
Rot weiß schwarz, irgendwas Grünes in der Mitte. Ich kann es im Vorbeifahren nicht erkennen. Jedenfalls ganz bekannt, aber woher nur? Ich komm nicht drauf. Rot, weiß, schwarz, grün. Hm. Und warum eigentlich?
Der Nabel der Welt liegt in Běijīng. Der Kaiser kam ein Mal im Jahr dort hin, kniete nieder und betete für gute Ernte. Heute reicht bequemes Stehen, denn wer sich in die Mitte der Marmorterrasse begibt, hat einen Wunsch frei. Dementsprechend lang sind die Schlangen auf dem Gelände des Himmelstempels und man könnte meinen, einem der zahlreichen Reiseführer sei der Wunsch nach einem endlosen Touristenstrom in Erfüllung gegangen. Jedoch verteilen sich die Massen rasch in der über einen Kilometer langen Anlage.
Rund um die Hauptgebäude befindet sich einer der ältesten und beliebtesten Parks der Stadt. Überall sieht man Chinesen bei den verschiedensten Freizeitaktivitäten, viele tanzen zu traditioneller Musik vom Band, andere spielen verschiedene Ballspiele. Auf dem Weg zum Eingang beobachte ich auf einem Seitenweg einen älteren Mann, der mit Wasser Schriftzeichen auf die Straße malt. Kaum drei Zeilen weiter verdunsten die ersten der kunstvoll geschwungenen Zeichen bereits wieder.
"Männer arbeiten bis 40, Frauen bis 55 Jahre" erzählt unser Führer und lässt dabei offen, auf wie viel Prozent und welche Schichten der Bevölkerung diese Zahlen zutreffen. Wie es sich in ganz China beobachten lässt, finden weite Teile des Lebens an öffentlichen Plätzen statt und so gehen hier in den Grünanlagen hunderte Pensionäre ihren Interessen nach. "Das echte chinesische Leben" sagt unser Führer.
Als wir die Marmorterrasse mit dem besagten Nabel der Welt erreichen, kommt von weiter hinten Unruhe auf. Kurz darauf sind mehrere Uniformierte auf der Plattform und beginnen, den Platz abzuriegeln. Englisch spricht keiner von ihnen, aber die Gesten sind eindeutig und innerhalb kürzester Zeit ist der Nabel leer. Aus der Ferne kommt ein Konvoi schwarzer Limousinen an. Wir ziehen zügig weiter. Überall hängen Fahnen in der schwülen Windstille. Rot, weiß, schwarz.
Weiter hinten befindet sich die Halle der Ernteopfer, ein rundes Gebäude und altes Wahrzeichen der Stadt. Alles scheint ganz neu restauriert zu sein und der über 600 Jahre alte Bau beeindruckt bereits durch seine imposante Größe. Bevor aber all zu zu viel Möglichkeit zur genaueren Betrachtung bleibt, holt uns das Militär im Gleichschritt ein und auch diese Terrasse wird zügig geräumt. Welcher Staatsgast zu Besuch ist, weiß noch immer niemand, aber keiner der Ordnungshüter sieht so aus, als sei er für ein Gespräch zu haben. So verlassen wir endgültig den inneren Teil der Anlage und kommen in den Park rund um selbige.
Wie schon am Eingang gehen hier Pensionäre ihren Freizeitbeschäftigungen nach, doch während auf der anderen Seite vielleicht 20 oder 30 Menschen sind, so sind es hier hunderte. Ein Laienchor schmettert ein zwar für meine Ohren fremd, aber bis zur Perfektion korrekt klingendes Lied. Es wird Karten gespielt, Geschicklichkeitsspiele geübt. Bälle werden geworfen und mit einem Schläger aufgefangen, ich werde zum Versuchen eingeladen. Erst auf den zweiten Blick verstehe ich: hier geht es nicht um Geld, diese Leute verbringen tatsächlich hier ihre Freizeit. Jeder so, wie er möchte, für sich allein oder gemeinsam mit anderen. Es ist friedlich hier.
Vor einigen Jahren las ich das Protokoll einer chinesischstämmigen Journalistin aus Kanada. Sie war in ihre Heimat gereist, um über den Staatsbesuch des Generalsekretärs Gorbatschow zu berichten. Den 2. bis 4. Juli 1989 erlebte sie auf dem Balkon eines großen Hotels mit Blick auf den Platz des Himmlischen Friedens. Mit Blick auf ein Massaker, an dessen Ende mindestens 2.600 getötete Zivilisten stehen.
Erst 18 Jahre ist dieser "Zwischenfall", wie Chinas Behörden gerne euphemisieren, her. Dass 1989 durch "entschlossenes Eingreifen die Stabilität des Landes gesichert“ worden sei, davon ist auch die aktuelle Regierung überzeugt und so habe ich an keinem Ort in China mehr Militärpräsenz erlebt als auf dem Tiān'ānmén-Platz.
Noch viel aktueller wird das Thema, wenn man in wiederkehrenden Berichten liest, dass Überlebende von 1989 noch heute Repressionen fürchten müssen, sei es auf Grund von Protesten gegen das damalige Vorgehen, das Verbreiten von Informationen zum Massaker oder die schlichte Existenz als Invalide, damals von einem Panzerfahrzeug überrollt und heute der lebende Beweis für eine blutige Niederschlagung, die es in dieser Form offiziell nie gab. Und Angst wirkt: vielen heutigen Studenten in China ist das Bild des Tank Mans, des einzelnen Mannes, der sich todesmutig vor 17 Panzer stellt und unbewaffnet zum Stehen bringt, völlig unbekannt. Ein geschichtliches Ereignis damit verbinden können sie nicht. Umso wichtiger, dass man sie im Rest der Welt sich im Kopf behält.
Nicht nur durch die politische Bedeutung war ich im Vorfeld sehr auf Běijīngs Mitte gespannt, auch rein bautechnisch ist der Tiān'ānmén-Platz kein Platz wie jeder andere, ist er doch der größte befestigte Platz der Welt und verfügt über ein Fassungsvermögen von einer Million Menschen. Als ich jedoch am Morgen des zweiten Tages den Platz betrat, war ich enttäuscht. Größer hatte ich ihn mir vorgestellt, beeindruckender. Stattdessen sah ich eine in diesigen Dunst gehüllte Anlage aus Beton, auf der hunderte Touristen ihre Erinnerungsfotos schießen.
Kaum weniger als Touristen gibt es Kameras. Zusammen mit dem patrouillierenden Militär und schlechtem Wetter macht die Mitte der Stadt einen trostlosen, kalten Eindruck. Der Tiān'ānmén-Platz ist dabei übrigens nicht nur die gefühlte Mitte, sondern er unterteilt Běijīng tatsächlich in vier Teile. Auf dem Platz selbst führt eine Linie mittig Richtung verbotene Stadt: links davon befindet sich der Westen Běijīngs, rechts der Ostteil. Und ganz am Ende des Platzes vor den Toren der Palastanlage befindet sich die horizontale Mittelachse in Form einer Hauptverkehrsstraße.
Direkt hinter der Verkehrsweg gewordenen Ost-Westachse Běijīngs liegt die verbotene Stadt. Betreten wird diese durch das Tor des Himmlischen Friedens, über dessen Bogen ein mehrere Meter großes Portrait Mao Tsê-tungs hängt.
Wenige Wochen vor meinem Abflug in die Volksrepublik lief unter "ferner liefen" eine Meldung über die Ticker verschiedener Nachrichtenagenturen: Ein Mann hatte in den frühen Morgenstunden einen Molotowcocktail gegen das Portrait geschleudert und an einer Ecke begann es leicht zu brennen. Augenzeugenberichten zufolge riegelte das Militär den Tiān'ānmén-Platz umgehend ab und zog Touristenkameras ein. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bemüht sich auch nicht unerwähnt zu lassen, dass der Täter sich bereits einmal in psychiatrischer Behandlung befand.
Als ich dann tatsächlich selbst unter dem gigantischen Antlitz Maos stehe, fallen mir die vielen Feuerlöscher auf, die in kaum geringerer Anzahl als das Wachpersonal am Tor stationiert sind. Ich löse mich aus dem Touristenstrom, der durch den Eingang zieht und versuche ein Pulitzerpreis-würdiges Foto zu schießen: Mao, Militär, Feuerlöscher, westlicher Besucherstrom. Doch noch während ich mit der Perspektive hadere, ist bereits ein Aufseher bei mir und macht unmissverständlich klar, dass ich an dieser Stelle besser nicht mit der Spiegelreflexkamera fotografieren sollte. Vielleicht ist das der Unterschied zum Pulitzerpreis-Gewinner, der hätte trotzdem abgedrückt. Ich reihe mich jedoch brav wieder ein und gehe durch den Torbogen in die Verbotene Stadt.
Über 500 Jahre lang hat kein normaler Bürger Zǐjìnchéng, die "Purpurne Verbotene Stadt" betreten. Die Kaiser der Ming- und Qing-Dynastie hatten hier im Herzen Běijīngs ihren Kaiserpalast, eine Anlage gigantischen Ausmaßes. Seit den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts stehen sie auch dem gemeinen Volk zur Besichtigung frei und angesichts der Besuchermassen scheint es, als wolle irgendjemand die 500 Jahre kaiserliche Abgeschiedenheit nun in kürzester Zeit ausgleichen.
Ein riesiges Hofsystem umgibt die eigentlichen Palastanlagen, 860 Stück an der Zahl. Um zu erkennen, ob man sich noch im Außen- oder bereits im Innenhof befindet, gibt es einen simplen Trick: sind Bäume gepflanzt, hat man bereits den inneren Bereich erreicht. Fehlen diese potentiellen Verstecke, befindet man sich noch in einem Außenhof.
Wie auf beinahe allen Dächern historischer Gebäude finden sich auch hier an allen Seiten Giebeltiere. Neun insgesamt, allen voran ein Reiter auf einem Hahn, dahinter folgen Drache, Phoenixe und Pferde. Auch das ist eine der vielen Möglichkeiten in China, böse Geister abzuwehren und so zahlreich, wie die auffälligen Figuren hier vertreten sind, dürfte die kaiserliche Familie kaum unter einem Geisterproblem gelitten haben.
9.999 Räume befinden sich angeblich auf dem gesamten Gelände und dementsprechend weitläufig ist es auch. 10.000 Räume sind dem himmlischen Palast vorbehalten, zu eng dürfte es dem weltlichen Kaiser dennoch kaum geworden sein. Ein Gang schließt sich labyrinthmäßig an den nächsten und schon nach kurzer Zeit fällt es schwer, die zahlreichen Höfe voneinander zu unterscheiden. Bambusgerüste umgeben die Gebäude und auf den Dächern arbeitet in schwindelerregender Höhe ein gutes Dutzend Dachdecker. Auch hier wird für "Beijing 08" alles auf Vordermann gebracht.
Trotz der Besuchermassen zu Beginn verteilen sich die Touristen ganz gut und schon wenig abseits von den Hauptverkehrswegen ist es möglich, Bilder mit nur wenigen Touristen zu machen. Hier fällt mir wieder einmal die Freundlichkeit vieler Chinesen auf. Als ich ein Dach fotografieren möchte, versuche ich mich eine Weile an den Einstellungen und probiere den besten Modus, trotz Smog und Wolken einigermaßen Kontrast zu bekommen. Als ich die Kamera wieder absetze, warten sicher bereits 20 Besucher, die nicht ins Bild laufen wollten und ich winke sie eher verdutzt weiter. Schließlich sind fotografierende Touristen nun nicht gerade eine Seltenheit in der verbotenen Stadt und dennoch haben sie geduldig und höflich von mir unbemerkt gewartet.
Chen, der Führer, erzählt ausgiebig vom Leben am damaligen Hof und noch ausgiebiger von des Kaisers Konkubinen. Das, so scheint man in der Schulung für Touristenführer zu lernen, interessiert die Besucher. Und tatsächlich wissen bereits mehrere aus der buntgemischten Gruppe "Germans" verschiedene Zahlen zu berichten. Chen korrigiert, so um die zweihundert seien es wohl in der Regel gewesen. Nur einer, der hätte 50.000 Konkubinen gehabt. "Hat er nicht geschafft" sagt er und grinst. "Und jetzt bitte mitkommen, müssen uns beeilen, weil wenig Zeit!
Es gibt lauwarmen Tee und die obligatorische Wassermelonenscheibe. Draußen zwitschern die Vögel und "die chinesische Oma" erzählt von ihren Kindern. Ihre Tochter ist eine Managerin bei LG, über der Eckbank hängt ein Foto von ihr. Der Sohn wohnt hier in der Stadt.
Wir sind in einer kleinen, grauen 30qm-Wohnung in einem Wohnungshof. 15 Menschen in 6 Familien leben hier in in einem der vielen Höfe entlang der Hútongs, den berühmten Gassen im ursprünglichen Běijīng. Die namenlose "chinesische Oma" wie Chen etwas holprig übersetzt ist die Mutter eines Rikschafahrers, mit dem die Reisegruppe hier her gekommen ist. Vor ihrer Pensionierung war sie Krankenschwester mit einem monatlichen Verdienst von 2.000 Yuan. So übersetzt es Chen, während "die Oma" im Haushalt werkelt und erzählt. Eine Dusche hat sie hier in diesem einzelnen Raum nicht, dafür aber ihr Sohn, der wohne nur eine Minute weit weg.
Ich frage mich gerade, wie oft hier wohl Touristen vorbeikommen und Augenblicke sollen wir tatsächlich schätzen, die wievielten Besucher wir in dieser Wohnung circa sind. Es liegen alle daneben, weit daneben. 130.000 Touristen haben in den letzten 10 Jahren diesen Wohnungshof besucht, 130.000 Menschen Tee und Wassermelone serviert bekommen. Manchmal sind es bis zu 10 Reisegruppen pro Tag und in der Regel sind diese längst nicht so klein wie die unsere. Unsere Gastgeberin grinst unvermittelt verschmitzt und lässt übersetzen, dass sie nun eine Frage habe: Wer von uns sei denn katholisch? Selbst zur absoluten christlichen Minderheit gehörend scheint es ihr tatsächlich ein Anliegen zu sein und aus einem kleinen Schächtelchen im Regal holt sie eine Hand voll kleiner Anhänger mit Maria- und Jesus-Aufdruck hervor, die sie uns überreicht. Vor meinem geistigen Auge sehe ich einen Berg aus knapp 130.000 christlichen Anhängern. Dann geht es auch schon wieder weiter.
Zurück auf den Fahrrädern geht es weiter Richtung Altstadt. Viel ist davon nicht mehr übrig. Seit Jahren siedelt die Regierung die Bewohner oft mehr un- als freiwillig um und lässt die Hútongs zerstören. Einmal vom kulturellen Verlust ganz abgesehen, bringt dies auch große soziale Probleme mit sich. Die Bewohner werden aus ihren sozialen Strukturen und damit auch Sicherungssystemen gerissen, die "Verbesserung" soll ein anonymes Hochhaus sein. Chen erzählt, dass er nun schon 10 Jahre im selben Hochhaus wohnt, seit der Wohnungshof seiner Kindheit abgerissen wurde. Seine Nachbarn kennt er bis heute nicht.
Es geht weiter durch die engen Gassen. Es kommt mir komisch vor, in einer Rikscha gefahren zu werden und ich fühle mich unbehaglich. Als ich später darüber nachdenke, komme ich jedoch zum Schluss, dass ein Rikschafahrer keinen moralisch bedenklicheren Beruf ausübt als jeder andere Dienstleister auch und ich bin von mir selbst erstaunt, dass ich Gelderwerb durch körperliche Arbeit unterbewusst als scheinbar "nicht richtig" betrachte. Kommt es dabei doch einzig darauf an, ob ich meinen Dienstleister mit Respekt behandle, ganz gleich ob Taxifahrer oder Rikschalenker.
Die "Altstadt" besteht im Wesentlichen aus einer Straße, vielleicht einen halben Kilometer lang, vielleicht kürzer. Unter den vielen Touristen auch einige Europäer des Typs "Aussteiger", die sich hier, am Ufer des Flusses und entlang der hippen Szenebars aufhalten. Andenkenläden, kleine Modelabels und Auslagen mit Nippes bestimmes das Bild. In einem winzigen Geschäft bindet der Besitzer Blätter zu Notizbüchern, die Preise sind den westlichen Besuchern angepasst. Der Laden daneben bietet verblichene Maobibeln im Plastikeinband in allen erdenklichen Sprachen an. Es ist angenehm ruhig in der Fußgängerzone und bliebe Zeit, so sollte man sich in eine der Kneipen am Wasser setzen. Zeit bleibt aber leider keine.
Auf dem Weg zurück sind auf der nächsten größeren Straße plötzlich viele Polizisten unterwegs. Ohne den Grund erkennen zu können werden alle Passanten angewiesen, sich auf die Bürgersteige zu begeben und die angrenzende Verkehrsstraße ist in kürzester Zeit leer. Eine alte Frau schimpft lautstark und reckt dem Polizisten die Hände entgegen. Erst ein Polizeiauto, dann ein zweites, dann fährt eine schwarze Limousine an uns vorbei. Hier weiß endlich einer zu berichten: Es ist irakischer Staatsbesuch, welcher uns bereits seit dem Morgen "verfolgt". Wo in Europa schon Wochen im voraus Gullideckel verplombt werden, so wird hier kurzerhand die Straße geräumt und nach wenigen Minuten ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Und weg ist er, der Staatsbesuch aus dem Irak. Ich stelle mir vor, wie er bei der "chinesischen Oma" bei einem Tässchen Tee sitzt. Einen Anhänger der Heiligen Familie würde er zumindest nicht bekommen.
Vom Bus aus verfolge ich auf dem Weg zum Hotel eine Szene, die mir im Gedächtnis bleibt. Eine junge Frau steht in einer Parkanlage auf einer kniehohen Mauer und macht mit ihrem Handy Fotos vom dahinterliegenden Bach. Zehn Meter dahinter befinden sich drei Polizisten. Einer von ihnen nimmt sein Megaphon in die Hand und brüllt in Richtung der Frau. Ohne aufzublicken und noch immer mit dem Handy hantierend steigt sie rückwärts von der Mauer und macht weiter ihre Fotos. Das Megaphon sinkt nach unten, die Polizei ist zufrieden. Wenn es eine Metapher für das alte und neue China gibt, dann diese Szene. Und welches gewonnen hat, ist zumindest an diesem Abend unübersehbar.
Der Abend endet mit der Kung-Fu-Oper. Das klingt touristisch, ist es auch und lohnt sich dennoch. Was sich hochtrabend Oper nennt ist eine Mischung aus Akrobatik und seichtem Märchen. Es wird die Geschichte eines Jungen erzählt, der Angst vor dem Leben als Mönch hat, woraufhin der Meister ihm eine Geschichte erzählt von einem Jungen, welcher Angst vor dem Leben als Mönch hat. Soweit, so trivial. Es wäre jedoch alles andere als verwunderlich, wenn es nicht die Kongfu-Oper Běijīng gewesen wäre, welche die Wachowski-Brüder zur Bildsprache der Matrixfilme inspiriert hätte. Zeitlupe, Massenkämpfe und ähnliche Spielereien verdichten sich hier auf der Bühne zu einem ebenso kitschigen wie kreativen Spektakel. Als ich das Theater verlasse, ist es bereits dunkel. Und es wird spät dunkel hier. Wǎn'ān - gute Nacht.

