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Markt in einem Außenbezirk von Tàiyuán

Tàiyuán, der Jincitempel und ein fantastisches Museum

Staub. Nicht so dicht und ohne die vielen Abgase wie in Běijīng, aber dennoch allgegenwärtig. Ein feiner Schleier roten Staubs legt sich auf Brille und Objektiv und macht das Fotografieren schwer. Egal, ich freue mich über die Landluft. Sie kommt mir nach Tagen im Smog unheimlich frisch vor.

Der innerchinesische Flug

Die Maschine steht am äußersten Rand des Rollfelds. Es ist kurz nach sieben und den meisten Fluggästen an diesem Morgen steht die Müdigkeit noch ins Gesicht geschrieben. Eine gute Stunde wird der Flug von Běijīng nach Tàiyuán, der Hauptstadt der Shanxi-Provinz, dauern.

Fünf Stewardessen sind an Bord. Nun sind Flugbegleiterinnen an sich schon nicht als sonderlich leger gekleidet und sich ebenso verhaltend bekannt, die fünf jungen - und sehr freundlichen - Damen hier toppen jedes Klischee locker. Nahezu militärisch korrekt angezogen und gekämmt präsentieren sie absolut synchron die Sicherheitsanweisungen. Jede Gepäckanlage wird vier, manche sogar fünf mal überprüft, ob sie auch wirklich geschlossen ist und ihre Sitze aufrecht gestellt haben sowieso alle.

Später gibt es Tee und Kekse. Wir überfliegen Terrassenberge aus rotgefärbtem Boden. Jeder Meter ist bebaut oder bewirtschaftet, bis ganz an die Grenze der teilweise steilen Hänge. Von oben scheint es malerisch, tatsächlich sind es jedoch unzählige Hütten einfachsten Standards. Wir landen auf dem etwas außerhalb liegenden Flughafen der Stadt. Das Flughafengebäude ist dämmrig und klein. Zwei Gepäckbänder gibt es, die Tür ins Freie ist keine zwanzig Meter entfernt. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Tàiyuán selbst 2,7 Millionen Einwohner hat.

Am Eingang wartet Li. Sportlich angezogen und gut gelaunt schätzt man sie gut 15 Jahre jünger als sie tatsächlich ist. Li wird die nächsten Tage durch ihre Heimatprovinz führen, bis wir am letzten Tag ihren Geburtsort Dàtóng erreichen werden. Später werde ich sie fragen, wie es kommt, dass sie so enorm gutes Deutsch spricht. Ungewollt lakonisch wird sie antworten, dass sie sich das Alphabet gemeinsam mit einem Kollegen beigebracht hat - "und den Rest selbst".

Shanxi: „Shan“ steht für „Berge“, „Xi“ für „Westen“.
Ich bin in der Provinz westlich der Berge.
Knapp 33 Mio Einwohner hat Shanxi und belegt damit nur Platz 19 von 33.
Man beachte die Uhrzeit und Temperatur.
Man beachte neben der Uhrzeit auch die Temperaturanzeige.
Der Flughafen von Tàiyuán ist - nennen wir es übersichtlich.
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(Bild 1/6) Der Flughafen von Tàiyuán ist - nennen wir es übersichtlich.
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Tàiyuán

Der erste Eindruck hier: Es riecht so gut. Ein intensiver Blütengeruch liegt in der Luft, die zwar bei weitem alles andere als sauber, im Gegensatz zu Běijīng aber eine Wohltat ist.

Mit dem Minibus geht es zunächst Richtung Jinci-Tempel, entlang der Vorstadt. Sofort wird der krasse Stadt-Land-Gegensatz deutlich. Während in der Hauptstadt viele deutsche Autos unterwegs sind und mir die außerordentliche Sauberkeit auffiel, so ist hier alles ganz anders. Dreck stapelt sich im wahrsten Sinne des Wortes rechts und links der Straße. Eine undefinierbare Masse aus Erde, Schutt, Folien und Plastikabfällen liegt herum. Die Hauptstraßen sind zwar geteert und in ordentlichem Zustand, aber über allem liegt eine Schicht roten Staubs.

Immer wieder tauchen ganze Straßenzüge mit Gebäuden auf, die sich in einem undefinierbaren Zustand befinden. Sie sind zwar nicht verlassen, sehen aber so aus. Auf den Vorplätzen liegen alte Autos oder Teile davon. Und: Reifen, Paletten mit Zementsäcken, Geröll. Ein Vorgeschmack auf das, was noch folgen soll. Doch zunächst folgt eine Idylle, der Minibus biegt schaukelnd auf den Parkplatz des Jincitempels circa 35 km südlich von Tàiyuán ab.

Die Geschichte Tàiyuáns beginnt bereits 497 (!) v. Chr. Heute ist die Schwerindustrie prägend, darunter auch viele deutsche Stahlhersteller.
Eine Partnerstadt Tàiyuáns: Chemnitz!
Händler vor dem Eingang des Tempels.
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(Bild 1/8) Händler vor dem Eingang des Tempels.
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Der Jincitempel

Vorab: auf floraler Ebene bin ich Autist. Blumen sind bestimmt schön, wenn man sie mag. Grünanlagen - super, dass es sie gibt und sich wer drum kümmert. Aber mit mir hat das alles hoffentlich nichts zu tun. Nicht, dass ich eine Abneigung gegen Grünes hätte, nicht im geringsten. Ich stehe Gärten und Parkanlagen nur vollständig neutral gegenüber - dachte ich.

Die Anlage rund um den Jincitempel ist unfassbar. Sie ist groß, sie ist grün, sie ist schlichtweg phantastisch. Doch zunächst von vorn. Erbaut wurde die Haupthalle der noch viel älteren Anlage vom Sohn eines Kaisers. Seine Mutter klagte über Kopfweh und in China heißt es, dass wer eine Straße, einen Tempel oder Ähnliches erbaut, Glück im Leben haben wird. Angeblich half der Bau und die Mutter war geheilt.

Wie immer ist die Anlage auf einer Linie ausgerichtet und zahlreiche Touristen sind unterwegs. Doch bereits wenige Meter abseits wird es absolut still und ruhig. Schwalben fliegen umher und derselbe Blütengeruch, wie er mir schon am Flughafen aufgefallen ist, liegt in der Luft, nur noch viel intensiver. Ich versuche, in mein Notizbuch zu schreiben, wie sehr hier ein dichtes Gefühl von Friedlichkeit vorherrscht, aber mir fallen nur kitschige Umschreibungen ein.

Hinter dem Hauptgebäude führt eine Treppe nach oben. Weit und breit ist niemand zu sehen und ich frage mich, ob ich hier überhaupt sein darf. Ich gehe trotzdem nach oben und gelange auf eine Anlage am Hang des Bergs, von der aus sich ein herrlicher Blick über die Wipfel bietet. Eigentlich sieht man nur viel Grün, aber die Sonne scheint, ein lauer Wind bläst und Vögel fliegen zwitschernd vorbei. Ein japanischer Tourist kommt nach einer Weile nach oben und grüßt leise, als dürfe man die andächtige Stille nicht stören. Über einen Trampelpfad auf der anderen Seite wandere ich langsam wieder nach unten.

Hier sind Arbeiter dabei, ein Haus zu restaurieren. Genauer gesagt tragen sie es Stein für Stein ab und entfernen die schweren Holzbalken. Das Klima hier ist so trocken, dass die Holzbauten die Jahrhunderte ohne nennenswerte Spuren überstanden haben, sogar die Originalfarbe ist teils noch erhalten. Die Männer grüßen und ich schaue für eine Weile ihrer gemächlichen Arbeit zu.

Immer noch eine Mauer, hinter der noch ein weiterer Teil des Parks ist, taucht auf. Und dabei sind alle Teile unterschiedlich. Über einen kleinen Weg gelange ich in einen künstlich verwilderten Abschnitt, in dem mitten unter einem Dach aus Bäumen ein kleiner Pavillon steht. Über ein kleines Flüsschen und durch ein rundes Tor komme ich in einen anderen Teil der Anlage mit angelegten Beeten und breiten Wegen. Zwischen den Bäumen entdecke ich eine Pagode und bis ich diese erreiche, habe ich einen weiteren Abschnitt durchquert. So gerate ich immer tiefer in die weitläufige Parkanlage und möchte am liebsten gar nicht mehr gehen. Vielleicht, so denke ich mir, fehlte mir bisher ja einfach der richtige Park. Hier habe ich ihn definitiv gefunden.

Das Museum der Provinz Shanxi

Das Museum der Provinz Shanxi in Tàiyuán ist ein Geheimtipp, wie es kein größerer sein könnte. Erstens, weil es zwar nicht geheim, aber nahezu unbekannt ist und zweitens, weil es eines der besten mir bekannten Museen ist.

Seit zwei Jahren befindet es sich nun in einem neuen Gebäude und der Bau ist spektakulär. In einer Mischung aus moderner Architektur und sozialistischer Baukunst hat es die Form einer halb vergrabenen, auf dem Kopf stehenden Pyramide. Ausgestellt wird die Geschichte der Provinz Shanxi, der kulturellen Wiege Chinas. Angefangen bei Knochenfunden erster Hominiden über kunstvolle und beeindruckende Ton- und Bronzestücke, allesamt viele Jahrhunderte älter als Vergleichbares in Europa. Auch historische Kunstgegenstände sind Teil der Dauerausstellung, im obersten Stockwerk werden Jadearbeiten gezeigt.

Li erläutert die Ausstellungsstücke auf Deutsch, als eine junge Angestellte des Museums hinzukommt. Sie hört dem fremden Klang der deutschen Sprache zu und meint dann im Weitergehen mit einem Grinsen im Gesicht zu mir "I have no idea what she's talking about but I will have nightmares". Wir lachen und so komme ich in den Genuss einer quasi-exklusiven Führung.

Äußerst engagiert und lebhaft erläutert sie die oftmals enorm beeindruckenden Ausstellungsstücke mit viel Gestik und Mimik. Ich frage sie, ob viele Deutsche das Museum besuchen würden und sie verneint, deutlich mehr Australier. "Weil diese hier so häufig anzutreffen oder einfach besonders interessiert sind?" hake ich nach. "Nor..." sagt sie und senkt die Stimme flüsternd hinter vorgehaltener Hand. "They say to them come to us, it is cheap!" und lacht. Insgesamt sind außer uns kaum Besucher hier. Was unendlich schade ist, denn dieses Museum hätte viele Besucher verdient. Technisch, optisch und didaktisch absolut auf höchstem Standard fehlt es einfach an den interessierten Besuchern.

Einmal verwendet sie das Wort "Chinese Hinterland" und ich freue mich und kläre sie auf, dass hier ein deutsches Wort Einzug ins Englische gehalten hat. Später amüsiert sie sich köstlich, als die Reisegruppe über die korrekte Schreibweise von "Gussform" diskutiert. "What are they saying? The correct writing?" und lacht. Ausgestellt sind viele grandiose Metallgegenstände: kultische Trinkgefäße in Tierform oder verschiedene Gefäße zum Kochen. Ein riesiger Kessel kann einen ganzen Ochsen aufnehmen, 5 kleinere Töpfe sind für jeweils unterschiedliche Soßen.

Über eine Viertelstunde nach Schließung verlassen wir das Museum. Zu gerne hätte ich hier noch mehr Zeit verbracht und es bleibt nur zu hoffen, dass diese Einrichtung nicht nur erhalten bleibt sondern auch langfristig die Besucherzahlen bekommt, die sie verdient hat.

2.000 Jahre alt sollen manche Bäume hier sein. Man möchte es schon allein deshalb glauben, weil es so schön klingt.
... und bei Zypressen ist das auch tatsächlich gut möglich.
„Die ganze Tempelanlage ist eine ideale Kombination zwischen Gebirgs- und Wasserlandschaft. In der Anlage sind mehr als 100 Hallen, Pavillons, Terrassen, Brücken und Gebäude am Wasser. Alle Gebäude und die Natur sind perfekt verbunden und machen einen einladenen Anblick für jeden Besucher. Es gibt lange Geschichte über die Herkunft des Tempels Jinci.“
Artikel von Radio China International über den Jincitempel
Das Museum der Provinz Shanxi im beeindruckenden Bau.
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(Bild 1/7) Das Museum der Provinz Shanxi im beeindruckenden Bau.
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Veraltet: oftmals ist in Reisebeschreibungen zu lesen, das Museum befände sich in einem alten Konfuzianischen Tempel. Wie man sieht ist diese Information nicht mehr richtig.
Aber wer kennt die aktuelle (www)Adresse? Bitte melden!
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