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"But I... I... I think you're the fucking Antichrist."

Noch ein Weblog von Dominik...

Delicious Library

Delicious Library

Ich liebe Kategorisierung. Und die Ordnung, die dadurch entsteht. Mein Bücherregal “A”, 4×4 quadratische Fächer, ist in absteigender Reihenfolge nach Themengebiet, Anspruch und Buchformat sortiert. Ein Faible, keine Manie.

Was fehlt, ist eine Suchfunktion. Meine Musik habe ich komplett digital in iTunes, alle digitalen Bilder (mittlerweile) in einer iPhoto Bibliothek. Beides kann ich mit Hilfe von Stichworten durchsuchen. Wäre es nicht grandios, auch sein Bücherregal komplett durchsuchen zu können? Die Inhalte aller Romane und Lehrbücher digital vorliegen und zur Weiterverarbeitung freigegeben zu haben? Zugegeben, letzteres dauert noch, aber die Google Büchersuche ist auf genau dem Weg dorthin. Eine selbst zusammengestellte Bibliothek kann mit Hilfe einer Volltextsuche von der ersten bis zur letzten Seite auf beliebigen Suchphrasen gescannt werden. Bei Romanen “nett”, bei Fachbüchern eine absolute “Killeraplikation” und unheimlich praktisch.

Lizenzprobleme, eine mäßig attraktive Überfläche, ein Betastatus und nicht zuletzt die Tatsache, dass naturgemäß nur ein Bruchteil aller Bücher auch tatsächlich bei Google Books verfügbar ist macht die Sache im Jahr 2007 noch nicht sonderlich spannend. Doch das kommt, ich bin sicher. Bis dahin muss eine reine Katalogisierung der eigenen Bibliothek genug sein und was könnte es da für eine schönere Software geben als Delicous Library (OS X). Das “digitale Medienregal” verwaltet neben Drucksachen auch Musik (uninteressant, da in iTunes), Spiele (uninteressant, mangels Besitz) und DVDs und die Verwaltung einer Ausleihliste ist auch mit drin.

Was bei Google staubtrockene Arbeit ist, macht mit DL unheimlich Spaß: Mit einer integrierten iSight oder jeder anderen Webcam einfach den Barcode des Buchs, der CD oder der Spielepackung in die Kamera halten und nach einem Supermarkkassenpiepsen ist das Medium erkannt und Cover, Titel, Beschreibung und alle anderen Daten werden von amazon.de gezogen. Sekundenbruchteile später erscheint der soeben gescannte Artikel neu in der Bibliothek. Die Ansicht kann wie gewohnt stufenlos gezoomt werden und schon nach kurzer Zeit ist eine stattliche Anzahl an Artikeln, ordentlich nach Verfasser gereiht, auch digital angelegt. “Im Handumdrehen”, wie die Werbung sagen würde. Und tatsächlich funktioniert die Erkennung des Barcodes erstaunlich gut. Lediglich Sonderausgaben und Bücher aus vor-ISBN-Zeiten müssen natürlich händisch angelegt werden. Abgesehen davon erkennt DL alle Ausgaben korrekt und zuverlässig.

Und nun? Nun warte ich auf den Tag, an dem ich den Export meiner gepflegten Bibliothek bei Google hochladen kann und sämtliche Bücher durchsuchbar sind. Dann werde ich nach einem Stichwort Googeln und ich werde wissen, in welchem der 4×4 quadratischen Fächer die gesuchten Inhalte stehen. Wie gesagt, ein Faible. Keine Manie.

Delicious Library Lizenz

Wofür der Kauf sich schon gelohnt hat: Mal ehrlich, wer hat bei so einer Meldung nach dem Bezahlvorgang kein gutes Gefühl?

(Gut, es war natürlich etwas ungeschickt die Software in der Version 1.6.6 zu kaufen, keine 30 Tage nachdem die grandiose generalüberholte Version 2 mit der Bemerkung “soon” angekündigt wird. Aber vielleicht bekommen ja Käufer der 1.6.6. das Update gratis. Vielleicht wenn ich lieb frage?

Dear friends visiting me by googling yourselves: I’ve just purchased DL 1.6. Damnit, it’s really cool, i love it! But now I found out that you’ve made DL even hotter and will release it “soon”. But my money has gone and I’m not able to buy the new version as well. What about that: Free upgrade for customers that bought after th 15th of november. That would be great. Really. Thanks!)

Vom Wunschdenken längst Überholter

Aus dem Vorwort zum Kompendium der Mediengestaltung

(”Neue Trends und Entwicklungen in der Medienbranche”, so der Klappentext, fänden in der dritten, generalüberholen Auflage des “Kompendium der Mediengestaltung” für Digital- und Printmedien Eingang.

Schade nur, dass in dem 2005 (!) erschienenen Quasi-Standardwerk für die rund 7.000 Mediengestalterazubis (inklusive Nonprint) Jahr für Jahr zwar der “Netscape Navigator“, nicht aber Firefox Erwähnung findet. Schade, dass der laxe Schreibstil zwar bestimmt den ein oder anderen Pseudokreativen anspricht, inhaltlich aber häufig ungenau ist. Schade, dass im Fließtext Smilies intergiert sind (!), die Argumentation für Barrierefreie Webseiten aber bei “Damit gewinnen Sie Aufträge aus öffentlicher Hand” endet und kein Wort darüber verliert, ob es nicht prinzipiell richtig sein könnte, Behinderte zu integrieren. Schade, dass die Inhalte didaktisch streckenweise völlig konfus und unbrauchbar aufbereitet sind. Und schade, dass bereits im Vorwort solch ein wie bereits oben abgebildeter grandioser Bullshit steht!)

Es hat gedauert, aber nun ist auch endlich das erledigt: Mit dem Update auf Wordpress 2.3.1 funktionieren auch hier wieder der RSS-Feed für Beiträge. (Ich weiß, das Template ist noch immer nicht Internet-Explorer tauglich. Folgt, bei Gelegenheit.)

Wer wird nicht Millionär?

Wer wird Millionär?

Die synthetischen Choralstimmen setzen zu einem halbminütigen Aaaaaaaaaaaaaa an. Der Herzschlagbeat: Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada - Ta dadada. Kleine space-ige Töne hetzen in Wellen die Tonleiter rauf und runter. Plingplamplumplim plingplamplumplim plingplamplumplim plingplamplumplim. Und das Ganze von vorn! Aaaaaaaaaa Ta dada plingplamplumplim Ta dadada Aaaaaaaaaa Ta dadada plingplamplumplim.

Also, zumindest im Fernsehen ist das so. Tatsächlich stören nur die in regelmäßigen Abständen heruntergeworfenen Abstimmgeräte für das Publikum die Stille im Studio. Die Musik, die vermutlich ein Großteil der Deutschen ohne langes Zögern der Sendung zuordnen könnte, wird erst im Nachhinein eingefügt. Herzlich Willkommen und zu einem Freitag Abend mit “Wer wird Millionär“!

Ich will gerade in die Mittagspause, als eine unbekannte Nummer auf meinem Handy klingelt. “Hallo, hier Endemol!” Endemol? Moment, die machen doch… “Wer wird Millionär und der Computer hat Sie ausgewählt, herzlichen Glückwunsch! Sind Sie allein im Raum, ich werde Ihnen dann ein paar offene Fragen ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten stellen!” Etwas verdutzt lege ich meine Jacke wieder hin. Erst 3 Tage ist es her, dass ich mich zum ersten Mal für die Sendung beworben habe und eine Onlinefrage ausfüllte. “Wie heißt Jogi Löw mit Vornamen richtig? Welches Metall verbirgt sich hinter der chemischen Abkürzung Zn? Wie heißt der große Fels in Australien, der auch Wahrzeichen des Landes ist?” Mein Kollege bedeutet mir durch die Glastür, dass die Pizza gerade geliefert wurde. Jetzt nicht! “In welchem Bundesland liegen Konstanz und Mannheim? Welche Zahl zwischen 9 und 19 ergibt die Quersumme 2? Judith Holofernes spielt in welcher bekannten deutschen Band?” Ein paar Lebenseckdaten von mir, dann zum Abschluss eine Schätzfrage: “Wie lange brauchte der diesjährige Gewinner des Iron-Man-Contests, um ins Ziel zu kommen?

“Sollte es geklappt haben, rufe ich Sie bis spätestens Montag Abend zurück!” und das Gespräch endet. Schnell google ich, ob ich mit Zink auch recht hatte und stelle zudem fest, dass ich mit meinem Tipp “8 Stunden” bei der Schätzfrage lediglich 15 Minuten daneben lag. Als ich zum essen kam, war die Pizza längst kalt.

Hinter den Kulissen wählten die Mitarbeiterinnen von Endemol zu dieser Zeit 99 weitere Nummern, die der Zufallsgenerator ausspuckte. Die 10 besten dieser 100 Bewerber stellen dann die Kandidaten im Studio. Und tatsächlich klingelt am Freitag erneut das Handy mit unbekannter Nummer. “Hallo, ich bins nochmal von Endemol! Es hat geklappt!

Keine 14 Tage später ist der Aufahmetermin. Drei Sendungen werden hintereinander aufgezeichnet, jeweils am Dienstag Abend. Per E-Mail erhalte ich Unterlagen mit den Anlagen A bis H, scanne meinen Personalausweis, ein Bild und stehe vor der schwierigen Wahl, 3 komplette Garnituren mitbringen zu müssen. Sollte ich Überhangkandidat werden, muss ich in der nächsten Sendung natürlich andere Kleidung tragen, genau wie meine Begleitperson. Tragen darf ich was ich will, wohl soll ich mich fühlen sagt Anlage D. Es sei denn ich fühle mich in Kleidung wohl, die komplett weiß, komplett schwarz, knallrot, gestreift, gepunktet, gemustert oder gestrickt ist, das sind schlechte Kombinationen für die Technik.

Ich habe Glück und mein Outfit wird am Aufzeichnungstag abgesegnet. Es folgt ein Vorbriefing und die Vertragsunterzeichnung. Das Schriftstück ist liberaler als erwartet. RTL erhält das Recht am Bild und darf bis in alle Ewigkeit Sendungen, DVDs, Spiele und Webseiten mit meinem Konterfei schmücken. Das liegt bei einem Medienunternehmen allerdings auch nahe und ist in diesem Fall in Ordung, schließlich habe ich mich beworben. Darüber hinaus verpflichte ich mich zur Mitwirkung und nenne keine Markennamen, so lange mich Herr Jauch nicht explizit danach fragt. Der Datenverwertungspassus ist streichbar und so setze ich meine Unterschrift auf das Papier.

Dann eine Testrunde im Studio. Auf den ersten Blick ist es klein, auf den zweiten auch noch dreckig. Die Stühle der Kandidaten dürfen wir jetzt, so sagt Berufsvorglüher Frank, an den schwarzen Klebekreuzen auf dem PVC-Boden ausrichten. Das Publikum sitzt auf provisorisch erscheinenden Tribünen, die mit ikeaähnlichen Stühlen ausgestattet sind. Auf dem Rand liegen die Fernbedienungen für den Publikumsjoker. Frank wird später sagen “Bitte, bitte nicht runterwerfen.” Es wird nie nützen. Dann spielen wir eine Auswahlrunde auf den Touchscreens und nehmen jeweils einmal in der Mitte Platz. “Sie bitte in die linke Kamera lächeln” und ich lächle in die linke Kamera. Ende der Probe.

Später schaue ich mir im Backstagebereich die Bilder an der Wand an. Armin Assinger ist der österreichische Günther Jauch, nur ohne Witz und Charme. Das Studio ist jedoch das Selbe und so wird donnerstags die österreichische Version der weltweit lizenzierten Show gedreht. Meiner Freundin erzählt die Stadtführerin auf der Tour für die Begleitpersonen, dass eben jede “Millionenshow” massive Probleme mit den Zuschauern habe. Beziehungsweise damit, dass es eben keine Zuschauer gibt. Während Publikumskarten für die deutsche Sendung knapp zwei Jahre im Voraus ausgebucht sind (!), werden von Endemol für die Millionenshow Schulklassen rekrutiert, damit das Studio überhaupt gefüllt ist. Dementsprechend unbeliebt ist dann natürlich auch der Publikumsjoker bei den österreichischen Kandidaten - in den seltensten Fällen sind Kölner Schüler in österreichspezifischen Fragen sonderlich firm.

Eine andere Kuriosität steht unter den Zuschauerrängen. Als Rainer Calmund zu Gast bei Wer wird Millionär war, wurde vorab ein extra Kandidatenstuhl angefertigt. Dieser wird nun entweder für schwergewichtige Prominentenspecials verwendet - oder für die Sondersendungen im ORF: schließlich können auf dem Stuhl zwei Kinder gleichzeitig sitzen!

Und dann, 17:30 nach der Maske, die sich im Wesentlichen auf abtupfen beschränkt, geht es los. Zunächst mit der Aufzeichnung Nummer eins, die ich im Hauskanal mitverfolgen kann. Der Bass, wann immer die nächste Frage gestellt wird, kommt zugleich aus dem Fernseher und ist auch in den Füßen zu spüren. Zum ersten Mal bin ich dann doch nervös. Von den Fragen, die Herr Jauch ein Stockwerk unter mir stellt, weiß ich die Hälfte nicht - was jedoch nicht an der Aufregung liegt, sie übersteigen schlicht mein Wissen. 7,5 Millionen Zuschauer haben eine der letzten Montagssendungen gesehen, das sind - Kleinkinder abgezogen - knapp 10% aller Bundesbürger! Kein Platz, an dem man sich unbedingt lächerlich machen möchte. Für 120 Fragen, die Herr Jauch mir stellen könnte, habe ich Antworten im Kopf. Wahrscheinlich wird er die 121. Frage stellen und ich kann mich weder an meine Hobbys erinnern, noch in 2 Sätzen erklären, was ich beruflich eigentlich so genau mache. Ach. doch, kann ich. Wird schon! Ne? Ja, doch, wird. Und wenn nicht, es führt eh kein Weg dran vorbei, denn die erste Sendung endet bereits und der Überhangkandidat kommt hoch und zieht sich um, damit er gleich weiterspielen kann. Unten wechselt das Publikum, dann geht es los. Einmarsch der Kandidaten, ein Mal quer durchs Studio laufen, grüßen, beklatscht werden, hinsetzen. Ohne Kamera, ohne Herrn Jauch. Der ist mittlerweile sowieso schon so oft durch den Flur gelaufen und ist nach Smalltalk kaum mehr ungewohnt. Umso ungewohnter dafür das Licht, die Kameras und circa 40 Zuschauer, die einem über den Rücken auf den Bildschirm schauen. “Und begrüßen Sie nun unseren Gastgeber: Günther Jauch!

Noch ein Briefing, diesmal fürs Publikum. Bitte nichts vorflüstern und auch nicht “das Zahnarztgeräusch machen”, wenn ein Kandidat falsch tippt. Wenn 200 Menschen mit einem langgedehnten “fffff”-Ton die Luft einziehen kommt auch in der Mitte an, dass diese Antwort vielleicht falsch sein könnte. Alles klar? Dann los!

“Vor dieser Frage muss sich keiner fürchten” sagt Günther Jauch und wir sollen “Außer”, “Spesen”, “nichts” und “gewesen” richtig reihen. Ich reihe “Nichts gewesen außer Spesen” und stelle erst bei der Auflösung fest, dass das Sprichwort ja andersrum geht. Aber die 2 Sekunden des Konkurrenten hätte ich sowieso nicht unterbieten können. Am Ende geht er mit 500,- Euro nach Hause, nicht ohne sich zuvor mehrfach blamiert zu haben. Und während sich der Kandidat in der Mitte abmüht, merke ich, wie ich zunehmend ruhiger werde. Von Minute zu Minute reduzieren sich Puls und vor der zweiten Auswahlrunde bin ich bei relativer Entspannung angekommen. Jetzt nochmal konzentrieren:

0,37 Sekunden. Und Susanne brauchte dann bis zum Ende. Das war’s auch schon, “jetzt geht es hier weiter mit Mario Barth, einen schönen Freitagabend noch!” Schnell noch ein Foto, dann die Plätze für die nächsten frei machen.

Bleiben noch zwei Sachen zu sagen, eigentlich sogar drei:

Erstens: Wie ist er denn nun so, der Günther Jauch?
Nett! Professionell und wissend, was er tut, und dabei schlichtweg nett. Und was ihn noch besser charakterisiert: “Wie im Fernsehen!”

Zweitens: Bist du nicht enttäuscht?
Nein! Kurioserweise ist mein Umfeld bei weitem enttäuschter als ich selbst. Natürlich hätte ich gerne gewonnen und es war ja auch sehr sehr knapp, aber andererseits habe ich gar nie damit gerechnet in die Mitte zu kommen. Die Auswahlrunden sind reines Glück, die Maler wusste ich, das Sprichwort hätte ich vielleicht auch mit mehr Zeit falsch gereiht. Zudem: hey, ich bin 22 - ich glaube, ich habe noch mehr Chancen auf Gewinne! Es war ein super interessanter Tag und Fahrt und Hotel und Verpflegung wurden alles bezahlt, was will ich mehr! Und das kleine drittens: Mit Susanne kam jemand dran, der es auch “verdiente”. Seit 7 Jahren (!) hat sie sich regelmäßig beworben, ich hingegen nur ein einziges Mal. Gewusst hätte ich ihre Fragen dennoch. Ohne Joker!

Und so schnell diese ganze Episode begonnen hat, endet sie auch. Mit einem Aaaaaaaaaa Ta dada plingplamplumplim Ta dadada Aaaaaaaaaa Ta dadada plingplamplumplim.


Im nächsten Teil: “VORBEI! Das Leben danach: Wie ich langsam wieder Fuß in der realen Welt fasse.”

Die eigene eMail-Kampagne wird schneller als Spam wahrgenommen als manchem Marketer lieb ist. Zum Teil liegt das auch an den Mail-Clients.

Schreibt das Marketing-Portal Ecin. Halt, wie war das? Spam liegt am… Client? Und Verbrechen an.. der Polizei? Kuriose Dialektik. Weiter heißt es:

Nicht überraschend kommt das Ergebnis der Umfrage von Dot Email unter US-Nutzern, die unerwünschte Werbebotschaften per Mail kurzerhand zu Spam erklären.

Denken wir uns mal ganz verrückt in den Kopf eines “US-Nutzers”. Nehmen wir an, wir erhalten eine unerwünschte Werbebotschaft. Könnte es da nicht sein, dass diese “zum Spam erklärt” wird, weil.. nun ja.. wie drückt man es am Besten aus… ES SICH VERDAMMTNOCHMAL UM SPAM HANDELT?

Bei diesem Thema erinnere ich mich an eine Geschichte, die ich unabhängig von der schockierenden ad hoc Meldung oben schon eine ganze Weile bloggen wollte. Beruflich habe ich für einige Zeit die Tochter eines Konzernriesen in Sachen E-Mailmarketing betreut. Neben langwieriger Beratung “Gerne können Sie Newsletter an Ihre Kunden schreiben, aber bitte nur, wenn Sie auch wirklich etwas zu sagen haben. Mit Marketingblabla schaden Sie sich nur selbst.” wurde ich auch mit dem Schreiben des Editorials bedacht. In regelmäßigen Abständen erhielt ich einen Anruf und sollte Tags darauf einen mitreisenen Text zum Einstieg des Konzernnewsletters geschrieben haben.

Nun muss man dazu sagen, dass das Produkt des Unternehmens ungefähr so spannend wie Briefmarken sammeln für Aussenstehende war, die Kommunikation mit den Mitarbeitern sich schwierig herausfordernd gestaltete und der Empfängerkreis der E-Mailaussendung so vital wie Knäckebrot. Aber der Name eben groß.

Ich schrieb also eines Tages wieder ein Editorial und versuchte, es für den Leser so interessant wie nur irgendwie möglich zu machen. Ich recherchierte die Vorteile des Produkts und entdeckte sogar eine kleine, interessante Neuerung, die für die Kunden des Unternehmens tatsächlich von Interesse ist und verband alles zu einem kurzen, schönen Text.

Tags darauf rief mich der Chef des Unternehmens an, der die Abnahme vornehmen wollte. “Herr Schwarz” sagte er, “Herr Schwarz, das.. also, es gefällt uns schon soweit ganz gut, Sie müssten es aber doch nochmal überarbeiten. Uns fehlt noch so ein bisschen der aktuelle Bezug. Sie sind doch so ein kreativer Mann, flechten Sie doch bitte noch ein aktuelles Ereignis mit in den Text ein, denken Sie sich irgendetwas aus. Beziehungsweise nein, wir haben da schon einen Wunsch. Schreiben Sie doch bitte irgendwas über den Klimawandel.”

Irgendwas über den Klimawandel. In einem Produktnewsletter mit einem Produkt a la Briefmarken.

Nicht überraschend kommt das Ergebnis der Umfrage von Dot Email unter US-Nutzern, die unerwünschte Werbebotschaften per Mail kurzerhand zu Spam erklären.

Übrigens: Editoriale schreibe ich schon lange nicht mehr. Die verantwortlichen Mitarbeiter im besagten Unternehmen haben jetzt alle andere, wichtige Positionen. Der Newsletter wurde eingestellt.

Big Brother Awards 2007

Big Brother Awards 2007

Privat- sowie Arbeitgeberadresse, mehere Telefonnummern und eine E-Mailadresse, Angaben zum Beruf. Sogar meine Personalausweisnummer muss ich in der Regel beim Checkin in Hotelfoyer ausfüllen. Das dies bei weitem aber nicht die einzigen Daten sind, die gesammelt und gespeichert werden, ist wohl so gut wie keinem Hotelgast bekannt.

Zum 7. Mal fand Freitag Abend in der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld die Verleihung der Big Brother Awards statt, einem Negativpreis für “Datenkraken“. Gemeint ist das systematisch und überflüssige, verwerfliche und oder ungesetzmäßige Sammeln von persönlichen Daten. Eine Diskussion zum Datenschtz und Privatsphäre soll damit angestoßen werden und tatsächlich erfreut sich dieser Preis von Jahr zu Jahr größerem Medienecho. Ausgerechnet Wolfgang Schäble ging in diesem Jahr jedoch leer aus, habe dieser doch “große Verdienste bei der Sensibilisierung der Bürger beim Thema Datenschutz”. Nun, auch eine Sichtweise.

Zahlreiche Kameras waren während der zweistündigen Veranstaltung zugange, Radio Hertz übertrug live und auf zeit.de konnte die Verleihung per Stream verfolgt werden. Doch zurück zu den Hotels. Sonderwünsche, Beschwerden, Zimmerservice und Restaurantbestellungen, Pay-TV-Nutzung und wenn ja, welcher Kanal - in zahlreichen internationalen Hotelketten ist die Speicherung dieser Daten laut FoeBuD e.V. mehr als nur üblich. Die Mitarbeiter werden sogar explizit angehalten, ein möglichst vollständiges Profil der Gäste zu erfassen. Die Datensätze sind natürlich dann konzernweit von jeder Hotelfiliale aus abrufbar, doch damit nicht genug. Da die Geschäftssitze in der Regel innerhalb der USA liegen, werden die Profilseite natürlich auch in US-amerikanischen Rechenzentren gelagert und seit dem Patriot Act 2001 braucht es für die Sicherheitsbehörden noch nicht mal einen richterlichen Beschluss, um darauf zugreifen zu können. Es bedarf als nur weniger Hotelaufenhalte und nicht nur sämtliche Angestellten eines globalen Konzerns sondern auch Polizei und Geheimdienste haben mit einem Klick ein unter Umständen aussagekräftiges Persönlichkeitsprofil. Oder der erstbeste Hacker. Oder der Techniker im Serverraum, der ein Backup mitgehen lässt. Die Möglichkeiten sind zahlreich.

Insgesamt 8 Preise plus ein Zuschauerpreis (gewählt von den Anwesenden aus den 8 Preisträgern) wurden vergeben und selbst wer sich mit Datenschutz beschäftigt erschreckt sich noch. Erst recht unbehaglich mag es da jenem werden, der über die Preisverleihung zum ersten Mal mit der Thematik in Berühung kommt.

Umso ärgerlicher sind dann sachliche Fehler. So wurde in der Laudatio zum Preis an die Bahn AG behauptet, dass zum Kauf einer Fahrkarte am Automaten zwingend die Bahncard eingeschoben werden müsse. Das ist schlicht falsch, wer nicht freiwillig Bonuspunkte sammeln will (mit denen sich für “Normalfahrer” maximal kostenlose Kaffees ersammeln lassen und Punkte sammeln somit im Regelfall keinen Einfluss auf den Fahrkartenpreis hat) kann seine Bahncard getrost stecken lassen. Dies zu testen hätte nur wenige Minuten bedurft und so hinterlässt der Faupax leider einen fahlen Beigeschmack. Zumal sich an der Kritik, dass anonymer Fahrkartenkauf künstlich erschwert wird, auch unter den gegebenen Umständen nur wenig ändert: die Bezahlung ist auch weiterhin nur per Bankkarte oder Kreditkarte möglich.

Und noch etwas zum Thema Peer Steinbrücks Steueridentifikationsnummer. Diese eindeutige Personenkennnummer wird zukünftig mit der Geburt vergeben und erlischt maximal 20 Jahre nach dem Tod. Babyfotos mit Strichcodes vor den Augen erscheinen auf der Powerpoint Folie und es wird zitiert:

Nach dem Einkommensteuergesetz sind natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, bereits mit der Geburt einkommensteuerpflichtig. Zwar werden diese Steuerpflichtigen im Regelfall noch keine Einkommensteuer schulden, dennoch kommen derartige Konstellationen vor (z.B. bei Kapitalerträgen, die Kinder aus ererbten Vermögen erzielen). Ohne die IdNr. wären solche Fälle nur schwer feststellbar, da die Finanzämter auf Grund der fehlenden steuerlichen Erfassung keine Informationen über den Steuerschuldner hätten.

Gespieltes Gelächter im Saal. Babys mit Einkommenssteuer. Hahaha. Dass solche Konstellationen durch Tod oder Steuertrickserei der Eltern tatsächlich vorkommen können kann sich offenbar niemand vorstellen. Und überhaupt, was ist denn die Alternative zu einer Kennnummernvergabe bei der Geburt? Die große Steuer Bar Mizwa im Jugendalter? Hier beschleicht mich das Gefühl, dass es nur ums Prinzip geht, “wir werden zu einer Nummer degradiert”. Die echten Gefahren (Für welche Zwecke wird die Steuernummer noch verwendet? Wieso ist die Rechtslage noch nicht abgeklärt und warum wird das Verfassungsgericht nicht mit der Frage beschäftigt? Und warum wird Missbrauch der Daten durch staatliche Stellen nicht geahndet?) gehen neben solcher Polemik leider unter. Schade.

Trotzallem: Die kurzweilige Verleihung ist die Beschäftigung mit ihr mehr als wert. Datenschutz ist ein gottseidank immer populärer werdendes, aber auch großes Problem der Gegenwart und nahen Zukunft. Gut, dass es Vereine und Veranstaltungen dieser Art gibt. Hier, in Deutschlands Datenschutzhauptstadt Bielefeld.

Ein Tipp für China-Interessierte: Der SWR strahlt derzeit einen Chinesischkurs für Anfänger in 80 70 Folgen aus, die sich natürlich auch als Podcast kostenlos herunterladen lassen. Der Sinologe Dr. Wolf Baus, Dr. Mu Gu von der Fremdsprachenuniversität Peking und Jürgen Hoeren von SWR2 sprechen vor, ich werde wohl ab morgen früh im Zug auf dem Weg zur Arbeit unverständliche Laute versuchen wiederzugeben.

Darauf aufmerksamgemacht hat mich übrigens meine Schwester, herzlichen Dank nach Trier!

Chinarätsel gelöst?

Pyramide - Rätselhaftes Gebäude in China

So richtig habe ich nicht daran geglaubt. Trotzdem schrieb ich in meinem Reisetagebuch von China im Eintrag zu Tàiyuán unter obiges Bild “Wenn jemand mitliest, der weiß, was dies für ein Gebäude ist, bitte unbedingt melden!” Und heute - ich liebe das Internet - dann dies:

Ni hao, Dominik!

Mit Vergnügen habe ich Deinen Reisebericht eingeatmet. [...] Aber nun kurz zu diesem Gebäude: Ich bin mir ziemlich sicher, einige Kilometer nördlich Beijings so etwas auch schon einmal gesehen zu haben. Wenn ich mich nicht irre, ist das -ganz banal & kein Scherz- eine Tankstelle. Ich glaube von Sinopec.

Solltest Du aber etwas anderes in Erfahrung bringen, würde ich mich freuen, davon zu hören.

Eine Tankstelle! Gut möglich, über die gigantischen Tankstellen in China habe ich ja auch an anderer Stelle bereits berichtet. Wenn jetzt noch wer ein Foto aus der Nähe liefert - perfekt. Soweit jedenfalls herzlichen Dank an Hans und beste Grüße in die Schweiz!

The IT Crowd

theitcrowd.jpg

I did say that on my CV, yes. I have a lot of experience with the whole computer… thing. You know, e-mails, sending e-mails, receiving e-mails, deleting e-mails… I could go on.

Tief in dreckigen und dunklen Keller des Firmengebäudes von Denholm Industries (“Gentlemen, when I first started Denholm Industries, I had only two things in my possession. A dream, and six million pounds.“) befindet sich die IT-Abteilung. Roy, Moss und mehr oder weniger Richmond, allesamt liebevoll gezeichnete Charaktere Geeks, vertreiben sich dort die Zeit mit Videospielen, Wetten und dem gelegentlichen Abwimmeln von Supportanfragen (Hello, IT. Have you tried turning it off and on again?).

Falsche Angaben im Lebenslauf und ein völlig inkompetenter Chef führen dazu, dass sie mit Jen eine Vorgesetzte erhalten, die mindestens so wenig Ahnung von Computern hat, wie die um Hilfe bittenden Anrufer. Die Umstände zwingen zur friedlichen Koexistenz und bescheren dem Zuschauer die heiternsten Stunden seit dem frühen Stromberg. The IT Crowd, so der Titel der gar wunderbaren britischen Sitcom, ist weder eine weitere Adaption von “The Office”, noch ein reines Nerdprogramm. Es ist keineswegs notwendig, sich selbst als Geek zu bezeichnen, um an der IT Crowd Gefallen zu finden, es geht nur noch ein wenig einfacher.

Und um das Glück perfekt zu machen, stellt Channel-4 jede der insgesamt 12 Folgen - die zweite Staffel wurde soeben beendet - direkt ins Netz und so finden sich alle Folgen auf den einschlägigen Videoportalen. Ansehen, dringende Empfehlung des Hauses!

Wikipediaartikel mit Downloadlinks
Blogeintrag mit Links zu allen Folgen der ersten Staffel
Blog des Drehbuchautors Graham Linehan

Blöde Blocker blocken

Ein kurzer Exkurs: Wenn ich unterwegs bin, gehe ich regelmäßig in Bahnhofsbuchhandlungen. Fast nie möchte ich etwas bestimmtes und in der Regel geht es mir wie den meisten anderen Menschen im Laden hauptsächlich darum, Wartezeit zu überbrücken. Ich blättere dann durch die Design- und Architekturzeitschriften, schau, was die Titanic schreibt und suche aus Nostalgie nach Zeitschriften, die ich früher einmal gelesen habe. In circa fünfzig Prozent der Fälle kaufe ich dann tatsächlich eine Zeitschrift.

Es sei denn: Nach zwei Minuten kommt der Inhaber an und macht mich darauf aufmerksam, dass hier gekauft und nicht gelesen wird. Dann verlasse ich den Laden ohne Geld auszugeben. Bahnhofsbuchhandlungen leben von den stöbernden Kunden und die meisten wissen das auch. Der Großteil des Umsatzes kommt von eben jenen Reisenden, die aus Langeweile den Laden betreten, nur ein kleiner Teil steuert für Fachzeitschriften gezielt den Kiosk am Bahnhof an.

Selbstverständlich verursachen auch Nicht-Käufer Kosten: Sie verursachen Dreck, bringen Zeitschriften durcheinander, die absoluten Diebstähle steigen und SPersonal wird in Anspruch genommen. Wäre es aber ökonomisch sinnvoll, alle Zeitschriften hinter Glas zu packen und sie nur den tatsächlichen Käufer auszuhändigen? Natürlich nicht, die Mischkalkulation wäre hinfällig. Exkurs Ende.

Kurioserweise wird aber genau dies im Netz versucht. Über 550 diggs erreicht die Webseite whyfirefoxisblocked.com, die von mindestens einem us-amerikanischen Weblog als automatische Weiterleitung für Firefox-Nutzer genutzt wird. Die Begründung: für Firefox gibt es ein Plugin, welches Werbung auf Webseiten blockt. Da serverseitig nicht festgestellt werden kann, ob ein User dieses Plugin installiert hat, werden einfach prinzipiell alle FF-Nutzer ausgeschlossen, komplett.

Numerous web sites exist in order to provide quality content in exchange for displaying ads. Accessing the content while blocking the ads, therefore would be no less than stealing. Millions [sic] of hard working people are being robbed of their time and effort by this type of software.

So steht es auf whyfirefoxisblocked.com. Als Diebstahl und einen Satz später sogar als Raub wird der Zugriff mit einem Adblocker bezeichnet. Harter Tobak aber da nur Werk eines Einzelnen Verwirrtens und somit eigentlich keine Beschäftigung damit wert. Wenn, ja wenn nicht in der XING-Gruppe Internet Marketing nun tatsächlich ernsthaft darüber diskutiert würde. Grund genug, sich etwas näher damit zu beschäftigen:

  • Wie hoch ist der Anteil der FF-Nutzer mit Adblocker? Zahlen dazu gibt es nicht, aber es dürfte eine verschwindent geringe Anzahl sein. Der Anteil der Firefoxnutzer am Browsermarkt jedoch ist mittlerweile beachtlich. Ökonomisch ist es Wahnsinn, alle Firefoxnutzer auszuschließen.
  • Das Internet ist nicht nur für den Desktoprechner. Leser über mobile Clients, RSS-Abonnenten, Hochkontrasversionen und Braillereader müssten auch ausgeschlossen werden. Sie produzieren schließlich auch keine AdSense-Klicks.
  • Wer glaubt, mit dem Ausschluss von Adblockern seinen Umsatz zu erhöhen, geht bereits von der falschen Annahme aus, dass Anzeigenklicker und Adblocker-Nutzer “Substitutions-Nutzer” sind. Wer jedoch Plugins aktiv sucht und einbindet ist kein Nutzer, der auf Popups, Banner mit Fakebuttons oder AdSense klickt. Adblocker wissen um Werbemechanismen und blenden Sie gerade deshalb aus.
  • Ein Webseitenbesitzer hat das Recht zu bestimmen, in welcher Form seine Seite aufgerufen wird? Das wage ich stark zu bezweifeln! Völlig abgesehen von den ideologischen Einwänden die so wichtig sind, dass man nur schreien möchte, ist dies auch rechtlich alles andere als eindeutig. Gerade die bereits angesprochenen mobilen Endgeräte, Zugänge über Proxis oder schon schlicht jeder Suchmaschinenrobot ruft die Seite anders auf, als der Webseitenbetreiber sie sieht. Nach dieser Argumentation müsste sogar der Zugriff mit 800×600 Pixeln Bildschirmauflösung verboten sein - schließlich sieht der Nutzer dann den Skyscraper-Banner am Bildrand nicht mehr.

Eigentlich genug Gründe, um über die Ganze Kuriosität einfach überhaupt erst nicht mehr nachzudenken. Da ist es beruhigend, dass man Seiten, die solche Technologien einsetzen sowieso nicht besuchen möchte.

(Inhaltlich tut es nichts zur Sache, der Vollständigkeit halber aber: Beim besagten amerikanischen Blogger handelt es sich um den rechtskonservativen “bibeltreuen” Danny Carlton, bei der Werbung um eine Mischung aus AdSense und Amazon-Affiliate-Links zu Laura Schlessingers Ergüsse und Ähnliches.)

Nachtrag: Klar, auch für den Internet Explorer gibt es Adblocker.

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