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Straßenszene in Siem Reap, Kambodscha

Flug nach Siem Reap, Kambodscha

Kambodscha. Klingt nach... Roter Khmer. Massaker und Krieg. Elend. Sonst noch was? Nein, mehr fällt mir nicht ein. Bis auf eine vage Ahnung von Gewalt in einer Zeit vor der meinigen habe ich zunächst keine Assoziation mit Kambodscha und weiß nicht im Geringsten, was mich dort erwarten mag. Heute wünschte ich, so bald wie möglich in das wunderschöne Land zurückkehren zu können.

Auf Wiedersehen, Thailand

Als die Maschine um 13:30 Uhr abhebt, bin ich schon viele Stunden wieder auf den Beinen. Bald nach Sonnenaufgang aufstehen, frühstücken und durch die Rush Hour zum Bangkok International Airport. Einchecken, Emigrieren, warten. Der eigentliche Flug von Bangkok nach Siem Reap, Kambodscha endet keine 40 Minuten nach dem Start.

Die Effizienzimmigration

Man tut dem internationalen Flughafen Siem Reap kein Unrecht, bezeichnet man ihn als beschaulich. Beschaulich, aber neu und modern angelegt. Unter dem Satteldach hängt Kunst und große Fenster geben einen Blick in den schön angelegten Innengarten frei.

Bevor jedoch Zeit für solch betuliches Treiben bleibt, müssen wir zunächst nach Kambodscha einreisen. Zwanzig Dollar kostet die Immigration. Oder Euro, natürlich auch zwanzig. Das Geld, die Bordkarte und das im Flugzeug ausgefüllte Formular in den Pass gesteckt und es startet ein Prozess, der sich am ehesten mit Fließbandbürokratie beschreiben lässt. Die Dokumente werden Beamter für Beamter den halbrunden Tresen entlanggereicht, wobei jeder Bedienstete genau einen Handgriff tätigt. Minuten später ist mein Pass am anderen Ende der circa 10köpfigen Beamtenkette angelangt, der vorletzte Bedienstete klebt das Visum ein, ich höre im Geiste ein Mikrowellen-Pling und mein Name wird aufgerufen. „Dominik“ nickt er mir freundlich zu und ich darf passieren. Ich bin in Kambodscha.

Tourismus in Kambodscha

Ein lokaler Guide holt uns ab, er spricht sogar Deutsch. Das Hotel, in das er uns bringt ist eines von unzähligen. Viele sind den Straßen entlang im Bau, unseres ist fertig und macht den Anschein, als sei es noch nicht sonderlich alt. Im Hof ein Pool, im Pool ein paar Holländer und sogar Deutsche, die Liegen mit Handtüchern bedeckt. Backpacking ist das hier für uns nicht, schlecht jedoch eben so wenig. Zumal die Alternativen hier vor Ort noch Mangelware zu sein scheinen.

Tausend Touristen kämen täglich in die 100.000 Einwohnerstadt beteuert der Guide, das scheint jedoch eher Wunschziel denn Realität zu sein. Doch die junge Tourismusbranche wächst kräftig und mit ihr die Zahl der Unterkünfte. Alte oder heruntergekommene Hotels – abgesehen von den ganz üblen Absteigen – gibt es aus einem ganz simplen Grund nicht: Tourismus ist in diesem von den Kriegswirren schwer gebeutelten Land schlicht neu.

Die Altlasten der Roten Khmer, deren Gegner sowie deren Gegner liegen in Form von Landminen zu abertausenden Tonnen in den Böden. Landminen sind Kambodschas Fluch, unter dem Land und Menschen noch Jahrzehnte zu leiden haben werden. Ein echtes Ende dieser Gefahr ist nicht abzusehen, gerade mal eine Hand voll Kampfmittelräumer stehen für das ganze Land zur Verfügung, meist eher gar nicht als nur schlecht ausgerüstet. Und Zeitungen berichten, wie perfiderweise die Opfer selbst zu Tätern werden. Statt gefundene Minen zu zerstören setzen zahlreiche Bauern die Kriegsüberreste dazu ein, ihre Ländereien vor Viehdieben zu schützen. Ob es eine Statistik der Opfer dieser „Sicherungsmaßnahmen“ gibt, weiß ich nicht.

Trotz allem, die Zukunft ist der Tourismus. Er soll es zumindest sein und schon jetzt arbeiten 80% (!) der Einwohner des Bezirks in der Tourismusbranche und deren angeschlossenen Bereiche. Ob es jedoch dem Otto Normalkambodschaner dadurch bereits heute besser geht ist fraglich, die Armut des Landes ist unübersehbar.

Kambodscha

Ankunft im Reich der Khmer, deren Geschichte bis in das Jahr 802 zurückreicht. Knapp 14 Millionen Menschen leben in dem Land zwischen Thailand, Vietnam und Laos.
Die Zeitverschiebung Deutschland - Kambodscha: + 7 Stunden
Der Morgen über der Khao San Road.
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(Bild 1/10) Der Morgen über der Khao San Road.
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Das Erbe der Roten Khmer

Selbst sachliche Berichte über die Herrschaft der Roten Khmer Guerilla sind kaum zu ertragen. Angefangen von der staatlichen Order, dass selbst engste Familienmitglieder ausschließlich mit Genosse anzusprechen sind über Todesstrafen für Verspätungen, über Hungermärsche bis hin zu den Killing Fields und dem "Sicherheitsgefängnis 21". In letzterem überlebten lediglich 7 von bis zu 30.000 Gefangen die selbst für Folter abartigsten Misshandlungen.
Einstieg in eine grausame Thematik: Wikipedia zum Thema Rote Khmer.
Im Herzen Cambodias: Die Innenstadt von Siem Reap.
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(Bild 1/17) Im Herzen Cambodias: Die Innenstadt von Siem Reap.
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Siem Reap

Der Weg ins Stadtzentrum ist mit Photomotiven gepflastert, die meisten vergehen, ohne festgehalten worden zu sein; aus Mangel an Reflex und Respektlosigkeit, aus fototechnischen Gründen oder einfach, weil ich sie niemals sah. Der schier erdrückende Überfluss an Bildern besteht aus Marktfrauen am Straßenrand mit ihren Fruchtständen, an spielenden Kindern und darbenden Gestalten in den Ecken, aus dem starken aber zu bewältigenden Verkehr, aus dem brennenden Staub der Straße und dem tiefschwarzen Rauch der Automotoren, deren Fehlzündungen die passende Geräuschkulisse bilden. Dennoch liegt eine gewisse Ruhe über den Dingen und alles geht seinen gewohnten, holprigen Gang.

Das Stadtzentrum von Siem Reap ist überschaubar. Es gibt ein Geschäft für raubkopierte mp3, einige Restaurants, die obligatorischen Straßengrills und Staub. In der Markthalle drängt man sich dicht an dicht, doch im Gegensatz zu Thailand sind hier nur wenige Europäer auszumachen. Im Angebot sind daher auch weniger touristische als vielmehr alltägliche Waren für normale Haushalte. Fisch und Fleisch, Gewürze, Stoffe und Gebrauchsgegenstände, hier gibt es alles.

Wer im Süden aus dem Dunkel der Halle tritt, findet sich am Flussufer wieder und wie so oft trennt das Wasser arm von ärmer. Am gegenüberliegenden Ufer des verdreckten Gewässers ist endgültig Schluss mit Tourismus. Kleine Hütten stehen auf Stelzen am Wasserrand und nackte Kinder mit aufgeblähten Bäuchen sitzen herum. Der Segen ausländischer Devisen ist längst versiegt, bevor er diese Menschen erreichen könnte.

Hier auf der anderen Seite des Flusses kommt ein Kind auf uns zu, es sammelt Zigarettenstummel vom Boden und möchte das Stativ oder einfach irgendetwas von uns haben. Ein Mann spricht uns in gebrochenem Englisch an und fragt, ob wir Hitler kennen, er bewundere ihn. Nein, Hitler, „we don't like him. But we like football, Jürgen Klinsman, you know?“. Ja, er weiß, und eigentlich findet er ihn auch besser. „Jürgen Klinsmann and football is much better than Hitler!“ lache ich ihn an und er lacht mit.

Das unglaubliche Dead Fish Restaurant Siem Reap

Bei Tag recht unscheinbar, nicht mehr ganz im Stadtzentrum von Siem Reap in der kamboschanischen Provinz gelegen und mit dem verheißungsvollen Namen „Dead Fish“ gesegnet - vielleicht nicht unbedingt die erste Wahl für ein Restaurant, wie man meinen könnte. Warum wir es dennoch besuchen liegt am Kellner, der uns am Frühabend auf dem Weg zurück ins Hotel aufforderte, doch einen Blick auf die Karte zu werfen. Viel spannender als die Karte war jedoch etwas ganz anderes und so kommen wir völlig fasziniert am Abend mit der ganzen Gruppe zurück.

Der „Tower“ ist der Alptraum jeder Versicherung, des Verstoßes gegen jede deutsche Bauvorschrift schuldig, ein restaurantgewordenes Super Mario Level, gemeingefährlich und einer der faszinierendsten Orte, an denen ich jemals war.

Im wesentlichen besteht das Restaurant aus einer großen Lagerhalle, zwischen deren Fußboden und Spitzdach zahlreiche nach allen Seiten offene Ebenen eingebaut wurden. Die Ebenen sind mit steilen Treppen, manchmal mit und manchmal ohne Geländer, verbunden. Auf der obersten Plattform sind es gute 12 Meter von der begrenzungslosen Kante bis zum Fußboden darunter, ein Flaschenzug bringt die Bestellungen nach oben.

Wer für das Abenteuer unterm Dach nicht schwindelfrei genug ist, findet auch Tische in Bodennähe. Eine Gruppe Tische und Sitzmatten befindet sich auf einer Plattform auf Stelzen, darunter beleuchtetes Wasser. Gleich nebenan trennt eine Betonmauer die Gäste von einer Grube ab. In dieser Grube dösen mehrere Krokodile. Doch dieser Ort ist schon so verrückt genug, dass mich diese Entdeckung auch nicht mehr wirklich überrascht.

In dieser Umgebung esse ich den besten Fisch meines Lebens, versuche herauszufinden, wie dieser wohl heißt, aber es scheitert an der Sprachbarriere. Wir lachen und diskutieren bei Singa-Bier, applaudieren dem australischen Livemusiker und jeder hier am Tisch hat etwas Interessantes zu erzählen. Uns geht es gut.

Siem Reap und die Roten Khmer

Bis in die Neunziger wurde die Stadt durch Barrikaden vor Überfällen durch die Roten Khmer geschützt. Der letzte Angriff erfolgte erst 1993 und zielte auf die Stadt sowie die UNTAC-Friedenstruppen.
„Siem Reap - the great gate to Angkor.“
Offizielle Webseite Siem Reap
Der Dead Fish Tower.
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(Bild 1/7) Der Dead Fish Tower.
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NO. 706 Kra-Proaw-Kob
Spicy Stir Fried Frog's Legs Thai Style, With Garlic, Chilli, Basil $5
NO. 707 Pah-Loh
Steamed Pig's Head With Skin, Meat and Belly $4
NO. 709 Pouk-Cow
Steam Cow's Heart; To Be Served With Spicy Souce $4
Auszug aus der Speisekarte des Dead Fish Towers
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