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Tempeldach in Bangkok

Ziel: Kaoh San Road, Bangkok

Dann mal los. Rucksack schultern und Papiere checken. Passfotos für die Einreise nach Kambodscha: dabei. Geldbeutel und Dollarnoten: dabei. Lonley Planet, Reisegutschein – besser auch mit. Maleronetabletten für beziehungsweise gegen eventuelles Malaria: dabei.

Aufbruch

Kaum aus Rom zurück, habe ich die letzten 14 Tage die Abende mit Google, Wikipedia und der Shoestring-Webseite verbracht. Welche Klamotten sollte man mitnehmen, wie ist das Wetter, und was tut und lässt man in Thailand besser? „Warme Kleidung mitnehmen“ fällt beispielsweise im Januar definitiv in die letzte Kategorie. Überhaupt, so werde ich später feststellen, hätte die Hälfte an Gepäck gereicht und dabei komme ich mir mit meinem 60-Liter-Rucksack schon nicht sonderlich überpackt vor. Tatsächlich wäre es aber kein Problem gewesen, direkt vor Ort zu einem Bruchteil der Preise hier fehlende Dinge nachzukaufen.

Let's be Facebook-Friends

Nächster Halt: Frankfurt Fernbahnhof/Flughafen. Vor dem Emirates-Schalter warten schon die ersten Mitreisenden und innerhalb der nächsten halben Stunde trudeln auch die noch fehlenden ein. Zusammen mit Tonja von Shoestring und Kristof im Auftrag der betreuenden Marketingagentur sind wir 18., für eine Gruppenreise eine gute Zahl. Der erste Eindruck, der sich später auch bestätigen wird, ist super. Wie zu erwarten war, arbeiten die meisten der TRND-Teilnehmer ebenfalls in der Medienbranche und es ergeben sich auf der gesamten Reise immer wieder interessante Gespräche. Zunächst aber muss ich Namen lernen: „Du bist nochmal wer und machst was...?“ muss ich ein paar mal fragen, die anderen aber gottseidank auch. Sympathische Gruppe, das Gepäck ist eingecheckt – dann kann es ja wirklich losgehen!

Zwischenstopp in Dubai

Bereits sechs Stunden Flug liegen hinter uns, als der Airbus in Dubai aufsetzt. Mit ganzen neun Runways entsteht hier - wie könnte es auch anders sein - der größte Flughafen der Welt. Dementsprechend hoch sind meine Erwartungen, die dann leider auch direkt enttäuscht werden. Dubai International Airport ist weder monumental noch schön. Viel eher besticht er durch seine Weitläufigkeit und so fahren wir ganze 35 Minuten Bus, bis das Terminal erreicht ist. „Entschuldigen Sie diese Unannehmlichkeiten“ sagt die Stimme vom Band, „umfangreiche Bauarbeiten verhindern, dass Ihre Maschine am Gate andocken kann“. Und tatsächlich sind die Baumaschinen und Gerüste in Dubai nicht zu zählen, allein der Flughafenausbau verschlingt weit über 3 Milliarden US-Dollar. Finanziert ohne Kredit, versteht sich.

Hinter der Sicherheitssschleuse liegen drei Stunden Wartezeit und ein Shoppingparadies vor uns - zumindest wenn man auf Duty Free in den Ausmaßen einer US-Amerikanischen Shoppingmall steht. Viel Technik, Zigarettenstangen in 5erPack und Alkohol. „Buy two get one free“ nach Dubai-Art bedeutet: Die dritte Whiskyflasche für 150 Dollar gibt es inklusive Lederkoffer für selbige kostenlos dazu. Und am Ladeneingang noch schnell ein German „luxury car“ gewinnen. Bei vielen hier Anwesenden dürfte der erste Porsche Cayenne allerdings längst in der Garage stehen.

Ein paar Meter weiter in den Gates liegen Hunderte Menschen und dösen vor sich hin. Wer ganz lange warten muss, hat sich mumienartig in Decken eingewickelt und das Gesicht bedeckt unter die Stuhlreihe gerollt. Hier treffen Menschengruppen aufeinander, wie ich sie noch nie erlebt habe. Neben Arabern viele Asiaten, darunter eine große Zahl Inder. Eine schwarzafrikanische Sportlergruppe mit Medaillen um den Hals kommt mir entgegen und offensichtlich gerade von einem Wettkampf. Versprengt sitzen einzelne Ordensschwestern auf der Reise in die Mission – oder zurück, wer weiß es schon. Eine Gruppe Burka tragender Frauen passiert - mehreren Männern folgend - eine europäischen Touristin in Tanktop und kurzer Hose. Ein wasserstoffblonder Klischeesurfer schaut ihr nach und verhindert im letzten Moment, über die ihrerseits am Ende des Laufbands gestürtzte Inderin zu fallen. Deren übermüdete Kinder quengeln, ihr Mann müht sich mit den Koffern ab und das russische Pärchen drückt sich am entstehenden Stau vorbei. „Dubai International Airport. Das Tor zur Welt!“ steht in riesigen animierten Lettern auf dem Videoscreen über der Szene. Es ist kurz nach 3 Uhr nachts.

Der Flug

von Frankfurt nach Dubai dauert circa fünf, der Flug von Dubai bis Bangkok circa sechs Stunden. Aufenthalt in den Vereinigten Emirate in unserem Fall: 3 Stunden.
Die Zeitverschiebung Deutschland - Thailand: + 7 Stunden
Hier geht es los, auf dem Frankfurt Flughafen.
Zielsetzung in Dubai für 2008: 40.000.000 Passagiere,
was über 109.5000 Menschen pro Tag entspricht
Wir im sechzehn von 95.0000 tatsächlichen Passagieren im Januar 08.
Aufzug, Hotel, Post und ein irisches Dorf
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(Bild 1/5) Aufzug, Hotel, Post und ein irisches Dorf
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Ankunft in Bangkok und nochmal neue Mitreisende

Einchecken, warten, Boarding, warten, Start, warten. Der Schlaf ist mäßig erholsam und die letzten 2 Stunden der Anreise ziehen sich, der Nachbar zwei Reihen weiter schnarcht. Erst nach insgesamt sechs weiteren Stunden von Dubai aus verlassen wir den Indischen Ozean und die Maschine erreicht thailändisches Festland.

Als wir landen ist es später Vormittag. Kurz die Beine vertreten, bis es erneut warten heißt. 40 Minuten ist die Schlange vor den Einreiseschaltern lang, gute 1000 Personen stehen an. Als ich an der Reihe bin, schüttelt die Beamtin den Kopf und macht ein Kreuz um das leere Feld „Aufenthaltsort in Thailand“ auf meiner Immigrationskarte. Wortlos dreht sie den in Plastikfolie eingeschweißten Zettel um, auf dessen Vorderseite „Please stay beyond the line“ steht. Auf der Rückseite sind circa 20 Hotelnamen, ich übernehme wahllos einen davon auf meine Karte und der Bürokratie ist Genüge getan. Ein Foto, zwei Stempel: Willkommen in Thailand!

Langsam findet auch die Reisegruppe wieder zusammen und wir warten auf Hans, der aus Amsterdam zu uns stößt. Hans van den Boud ist einer der drei Gründer und Geschäftsführer von Shoestring und begleitet uns die nächsten Tage. Mit Businesskarte oder im Meeting kann ich ihn mir allerdings nur schlecht vorstellen. Er reist in FlipFlops an und ich frage mich, ob er wohl überhaupt eine Businesscard besitzt. Eigentlich wollte er damals sowieso nur in einem Plattenladen Musik kaufen, so wird er es später in einem Nebensatz fallen lassen. Aus Liebeskummer... mehr möchte er dann aber nicht dazu sagen und spricht lieber von der Gegenwart. Oder noch besser: Der Zukunft. Aufmerksam und interessiert hört er sich während der gesamten Reise die Vorschläge und Ideen von jedem seiner Gäste an, notiert und verspricht, was immer realisierbar ist, in die Tat umzusetzen. „Ohje, die Namen“ sagt er bei der Begrüßung auf englisch, „die könne er sich eh noch nicht so schnell merken, er müsse "bestimmt noch mal nachfragen“. Sehr sympatisch.

Und auch das 20. und letzte Gesicht trifft ein: Roger, der Kameramann. Er wird die Reise mit der Videokamera begleiten, Interviews führen und daraus Filme im Auftrag Shoestrings schneiden. Ich, das testimonialgewordene Sechzehntel einer bunten Reisegruppe.

Als wir Bangkok International Airport verlassen, bleibt der erwartete ganz große Hitzeschock zunächst aus. Es ist heiß, aber erträglich und die weiteren 40 Minuten Fahrt im Bus sind gut aushaltbar. Das Ziel, zu dem ich vor knapp 30 Stunden aufgebrochen bin: Kao San Road, Bangkok.

„Hotel toll, Wetter super, uns geht’s gut.“

Die Unterkuft ist zu meinem großen Erstaunen nicht in Ordnung sondern bestens. Die Zimmer des „Buddy Boutique Hotels“ - links am McDonald's vorbei in den Gang mit dem Tatoostudio und dem Internetcafé, dann rechts halten - sind nett eingerichtet und sehr sauber.

Die Freude über die Unterkunft und darüber überhaupt endlich angekommen zu sein, lässt mich wieder wach werden und ich fühle mich vollständig regeneriert. Auf dem Dach des Hotels hat es sogar einen kühlen Pool und nach kurzer Dusche bin ich der erste, der über den Dächern Bangkoks ein paar Runden dreht. Zugegeben, von den Dächern ist von dort aus nicht viel zu sehen, aber bereits das Wissen, im Januar bei über 30 Grad im Wasser am anderen Ende der Welt sein zu können reicht für beste Laune gut aus.

Allzu viel Zeit möchte ich dann aber dennoch nicht dort verbringen, schließlich möchte ich die wenige Zeit optimal nutzen. In der Lobby treffe ich drei andere mit ähnlichen Vorstellungen und wir entschließen uns zu einem Abendspaziergang.

Kao San: Height Ashbury Südostasiens

Die Kao San Road ist mindestens Thailands, wenn nicht gar ganz Südostasiens berühmteste Straße. Sie ist das Mekka all derer, die nicht länger stützendes Zahnrad in der Maschinerie des westlichen Konsumkapitalismus sein, solange aber auch nicht auf ein sauberes Klo verzichten wollen. Und so dominieren neben Backpackern viele westliche Aussteiger und Alternative das Straßenbild, einige auf Selbstfindung, manche auf Droge.

Hinter dem Schilderwald der Fassaden drücken sich Hotels und Hotelartiges an Bars und Gaststätten. Wer an dauerhafter Körperveränderung interessiert ist, hat hier mehr Gelegenheiten als Körperstellen zur Verfügung. Duzende Tattoo- und Piercingläden drängen sich in den kleinen Ladengeschäften. Vom bedeutungsschwangeren Schriftzeichen bis zum Che Gevara-Kopf in halber Lebensgröße wird hier alles auf Haut fixiert, was nur gewünscht werden kann. Und das Geschäft läuft, fast immer liegt Kundschaft auf den ausrangierten Zahnarztstühlen. Nur lächeln tut nie wer.

Herrschaaren von Händlern verkaufen T-Shirts, Ketten, Nippes. Am Straßenrand ist ein Holztisch aufgebaut, Boxen beschallen die Umgebung und auf einem Schild auf dem Rücken eines Laptops steht „We fill your iPod“, abgerechnet wird in Gigabyte. Bei aller Kuriosität, mit der diese 400 Meter lange Straße ihren alternativen Flair kultiviert und schlussendlich vermarktet: Es herrscht tatsächlich eine äußerst entspannte und wirklich angenehme Atmosphäre. Das bunte Treiben fließt gemächlich durch die Gassen und das kühle Bier und die tiefgelben Strahlen der Abendsonne tun ihr Übriges.

Langsam ändert sich die Umgebung und wir kommen in ein anderes Viertel. Hier sind, zumindest um diese Zeit, keine Touristen mehr. Ein kleines Geschäft reiht sich ans andere und alle verkaufen das Gleiche. Das geht einen Straßenzug so, dann tauchen neue Geschäfte auf, die wiederum alle das Gleiche verkaufen. Es scheint, als habe in dieser Gegend jede „Zunft“ ihre eigene Straße und so kommt es, dass wir an einer ganzen Reihe von Pokalgeschäften entlangschlendern. Pokale, Medaillen, Schmuckteller und jede Menge anderes Auszeichnung gewordenes Metall. „Wer braucht so viele Pokale?“ fragen wir uns und finden keine Antwort. Dann biegen wir in die Straße der Bhuddhastatuenverkäufer ab.

Schließlich erreichen wir Khlong Lord, den Strohhalmkanal. Auf den Mauern kauert eine Gruppe Arbeiter im Feierabend und schaut uns nach. Ein schmächtiger Mann kommt den Gehweg der kaum befahrenen Straße entlang und sammelt Plastikflaschen, etwas weiter vorne liegt ein Mann im Weg. Regungslos liegt er neben einer Gruppe anderer und auch als wir an ihm vorbeisteigen ist keinerlei Bewegung zu sehen. Der tiefe Schlaf eines Arbeiters. Im besten Fall.

Weitere Bilder

gibt es bei Klick auf die Pfeile nach links und rechts, die sich unterhalb mancher Bilder hier im Reisetagebuch befinden; wie zum Beispiel beim Foto direkt über diesem Text. Toll!
Ankunft in Bangkok
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(Bild 1/3) Ankunft in Bangkok
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Buddy Lodge Hotel
265 Khaosan Rd., Taladyod, Pranakorn, Bangkok 10200
Tel. +66 (2) 629-4477, 629-4499 | Fax. +66 (2) 629-4744
Und natürlich auch online buchbar unter khaosanroad.com.
Die Khao San Road
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(Bild 1/14) Die Khao San Road
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Long Live The King

Die Seitenstraße mündet in eine Hauptverkehrsader und was dort den Fahrweg überspannt, lässt sich nur schwer mit Worten beschreiben. Ein goldener Doppeltorbogen, verziert auf beiden Seiten mit zahlreichen Fotos des Königs und für mich Westeuropäer in etwa so anmutig und edel wie „Der röhrende Hirsch“ über dem Sofa. Das Kitschempfinden der Thailänder ist jedoch ganz offensichtlich ein anderes und über den König wird sich erst recht nicht lustig gemacht. Ein Gott ist König Bhumibol zwar nicht, ein Mensch allerdings auch nicht und so schwebt er als Halbgott über jeder Kritik. Erst recht, was Kitsch angeht.

Mit der Dunkelheit kommt auch der Hunger, seit dem letzten Flugzeugimbiss gab es nicht wirklich mehr viel zu essen. Aber auch ohne den ganz großen Hunger hätte das im nächsten Restaurant gelieferte Essen mehr als nur geschmeckt. Eine halbe Ananas, ausgehöhlt und mit „Fried Rice and Chicken“ aufgefüllt, dazwischen Ananasstückchen und viel thailändisches Gewürz, dazu ein Singah Beer. „Tschok di“ – Prost.

Der Tag endet nach einem weiteren Singah in der Kao San Road. Eine Weile noch sitzen wir in einer Bar am Straßenrand, unterhalten uns und sehen den Passanten nach. Dann überkommt mich doch die Müdigkeit, vor knapp 40 Stunden habe ich Bielefeld verlassen und seither nicht allzu viel Erholung gehabt. Es ist erst 20:00 Uhr, als ich schlafen gehe, und es dauert nur Minuten und ich bin weg.

„Der König wird als Halbgott verehrt - wer ihn kritisiert, macht sich strafbar: In Thailand verstehen die Obrigkeiten keinen Spaß, wenn es um König Bhumibol geht. Ein Schweizer steht jetzt wegen Majestätsbeleidigung vor Gericht, ihm droht eine langjährige Haft.“
Statt 75 Jahren Haft wurde der Schweizer wenig später begnadigt.
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