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"But I... I... I think you're the fucking Antichrist."

Noch ein Weblog von Dominik...

oder: Der Tod der Suchmaschinen, der “SEO” und allem anderen.

(Weiter gehts mit dem Thema Umwälzungen. Die Vorgeschichte dazu findet sich hier, hierund hier.)

Erstens: Suchmaschinen sind eine aussterbende Spezies. Zweitens: Alles Gefasel von der “Relevanz”, ich kann es nicht mehr hören. Je mehr ich mich mit dem Prinzip des Hypertexts befasse, desto klarer wird wir, wie unübersehbar fehlerhaft das System als solches ist.

Tatsächlich sind die Suchergebnisse einer jeden Suchmaschinen alles andere als “relevant”.

a) Suchmaschinenergebnisse sind eine künstlich getroffenen Vorauswahl

Welche digitale Inhalte erfasst werden können, bestimmen technologische Voraussetzungen. Text auf Bildern, gesprochene Texte, Technologien wie Flash oder schlicht die Kapazitätsgrenze des Suchindex einer Suchmaschine filtern Inhalte vor und schließen weite Teile schlichtweg aus.

b) Suchmaschinenergebnisse sind Manipulation

“SEO”, die so genannte Suchmaschinenoptimierung, ist - jede philosophische/ethische Diskussion darüber ausklammernd - in vielen Fällen ein euphemistisches Schlagwort für die Manipulation der Ursprungsinformation. Fast alle Maßnahmen, die über eine semantisch korrekte Codedarstellung hinausgehen, verändern die Mutterinformation. Mal mehr, mal weniger:

Überschriften, Seitentitel werden Wortenau angepasst, “Keyworddichten” gemessen und verändert und der “Backlinkhandel” blühte, bis Google einen Riegel vorschob.

Das soeben verlorene Korsett der Zeilenlänge und Druckerschwärze, welchem der Text vor so kurzem erst entrann; in Zeiten der Suchmaschinenoptimierung, wie sie heute betrieben wird, bekommt er es wieder angelegt. Wer ob der harten Worte Zweifel an dieser Aussage hegt, der möge einmal versuchen, wahrhaftig informative und aussagekräftige Inhalte ohne unmittelbare (!) kommerzielle Hintergründe zu den Themen “Private Krankenkasse”" oder Kredite zu finden. Wikipedia zählt nicht.

c) Suchmaschnenergebnisse sind digitale Ergebnisse

Ohne Zweifel, digital ist die Zukunft. Beinahe jede (!) schriftliche- oder bildliche Information, die sekündlich in den Industriestaaten im Jahr 2008 erstellt wird, ist digital. Aber Informationen, die zehn Jahre alt sind? Zwanzig? fünfzig? Mündliches Wissen? Und vor allem: afrikanisches Wissen? Chinesisches? Der bereits vorliegende Datenbestand mag unvorstellbar gigantisch sein, ist aber verschwindet gering gegen das Wissen der Welt, was analog vorliegt.

Und damit sind wir beim ersten Kernproblem: Das Wissen der Welt liegt in Größenordnungen, die für einen Menschen nicht fassbar sind. Lediglich in einem erschreckend geringen Zahlenraum “begreifen” wir Zahlen tatsächlich. 10 Millionen oder 100 Millionen jedoch, wer vermag schon zu sagen wie viel das tatsächlich ist. Viel. Haben uns die Medien gesagt.

Ergo: Technologische Probleme werden immer gelöst, früher oder später. Bücher werden bereits jetzt in großem Stil digitalisiert und Texterkennungsmechanismen sind auf dem besten Weg, ausgereift zu sein. Und das Internet erreicht früher oder später jeden Kontinent, schon jetzt sind mehr Chinesen online als Amerikaner und bis sie frei schreiben dürfen ist eine Frage der Zeit. Wir können also davon ausgehen, dass die Punkte a) und c) gelöst werden.

Bleibt das Problem Mensch: Je größer der Wissensbestand in den Suchmaschinen, desto gezielter und genauer müssen die Suchergebnisse werden. “Seite 1 von 3 Milliarden” - nicht nur vorstellbar sondern eine reine Frage der Zeit unter den Voraussetzungen des Status Quo. Und wo immer eine große Anzahl an Bewerbern zusammenkommt, desto härter wird der Wettbewerb. Hochkonjunktur für Suchmaschinenoptimierer.

Und so sind wir wieder bei den Verifikationsmaschinen, das Zentrum jeder Überlegung, egal aus welcher Richtung sie kommt. Die Verifikationsmaschine, die auf rein technologischer Basis Inhalte prüft, und auf das Stichwort prüft, was derzeit verstümmelt und entstellt als “Relevanz” daherkommt: Qualität.

Eine Dekade Internet III

Reden wir über das Internet. Es werden Umwältungen stattfinden, es handelte in diesem Blog bereits davon. Und es fängt mit meiner Bielefelder Wohnung im Souterrain an.

Meine Wohnung ist super. Die Lage klasse, der Preis okay, der Fußboden schön. Aber der Umstand, dass sie sich im Souterrain befindet und die daraus resultierende relative Dunkelheit lassen mich nach einer neuen Bleibe suchen. Online, klar. Und kurze Zeit später habe ich auch tatsächlich mehrere Besichtigungstermine. Ich mache mich auf den Weg und als ich das Treppenhaus betrete weiß ich zwei Dinge:

1. Diese Wohnung werde ich nicht nehmen.
2. Was im Internet kurz- bis mittelfristig passiert, wird sich noch viel schneller und tiefgreifender auf den Alltag auswirken, als ich bisher dachte.

Vom Datenkrakenfüttern

Was war geschehen? Seit vielen Jahren bin ich Forenbetreiber und seit ebendieser Zeit beobachte ich die Unbekümmertheit, mit der persönliche Informationen veröffentlicht werden. Nicht die Adresse oder das Geburtsdatum sind, ganze Lebensgeschichten und Schicksale.

Das ist zwar nichts Neues, aber durch einen Zufall blieb mir die Geschichte einer Nutzerin im Gedächtnis, die von ihrer Schwester erzählte. In epischer Breite legte Sie die Familiensituation dar und berichtete vom Partner der Familienjüngsten, dessen Nebenverdienst das Dealen sei.

Auch das sicherlich keine unvergessliche Geschichte, hätte die extrovertierte Familie nicht auch noch einen außergewöhnlichen Namen getragen. Und so stand ich nun im Hausflur dieses kleinen Mietshauses im Bielefelder Westen, schaute auf die Klischelschildreihe und kannte die Lebengeschichte und tiefen Geheimnisse der Menschen meiner potentiellen Nachbarwohnung.

Logische Schlussfolgerungen

Erst am Abend wurde mir bewusst, welche Tragweite diese Entdeckung hatte, die man sonst vielleicht als “kuriose Episode” abhake könnte:

1. Ich habe nie ein Mitglied dieser Familie je getroffen. Ich hatte nie direkten Kontakt. Ich habe keine Nachforschungen angestellt, keine besonderen cleveren Schlüsse gezogen. Ich lediglich auf ein paar Links geklickt und kombiniert.

2. Die Daten dieser (und unzähliger weiterer Persönlichkeitsprofile) sind längst da und sind sogar heute bereits techisch verküpft. Nochmal: Alle Daten und Informationen sind jetzt in diesem Moment bereits technisch vernüpft!

Blog- und Forenbeiträge erlinken auf E-Mail-/Internetadressen die einen Admin-C-Eintrag besitzen, welcher wiederum eine Postadresse enthält. Fotos enthalten werden Orten zugeordnet, werden getaggt und beschrieben. Die Googleergebnisse zu Nicknames geben Auskunft über Interessensbereiche von Personen. 100% öffentlich und frei verfügbar.

Es braucht jedoch noch einen Menschen, der diese Informationen zu einem Bild zusammenfügt. Ob ein Forenbeitrag eine Geschichte, eine Biographie oder der Bericht über eine Dritte Person ist, kann bisher keine Endnutzersoftware feststellen.

Wenn Maschinen kombinieren lernen

Bisher. Schon sind mit Personensuchmaschinen wie Spock erste Anbieter auf dem Markt, die jedoch noch daran kranken, dass sie massiv auf die Mithilfe ihrer 2.0 Community angewiesen sind. Doch bis zum Semantic Web und damit dem erkennen der Inhalte und dem logischen verknüpfen zwischen Informationen ist es nicht mehr weit. Und nun stelle man sich eine professionelle Aggregation dieser Daten vor.

Man denke zum Beispiel den Tag, an dem dir deine Versicherung kündigt, weil sie auf einer Art Google Maps entdeckt hat, dass du deine Wohnung mit jemandem teilst, der professioneller Drogenhändler ist.

Oder vielleicht wohnst in der tiefsten Provinz in Sachsen. Online bist du auf einschlägige linken Portalen gegen Rechtsradikalismus aktiv. Im Web 3.0 findest du in der “politischen Kartenansicht” in “Google Maps” über deiner Wohnung einen roten Punkt. Und offline statten dir die Nachbarn ohne roten Punkt einen Besuch ab.

Zu dystopisch und abwegig? Dann einen Schritt zurück: Eine Landkarte, auf der alle Eigentümer von Domains eingetragen sind. Gesetzlich zwar undenkbar, technisch aber ein alter Hut und kaum weniger unangenehm als obige Beispiele wenn ohne jeden Rechercheaufwand herauskommt, dass du mehr Domains hast, als Freunde, Familie und Arbeitgeber wissen. Und da sind wir auch schon wieder bei den Verifikationsmaschinen.

Die Wohnung habe ich dann wirklich nicht genommen.

Prüfungstag

Is Dexter ill, Is Dexter ill, Is Dexter ill, Is Dexter ill today?
Mr Kirk, Dexter’s in school.
I’m afraid he’s not, Miss Fishborne.
Dexter’s truancy problem is way out of hand.
The Baltimore County school board have decided to expel
Dexter from the entire public school system.

Oh Mr Kirk, I’m as upset as you to learn of Dexter’s truancy.
But surely, expulsion is not the answer!
I’m afraid expulsion is the only answer!
It’s the opinion of the entire staff that Dexter is criminally insane.

Ende einer Ära. Vielleicht.

Eine Dekade Internet II

12:53:29 Katja: guck mal fraukes und mein scrabblespiel an! ich bin drauf verlinkt, also einfach über meine seite
12:54:36 Dominik: welches social network?

Social Netzwerke. So recht einschlafen konnte ich gestern dann nicht, zu lange beschäftigte mich die Frage nach dem Sinn von Sozialen Netzwerken im Allgemeinen. Dabei ging es nicht um die Frage, ob das hundertste Web 2.0 Netzwerk für gehörlose und alleinerziehende Maori Sinn ergibt, sondern vielmehr, ob alle Portale dieser Art zusammen mehr sein können, als reine Kontaktdatenspeicher.

Kernproblem jedes Netzwerks und zudem völlig unnatürlich ist die gleiche Wertigkeit aller Kontakte. Für das System macht es keinen Unterschied, ob ich einen Geschäftspartner, meine Freundin oder einen mir persönlich unbekannten Blogleser zu meinen “Freunden” respektive “Businesskontakten” hinzufüge, Kontakt ist Kontakt. Und genau dieses kommunistische Freundschaftsdilemma macht Xing, StudiVZ und Co. völlig wertlos, wenn es um die qualitative Beurteilung einer Beziehung geht. Dazu kommt, dass jeder Nutzer auch noch persönliche Vorstellungen hat, wie solche Kontaktlisten zu führen sind, wer hinzugefügt wird und wer nicht.

Zur Realisierung einer funktionierenden “Kontaktqualitätsbeurteilung” kommen zwei Lösungsansätze in Betracht.

Der Händische.

In einer wie auch immer gearteten Funktion legen die Nutzer selbst die Qualität eines Kontaktes fest. Egal welchen intelligenten Mechanismus man vorsetzt, im Endeffekt wird jeder Kontakt bewertet: “Geschäftskollege: 2 Punkte, Stammkunde 5 Punkte, Geliebte: 8 Kunde”. Reziprok hoch gewertete Beziehungen werden dann in beliebiger Art und Weise gewichtiger dargestellt als nieder Bepunktete.

Aber schon das Beipiel zeigt, dass die manuelle Bewertung keine realistische Ausgabe liefern wird. Zu subjektiv sind die unterschiedlichen Eindrücke, Eigeninteressen bestimmen die Punktvergabe und wer nicht jedem neuen Freund die Höchspunktzahl gibt, würde nur all zu schnell ins virtuellsoziale Abseits geraten. Und ein Netzwerk,in dem sich alle gegenseitig hochbieten ist ad absurdum geführt, sprich: die händische Methodik ist Quatsch.

Die Automatisierte.

Für ein leider nie realisiertes Projekt gab es folgenden Plan: Das Hinzufügen zu Freunden auf die Kontaktliste sollte automatisiert geschehen. Ab einer gewissen Summe von Profilaufrufen, Gästebucheinträgen und privaten Nachrichten werden beide Nutzer gegenseitig als Kontakt gesetzt. Technisch absolut keine Herausforderung, schließlich kann alles mitgeloggt werden, rechtliche Aspekte mal ganz bei Seite gelassen. Der Vorteil scheint auf der Hand zu liegen: Das System ermittelt automatisiert und unbestechlich der Wert aller Kontakte und kann so eine realistische Gewichtung ausgeben. Doch auch das ist eine Sackgasse: Als geschlossenes System mag das vielleicht funktionieren. So bald aber auch nur eine Kontaktmöglichkeit hinzukommt und somit die Datenaufzeichnung umgangen wird, ist die Wertung unvollständig und schon bald völlig verzerrt. Auch dies somit Quatsch.

Telefon in die Hand nehmen, anrufen. Ist sowieso besser, als den ganzen Tag nur in Facebook rumzuhängen, jaja, wissen wir doch. Und überhaupt, wo ist der Gewinn, Beziehungen zu gewichten und vergleichbar zu machen, Privatsphäre ist Privatshäre. Nicht?

Noch. Zumindest meistens. Zu keinem Zeitpunkt der Geschichte wurden mehr Informationen publiziert und zu keinem Zeitpunkt waren unsere Leben besser dokumentiert. Chat im Instant Messanger, ‘ne neue Nachrichten im Social Network A und im Social Network B wurde soeben ein Bild von der Party gestern mit meinem Namen getaggt. Suchmaschine G kennt und speichert sämtliche Suchanfragen und die Toolbar zeichnet auf, welche Seiten ich besuche und wie oft. Schnell einen Anruf tätigen über IP-Telefonie und ein veröffentlichtes Dokumente online zu zweit bearbeiten. Einen Blogeintrag darüber verfassen und beim Freund kommentieren und auf die Fotos im Social Network B verweisen. Eine Mail über den Webmailprovider abrufen: Die Freundin hat den XNF-Status in ihrem Backlink von rel=”spouse met” auf rel=”met” geändert. Scheiße!

Man muss wahrlich kein Orwell sein, um sich auszumalen, was möglich wird, wenn Onlinedienste nach und nach Schnittstellen mit Profilgewichtungen der beschriebenen Art zur Verfügung stellen würden, der “Bundestrojaner” wird dann ganz schnell zum frommen Wunsch. User Generated Gläserner Mensch heißt das dann wohl. Schon bald in der öffentlichen Betaphase.

Und noch ein kleiner Nachtrag zum Zehnjährigen, Teil I: Internet in Augsburg bei Apfelschorle muss sogar noch früher gewesen sein, sagt meine Schwester Sibylle. Spätestens Mitte 1996, das Jahr drauf war sie dann schließlich schon weg.

Eine Dekade Internet

Ebay im Jahr 1999 (via archive.org)

Im bereits vor der Tür stehenden nächsten Jahr wird es eine Dekade, dass ich im Internet bin. Der allererste Kontakt mit dem Medium liegt sogar noch ein wenig länger zurück. Die Universität Augsburg, an der meine Schwester zu diesem Zeitpunkt studierte, hatte mindestens einen Computersaal mit frei zugänglichem Netzanschluss und auch so kuriose Dinge wie ein “Internetcafé” gab es dort. Ein Café, in dem man vor Computern sitzt und per “surfen” in irgend ein “Netz” kann - 1997 für die meisten Menschen eine ziemlich kuriose Vorstellung. Und auch ich, mit einer Kindheit gänzlich ohne Unterhaltungselektronik fand das alles schon ziemlich aufregend. Ich habe eine große Apfelsaftschorle getrunken und wir haben das Intro den Vorspann von “Verbotene Liebe” als Video heruntergeladen und auf einer 3,5″-Diskette gespeichert. Weil es ging.

Auch den zweiten Kontakt mit dem Internet habe ich meiner Schwester zu verdanken: Sie wandert aus. Telefonieren ist bereits im Inland teuer, von Anrufen ins Ausland ganz zu schweigen und auch Billigvorwahlen sind noch Jahre entfernt. Gute Argumente für das Internet, meinte meine Schwester und ich natürlich auch. Stimmt, meinten meine Eltern und für 169 DM gibt es das Einsteigerpaket von der Telekom. Ein 28k-Modem an den Com-Port des 486er und schon läufts. Zumindest in meiner Erinnerung, in der Realität müssen mindestens eine Deckenbohrung und etliche Stunden Konfiguration dazwischengelegen haben. Doch irgendwann läuft es. Und weil mit dem Einwählen per Modem die Analogleitung belegt ist, war 1998 auch das erste von mehreren Jahren, in denen mein Elternhaus telefontechnisch von der Außenwelt abgeschnitten war.

Aus dem selben Jahr stammt auch meine erste Webseite. Ein Freund kannte sich schon ein wenig mit dem “Netscape Composer” aus, einem HTML-Editor eines Browsers, dessen Kindeskind heute Firefox ist. Ich habe einen animierten, rennenden Elch eingebaut und ein sich unendlich wiederholendes Puzzelbild im Hintergrund. Ich habe Comic Sans verwendet und “Dominik’s” geschrieben. Ja, so war ich.

Und trotzdem hatte ich beinahe allen um mich herum etwas voraus: Ich wusste, was das Internet ist. Sehr lange Zeit musste ich den meisten Menschen um mich herum erklären, was es überhaupt mit diesem Hobby auf sich hat und was man in diesem WWW so machen kann. Zum Beispiel sich bei eBay anmelden. Oder downloaden: eine gezippte .mp3 in einem halben Nachmittag war da ein gutes Ergebnis. Sofern man nicht vorher aus dem Netz geschmissen wurde. Oder wer anrufen wollte. Oder ein noch tolleres animiertes gif auftauchte.

Doch ich verheddere mich. Worauf ich eigentlich hinaus möchte ist nur folgendes: Mein Vater hat mit dem heutigen Tage mehr als doppelt (!) so viele Bewertungen bei eBay wie ich.

Die Zukunft, sie ist da.

Delicious Library

Delicious Library

Ich liebe Kategorisierung. Und die Ordnung, die dadurch entsteht. Mein Bücherregal “A”, 4×4 quadratische Fächer, ist in absteigender Reihenfolge nach Themengebiet, Anspruch und Buchformat sortiert. Ein Faible, keine Manie.

Was fehlt, ist eine Suchfunktion. Meine Musik habe ich komplett digital in iTunes, alle digitalen Bilder (mittlerweile) in einer iPhoto Bibliothek. Beides kann ich mit Hilfe von Stichworten durchsuchen. Wäre es nicht grandios, auch sein Bücherregal komplett durchsuchen zu können? Die Inhalte aller Romane und Lehrbücher digital vorliegen und zur Weiterverarbeitung freigegeben zu haben? Zugegeben, letzteres dauert noch, aber die Google Büchersuche ist auf genau dem Weg dorthin. Eine selbst zusammengestellte Bibliothek kann mit Hilfe einer Volltextsuche von der ersten bis zur letzten Seite auf beliebigen Suchphrasen gescannt werden. Bei Romanen “nett”, bei Fachbüchern eine absolute “Killeraplikation” und unheimlich praktisch.

Lizenzprobleme, eine mäßig attraktive Überfläche, ein Betastatus und nicht zuletzt die Tatsache, dass naturgemäß nur ein Bruchteil aller Bücher auch tatsächlich bei Google Books verfügbar ist macht die Sache im Jahr 2007 noch nicht sonderlich spannend. Doch das kommt, ich bin sicher. Bis dahin muss eine reine Katalogisierung der eigenen Bibliothek genug sein und was könnte es da für eine schönere Software geben als Delicous Library (OS X). Das “digitale Medienregal” verwaltet neben Drucksachen auch Musik (uninteressant, da in iTunes), Spiele (uninteressant, mangels Besitz) und DVDs und die Verwaltung einer Ausleihliste ist auch mit drin.

Was bei Google staubtrockene Arbeit ist, macht mit DL unheimlich Spaß: Mit einer integrierten iSight oder jeder anderen Webcam einfach den Barcode des Buchs, der CD oder der Spielepackung in die Kamera halten und nach einem Supermarkkassenpiepsen ist das Medium erkannt und Cover, Titel, Beschreibung und alle anderen Daten werden von amazon.de gezogen. Sekundenbruchteile später erscheint der soeben gescannte Artikel neu in der Bibliothek. Die Ansicht kann wie gewohnt stufenlos gezoomt werden und schon nach kurzer Zeit ist eine stattliche Anzahl an Artikeln, ordentlich nach Verfasser gereiht, auch digital angelegt. “Im Handumdrehen”, wie die Werbung sagen würde. Und tatsächlich funktioniert die Erkennung des Barcodes erstaunlich gut. Lediglich Sonderausgaben und Bücher aus vor-ISBN-Zeiten müssen natürlich händisch angelegt werden. Abgesehen davon erkennt DL alle Ausgaben korrekt und zuverlässig.

Und nun? Nun warte ich auf den Tag, an dem ich den Export meiner gepflegten Bibliothek bei Google hochladen kann und sämtliche Bücher durchsuchbar sind. Dann werde ich nach einem Stichwort Googeln und ich werde wissen, in welchem der 4×4 quadratischen Fächer die gesuchten Inhalte stehen. Wie gesagt, ein Faible. Keine Manie.

Delicious Library Lizenz

Wofür der Kauf sich schon gelohnt hat: Mal ehrlich, wer hat bei so einer Meldung nach dem Bezahlvorgang kein gutes Gefühl?

(Gut, es war natürlich etwas ungeschickt die Software in der Version 1.6.6 zu kaufen, keine 30 Tage nachdem die grandiose generalüberholte Version 2 mit der Bemerkung “soon” angekündigt wird. Aber vielleicht bekommen ja Käufer der 1.6.6. das Update gratis. Vielleicht wenn ich lieb frage?

Dear friends visiting me by googling yourselves: I’ve just purchased DL 1.6. Damnit, it’s really cool, i love it! But now I found out that you’ve made DL even hotter and will release it “soon”. But my money has gone and I’m not able to buy the new version as well. What about that: Free upgrade for customers that bought after th 15th of november. That would be great. Really. Thanks!)

Vom Wunschdenken längst Überholter

Aus dem Vorwort zum Kompendium der Mediengestaltung

(”Neue Trends und Entwicklungen in der Medienbranche”, so der Klappentext, fänden in der dritten, generalüberholen Auflage des “Kompendium der Mediengestaltung” für Digital- und Printmedien Eingang.

Schade nur, dass in dem 2005 (!) erschienenen Quasi-Standardwerk für die rund 7.000 Mediengestalterazubis (inklusive Nonprint) Jahr für Jahr zwar der “Netscape Navigator“, nicht aber Firefox Erwähnung findet. Schade, dass der laxe Schreibstil zwar bestimmt den ein oder anderen Pseudokreativen anspricht, inhaltlich aber häufig ungenau ist. Schade, dass im Fließtext Smilies intergiert sind (!), die Argumentation für Barrierefreie Webseiten aber bei “Damit gewinnen Sie Aufträge aus öffentlicher Hand” endet und kein Wort darüber verliert, ob es nicht prinzipiell richtig sein könnte, Behinderte zu integrieren. Schade, dass die Inhalte didaktisch streckenweise völlig konfus und unbrauchbar aufbereitet sind. Und schade, dass bereits im Vorwort solch ein wie bereits oben abgebildeter grandioser Bullshit steht!)

Es hat gedauert, aber nun ist auch endlich das erledigt: Mit dem Update auf Wordpress 2.3.1 funktionieren auch hier wieder der RSS-Feed für Beiträge. (Ich weiß, das Template ist noch immer nicht Internet-Explorer tauglich. Folgt, bei Gelegenheit.)

Wer wird nicht Millionär?

Wer wird Millionär?

Die synthetischen Choralstimmen setzen zu einem halbminütigen Aaaaaaaaaaaaaa an. Der Herzschlagbeat: Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada. Kleine space-ige Töne hetzen in Wellen die Tonleiter rauf und runter. Plingplamplumplim plingplamplumplim plingplamplumplim plingplamplumplim. Und das Ganze von vorn! Aaaaaaaaaa Ta dada plingplamplumplim Ta dadada Aaaaaaaaaa Ta dadada plingplamplumplim.

Also, zumindest im Fernsehen ist das so. Tatsächlich stören nur die in regelmäßigen Abständen heruntergeworfenen Abstimmgeräte für das Publikum die Stille im Studio. Die Musik, die vermutlich ein Großteil der Deutschen ohne langes Zögern der Sendung zuordnen könnte, wird erst im Nachhinein eingefügt. Herzlich Willkommen und zu einem Freitag Abend mit “Wer wird Millionär“!

Ich will gerade in die Mittagspause, als eine unbekannte Nummer auf meinem Handy klingelt. “Hallo, hier Endemol!” Endemol? Moment, die machen doch… “Wer wird Millionär und der Computer hat Sie ausgewählt, herzlichen Glückwunsch! Sind Sie allein im Raum, ich werde Ihnen dann ein paar offene Fragen ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten stellen!” Etwas verdutzt lege ich meine Jacke wieder hin. Erst 3 Tage ist es her, dass ich mich zum ersten Mal für die Sendung beworben habe und eine Onlinefrage ausfüllte. “Wie heißt Jogi Löw mit Vornamen richtig? Welches Metall verbirgt sich hinter der chemischen Abkürzung Zn? Wie heißt der große Fels in Australien, der auch Wahrzeichen des Landes ist?” Mein Kollege bedeutet mir durch die Glastür, dass die Pizza gerade geliefert wurde. Jetzt nicht! “In welchem Bundesland liegen Konstanz und Mannheim? Welche Zahl zwischen 9 und 19 ergibt die Quersumme 2? Judith Holofernes spielt in welcher bekannten deutschen Band?” Ein paar Lebenseckdaten von mir, dann zum Abschluss eine Schätzfrage: “Wie lange brauchte der diesjährige Gewinner des Iron-Man-Contests, um ins Ziel zu kommen?

“Sollte es geklappt haben, rufe ich Sie bis spätestens Montag Abend zurück!” und das Gespräch endet. Schnell google ich, ob ich mit Zink auch recht hatte und stelle zudem fest, dass ich mit meinem Tipp “8 Stunden” bei der Schätzfrage lediglich 15 Minuten daneben lag. Als ich zum essen kam, war die Pizza längst kalt.

Hinter den Kulissen wählten die Mitarbeiterinnen von Endemol zu dieser Zeit 99 weitere Nummern, die der Zufallsgenerator ausspuckte. Die 10 besten dieser 100 Bewerber stellen dann die Kandidaten im Studio. Und tatsächlich klingelt am Freitag erneut das Handy mit unbekannter Nummer. “Hallo, ich bins nochmal von Endemol! Es hat geklappt!

Keine 14 Tage später ist der Aufahmetermin. Drei Sendungen werden hintereinander aufgezeichnet, jeweils am Dienstag Abend. Per E-Mail erhalte ich Unterlagen mit den Anlagen A bis H, scanne meinen Personalausweis, ein Bild und stehe vor der schwierigen Wahl, 3 komplette Garnituren mitbringen zu müssen. Sollte ich Überhangkandidat werden, muss ich in der nächsten Sendung natürlich andere Kleidung tragen, genau wie meine Begleitperson. Tragen darf ich was ich will, wohl soll ich mich fühlen sagt Anlage D. Es sei denn ich fühle mich in Kleidung wohl, die komplett weiß, komplett schwarz, knallrot, gestreift, gepunktet, gemustert oder gestrickt ist, das sind schlechte Kombinationen für die Technik.

Ich habe Glück und mein Outfit wird am Aufzeichnungstag abgesegnet. Es folgt ein Vorbriefing und die Vertragsunterzeichnung. Das Schriftstück ist liberaler als erwartet. RTL erhält das Recht am Bild und darf bis in alle Ewigkeit Sendungen, DVDs, Spiele und Webseiten mit meinem Konterfei schmücken. Das liegt bei einem Medienunternehmen allerdings auch nahe und ist in diesem Fall in Ordung, schließlich habe ich mich beworben. Darüber hinaus verpflichte ich mich zur Mitwirkung und nenne keine Markennamen, so lange mich Herr Jauch nicht explizit danach fragt. Der Datenverwertungspassus ist streichbar und so setze ich meine Unterschrift auf das Papier.

Dann eine Testrunde im Studio. Auf den ersten Blick ist es klein, auf den zweiten auch noch dreckig. Die Stühle der Kandidaten dürfen wir jetzt, so sagt Berufsvorglüher Frank, an den schwarzen Klebekreuzen auf dem PVC-Boden ausrichten. Das Publikum sitzt auf provisorisch erscheinenden Tribünen, die mit ikeaähnlichen Stühlen ausgestattet sind. Auf dem Rand liegen die Fernbedienungen für den Publikumsjoker. Frank wird später sagen “Bitte, bitte nicht runterwerfen.” Es wird nie nützen. Dann spielen wir eine Auswahlrunde auf den Touchscreens und nehmen jeweils einmal in der Mitte Platz. “Sie bitte in die linke Kamera lächeln” und ich lächle in die linke Kamera. Ende der Probe.

Später schaue ich mir im Backstagebereich die Bilder an der Wand an. Armin Assinger ist der österreichische Günther Jauch, nur ohne Witz und Charme. Das Studio ist jedoch das Selbe und so wird donnerstags die österreichische Version der weltweit lizenzierten Show gedreht. Meiner Freundin erzählt die Stadtführerin auf der Tour für die Begleitpersonen, dass eben jede “Millionenshow” massive Probleme mit den Zuschauern habe. Beziehungsweise damit, dass es eben keine Zuschauer gibt. Während Publikumskarten für die deutsche Sendung knapp zwei Jahre im Voraus ausgebucht sind (!), werden von Endemol für die Millionenshow Schulklassen rekrutiert, damit das Studio überhaupt gefüllt ist. Dementsprechend unbeliebt ist dann natürlich auch der Publikumsjoker bei den österreichischen Kandidaten - in den seltensten Fällen sind Kölner Schüler in österreichspezifischen Fragen sonderlich firm.

Eine andere Kuriosität steht unter den Zuschauerrängen. Als Rainer Calmund zu Gast bei Wer wird Millionär war, wurde vorab ein extra Kandidatenstuhl angefertigt. Dieser wird nun entweder für schwergewichtige Prominentenspecials verwendet - oder für die Sondersendungen im ORF: schließlich können auf dem Stuhl zwei Kinder gleichzeitig sitzen!

Und dann, 17:30 nach der Maske, die sich im Wesentlichen auf abtupfen beschränkt, geht es los. Zunächst mit der Aufzeichnung Nummer eins, die ich im Hauskanal mitverfolgen kann. Der Bass, wann immer die nächste Frage gestellt wird, kommt zugleich aus dem Fernseher und ist auch in den Füßen zu spüren. Zum ersten Mal bin ich dann doch nervös. Von den Fragen, die Herr Jauch ein Stockwerk unter mir stellt, weiß ich die Hälfte nicht - was jedoch nicht an der Aufregung liegt, sie übersteigen schlicht mein Wissen. 7,5 Millionen Zuschauer haben eine der letzten Montagssendungen gesehen, das sind - Kleinkinder abgezogen - knapp 10% aller Bundesbürger! Kein Platz, an dem man sich unbedingt lächerlich machen möchte. Für 120 Fragen, die Herr Jauch mir stellen könnte, habe ich Antworten im Kopf. Wahrscheinlich wird er die 121. Frage stellen und ich kann mich weder an meine Hobbys erinnern, noch in 2 Sätzen erklären, was ich beruflich eigentlich so genau mache. Ach. doch, kann ich. Wird schon! Ne? Ja, doch, wird. Und wenn nicht, es führt eh kein Weg dran vorbei, denn die erste Sendung endet bereits und der Überhangkandidat kommt hoch und zieht sich um, damit er gleich weiterspielen kann. Unten wechselt das Publikum, dann geht es los. Einmarsch der Kandidaten, ein Mal quer durchs Studio laufen, grüßen, beklatscht werden, hinsetzen. Ohne Kamera, ohne Herrn Jauch. Der ist mittlerweile sowieso schon so oft durch den Flur gelaufen und ist nach Smalltalk kaum mehr ungewohnt. Umso ungewohnter dafür das Licht, die Kameras und circa 40 Zuschauer, die einem über den Rücken auf den Bildschirm schauen. “Und begrüßen Sie nun unseren Gastgeber: Günther Jauch!

Noch ein Briefing, diesmal fürs Publikum. Bitte nichts vorflüstern und auch nicht “das Zahnarztgeräusch machen”, wenn ein Kandidat falsch tippt. Wenn 200 Menschen mit einem langgedehnten “fffff”-Ton die Luft einziehen kommt auch in der Mitte an, dass diese Antwort vielleicht falsch sein könnte. Alles klar? Dann los!

“Vor dieser Frage muss sich keiner fürchten” sagt Günther Jauch und wir sollen “Außer”, “Spesen”, “nichts” und “gewesen” richtig reihen. Ich reihe “Nichts gewesen außer Spesen” und stelle erst bei der Auflösung fest, dass das Sprichwort ja andersrum geht. Aber die 2 Sekunden des Konkurrenten hätte ich sowieso nicht unterbieten können. Am Ende geht er mit 500,- Euro nach Hause, nicht ohne sich zuvor mehrfach blamiert zu haben. Und während sich der Kandidat in der Mitte abmüht, merke ich, wie ich zunehmend ruhiger werde. Von Minute zu Minute reduzieren sich Puls und vor der zweiten Auswahlrunde bin ich bei relativer Entspannung angekommen. Jetzt nochmal konzentrieren:

0,37 Sekunden. Und Susanne brauchte dann bis zum Ende. Das war’s auch schon, “jetzt geht es hier weiter mit Mario Barth, einen schönen Freitagabend noch!” Schnell noch ein Foto, dann die Plätze für die nächsten frei machen.

Bleiben noch zwei Sachen zu sagen, eigentlich sogar drei:

Erstens: Wie ist er denn nun so, der Günther Jauch?
Nett! Professionell und wissend, was er tut, und dabei schlichtweg nett. Und was ihn noch besser charakterisiert: “Wie im Fernsehen!”

Zweitens: Bist du nicht enttäuscht?
Nein! Kurioserweise ist mein Umfeld bei weitem enttäuschter als ich selbst. Natürlich hätte ich gerne gewonnen und es war ja auch sehr sehr knapp, aber andererseits habe ich gar nie damit gerechnet in die Mitte zu kommen. Die Auswahlrunden sind reines Glück, die Maler wusste ich, das Sprichwort hätte ich vielleicht auch mit mehr Zeit falsch gereiht. Zudem: hey, ich bin 22 - ich glaube, ich habe noch mehr Chancen auf Gewinne! Es war ein super interessanter Tag und Fahrt und Hotel und Verpflegung wurden alles bezahlt, was will ich mehr! Und das kleine drittens: Mit Susanne kam jemand dran, der es auch “verdiente”. Seit 7 Jahren (!) hat sie sich regelmäßig beworben, ich hingegen nur ein einziges Mal. Gewusst hätte ich ihre Fragen dennoch. Ohne Joker!

Und so schnell diese ganze Episode begonnen hat, endet sie auch. Mit einem Aaaaaaaaaa Ta dada plingplamplumplim Ta dadada Aaaaaaaaaa Ta dadada plingplamplumplim.


Im nächsten Teil: “VORBEI! Das Leben danach: Wie ich langsam wieder Fuß in der realen Welt fasse.”

Die eigene eMail-Kampagne wird schneller als Spam wahrgenommen als manchem Marketer lieb ist. Zum Teil liegt das auch an den Mail-Clients.

Schreibt das Marketing-Portal Ecin. Halt, wie war das? Spam liegt am… Client? Und Verbrechen an.. der Polizei? Kuriose Dialektik. Weiter heißt es:

Nicht überraschend kommt das Ergebnis der Umfrage von Dot Email unter US-Nutzern, die unerwünschte Werbebotschaften per Mail kurzerhand zu Spam erklären.

Denken wir uns mal ganz verrückt in den Kopf eines “US-Nutzers”. Nehmen wir an, wir erhalten eine unerwünschte Werbebotschaft. Könnte es da nicht sein, dass diese “zum Spam erklärt” wird, weil.. nun ja.. wie drückt man es am Besten aus… ES SICH VERDAMMTNOCHMAL UM SPAM HANDELT?

Bei diesem Thema erinnere ich mich an eine Geschichte, die ich unabhängig von der schockierenden ad hoc Meldung oben schon eine ganze Weile bloggen wollte. Beruflich habe ich für einige Zeit die Tochter eines Konzernriesen in Sachen E-Mailmarketing betreut. Neben langwieriger Beratung “Gerne können Sie Newsletter an Ihre Kunden schreiben, aber bitte nur, wenn Sie auch wirklich etwas zu sagen haben. Mit Marketingblabla schaden Sie sich nur selbst.” wurde ich auch mit dem Schreiben des Editorials bedacht. In regelmäßigen Abständen erhielt ich einen Anruf und sollte Tags darauf einen mitreisenen Text zum Einstieg des Konzernnewsletters geschrieben haben.

Nun muss man dazu sagen, dass das Produkt des Unternehmens ungefähr so spannend wie Briefmarken sammeln für Aussenstehende war, die Kommunikation mit den Mitarbeitern sich schwierig herausfordernd gestaltete und der Empfängerkreis der E-Mailaussendung so vital wie Knäckebrot. Aber der Name eben groß.

Ich schrieb also eines Tages wieder ein Editorial und versuchte, es für den Leser so interessant wie nur irgendwie möglich zu machen. Ich recherchierte die Vorteile des Produkts und entdeckte sogar eine kleine, interessante Neuerung, die für die Kunden des Unternehmens tatsächlich von Interesse ist und verband alles zu einem kurzen, schönen Text.

Tags darauf rief mich der Chef des Unternehmens an, der die Abnahme vornehmen wollte. “Herr Schwarz” sagte er, “Herr Schwarz, das.. also, es gefällt uns schon soweit ganz gut, Sie müssten es aber doch nochmal überarbeiten. Uns fehlt noch so ein bisschen der aktuelle Bezug. Sie sind doch so ein kreativer Mann, flechten Sie doch bitte noch ein aktuelles Ereignis mit in den Text ein, denken Sie sich irgendetwas aus. Beziehungsweise nein, wir haben da schon einen Wunsch. Schreiben Sie doch bitte irgendwas über den Klimawandel.”

Irgendwas über den Klimawandel. In einem Produktnewsletter mit einem Produkt a la Briefmarken.

Nicht überraschend kommt das Ergebnis der Umfrage von Dot Email unter US-Nutzern, die unerwünschte Werbebotschaften per Mail kurzerhand zu Spam erklären.

Übrigens: Editoriale schreibe ich schon lange nicht mehr. Die verantwortlichen Mitarbeiter im besagten Unternehmen haben jetzt alle andere, wichtige Positionen. Der Newsletter wurde eingestellt.

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