später jeden Kontinent, schon jetzt sind mehr Chinesen online als Amerikaner und bis sie frei schreiben dürfen ist eine Frage der Zeit. Wir können also davon ausgehen, dass die Punkte a) und c) gelöst werden.

Bleibt das Problem Mensch: Je größer der Wissensbestand in den Suchmaschinen, desto gezielter und genauer müssen die Suchergebnisse werden. “Seite 1 von 3 Milliarden” – nicht nur vorstellbar sondern eine reine Frage der Zeit unter den Voraussetzungen des Status Quo. Und wo immer eine große Anzahl an Bewerbern zusammenkommt, desto härter wird der Wettbewerb. Hochkonjunktur für Suchmaschinenoptimierer.

Und so sind wir wieder bei den Verifikationsmaschinen, das Zentrum jeder Überlegung, egal aus welcher Richtung sie kommt. Die Verifikationsmaschine, die auf rein technologischer Basis Inhalte prüft, und auf das Stichwort prüft, was derzeit verstümmelt und entstellt als “Relevanz” daherkommt: Qualität.

Geschrieben von Dominik Schwarz

4. März 2008 um 00:11

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Kurzer Zwischenruf zum Thema E-Mail-Marketing

1 Kommentar

Die eigene eMail-Kampagne wird schneller als Spam wahrgenommen als manchem Marketer lieb ist. Zum Teil liegt das auch an den Mail-Clients.

Schreibt das Marketing-Portal Ecin. Halt, wie war das? Spam liegt am… Client? Und Verbrechen an.. der Polizei? Kuriose Dialektik. Weiter heißt es:

Nicht überraschend kommt das Ergebnis der Umfrage von Dot Email unter US-Nutzern, die unerwünschte Werbebotschaften per Mail kurzerhand zu Spam erklären.

Denken wir uns mal ganz verrückt in den Kopf eines “US-Nutzers”. Nehmen wir an, wir erhalten eine unerwünschte Werbebotschaft. Könnte es da nicht sein, dass diese “zum Spam erklärt” wird, weil.. nun ja.. wie drückt man es am Besten aus… ES SICH VERDAMMTNOCHMAL UM SPAM HANDELT?

Bei diesem Thema erinnere ich mich an eine Geschichte, die ich unabhängig von der schockierenden ad hoc Meldung oben schon eine ganze Weile bloggen wollte. Beruflich habe ich für einige Zeit die Tochter eines Konzernriesen in Sachen E-Mailmarketing betreut. Neben langwieriger Beratung “Gerne können Sie Newsletter an Ihre Kunden schreiben, aber bitte nur, wenn Sie auch wirklich etwas zu sagen haben. Mit Marketingblabla schaden Sie sich nur selbst.” wurde ich auch mit dem Schreiben des Editorials bedacht. In regelmäßigen Abständen erhielt ich einen Anruf und sollte Tags darauf einen mitreisenen Text zum Einstieg des Konzernnewsletters geschrieben haben.

Nun muss man dazu sagen, dass das Produkt des Unternehmens ungefähr so spannend wie Briefmarken sammeln für Aussenstehende war, die Kommunikation mit den Mitarbeitern sich schwierig herausfordernd gestaltete und der Empfängerkreis der E-Mailaussendung so vital wie Knäckebrot. Aber der Name eben groß.

Ich schrieb also eines Tages wieder ein Editorial und versuchte, es für den Leser so interessant wie nur irgendwie möglich zu machen. Ich recherchierte die Vorteile des Produkts und entdeckte sogar eine kleine, interessante Neuerung, die für die Kunden des Unternehmens tatsächlich von Interesse ist und verband alles zu einem kurzen, schönen Text.

Tags darauf rief mich der Chef des Unternehmens an, der die Abnahme vornehmen wollte. “Herr Schwarz” sagte er, “Herr Schwarz, das.. also, es gefällt uns schon soweit ganz gut, Sie müssten es aber doch nochmal überarbeiten. Uns fehlt noch so ein bisschen der aktuelle Bezug. Sie sind doch so ein kreativer Mann, flechten Sie doch bitte noch ein aktuelles Ereignis mit in den Text ein, denken Sie sich irgendetwas aus. Beziehungsweise nein, wir haben da schon einen Wunsch. Schreiben Sie doch bitte irgendwas über den Klimawandel.”

Irgendwas über den Klimawandel. In einem Produktnewsletter mit einem Produkt a la Briefmarken.

Nicht überraschend kommt das Ergebnis der Umfrage von Dot Email unter US-Nutzern, die unerwünschte Werbebotschaften per Mail kurzerhand zu Spam erklären.

Übrigens: Editoriale schreibe ich schon lange nicht mehr. Die verantwortlichen Mitarbeiter im besagten Unternehmen haben jetzt alle andere, wichtige Positionen. Der Newsletter wurde eingestellt.

Geschrieben von Dominik Schwarz

17. Oktober 2007 um 14:07

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