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Tempeldach in Bangkok

Ko Samui und das Ende einer Reise

Gemütlich soll es ausklingen, sagt Hans. Gemütlich soll es ausklingen, sagen die anderen. Na gut, warum eigentlich nicht, denke ich und stelle mich auf gute zwei Tage Stand ein. Und tatsächlich, so geht’s auch.

Gut leben als Europäer

„Wellness is a birthright“ steht auf dem Schaufenster einem der zahlreichen Massagesalons. Im Gegensatz zu den anderen Menschenrechten scheint Wellness jedoch sehr wohl veräußerlich zu sein, jeder der Salons buhlt darum, der Günstigste zu sein.

Auf jeden Fall scheint klar: Wer Ko Samui besucht, ist in erster Linie an den angenehmen Seiten des Lebens interessiert. Die Insel lebt vom westlichen Tourismus und die Dichte an Bars, Restaurants, Piercing- und Tattoostudios ist hoch. Eine Apotheke wirbt im Schaufenster mit „AIDS-Test in nur 15 Minuten“.

Gut leben lässt es sich als Europäer an diesem Ort ganz in der Tat. Der Hummer, der an diesem Abend im Restaurant direkt am Strand serviert wird, ist nicht nur fangfrisch sondern auch von solchen Dimensionen, dass seine Fühler bis weit über den Nachbarteller reichen. In der Q-Bar, einem noblen Neubau am Berghang mit Blick über die gesamte nächtliche Stadt, klingt der Abend bei Cocktails und Bier aus. Gemütlich soll es ausklingen, sage ich.

Leben auf Ko Samui

Gute eineinhalb Tage bleiben noch und der Optionen gibt es viele. Unzählige Anbieter haben eine Vielzahl an Aktivitäten auf der Insel im Programm, so richtig steht mir aber nicht der Sinn danach. Wir beginnen zu dritt die Insel zu erkunden und beginnen vor der Unterkunft und zu Fuß. Ein paar Kilometer weiter suchen wir, um Wasser zu kaufen, zum ersten Mal den nächsten Supermarkt auf, nicht lange darauf geben wir das Vorhaben der Inselerkundung ganz auf. Es ist schier unerträglich heiß und als sei das nicht genug, liegt die Luftfeuchtigkeit bei gefühlten 100 Prozent.

Im „Stadtgebiet“ wird es leicht besser und ich schlendere durch die Einkaufsgassen. Handtücher, Schmuck und gebrannte DVDs beherrschen das Angebot. Besonders letzteres versetzt mich, obwohl mittlerweile schon vielfach gesehen, immer wieder in Erstaunen. Wer vermutet, dass der Verkauf von Raubkopien zwangsläufig mit gewisser Diskretion stattfindet, der wird hier eines Bessere belehrt. Keine Straßenhändler, sondern stationäre Geschäfte bieten zigtausende Plastiktütchen mit einem gescannten Cover aus dem Tintenstrahldrucker und dem dahinterliegenden CD-Rohling an. Und als wäre das nicht offensichtlich genug, wird in manchen Geschäften sogar der Service angeboten, sich DVDs individuell zusammenzustellen: einfach Filme auswählen, 10 Minuten warten und fertig ist eine DVD mit den beliebtesten aktuellen Kinofilmen. Der Strom an schnäppchenhungrigen Touristen scheint groß genug, dass sich tausende solcher Geschäfte halten. Bei solche Margen kein Wunder.

Es ist der Mangel an Alternativen, der Geschäfte mit Raubkopien, Drogen und Prostitution fördert. Thailand bleibt ein Entwicklungsland, auch wenn das mancherorts schnell in Vergessenheit geraten mag. Und wie immer ist der Tourismus ein höchst zweischneidiges Schwert. Chance und Gefahr zugleich sorgt er für Arbeit, die weltweit höchste Prostitutionsdichte, Fortschritt und Umweltzerstörung

Durchschnittlich 7.623 Bath, umgerechnet unter 150 Euro, beträgt das durchschnittliche Monatsgehalt der Thailänder, im Hotelgewerbe weniger. Und das sieht man auch, sofern man es denn will. Es sind die Figuren in den sprichwörtlichen Häuserecken, die rastenden Männer gegenüber der Baustelle und die alte Frau mit dem Grillfleischkorb, in denen sich die Armut widerspiegelt.

Wasser

Ich kaufe ein Standtuch, eingepackt hatte ich keines. Der Händler zetert, verdiene er jetzt doch nicht nichts mehr daran. Verkauft hat er es mir trotzdem und das Geschäft ist für uns beide eines gutes. Er lächelt, doch so richtig einschätzen kann ích ihn nicht, es lächeln immer alle. Und ein zum Lächeln passendes Angebot hat auch jeder, besonders gut, besonders exklusiv, versteht sich.

Ich nehme das Handtuch und mache mich auf den Weg zum Strand. Die schwüle Hitze ist mittlerweile schier unerträglich geworden und der heiße Sand schmerzt an den Fußsohlen. Vor dem „eat sense“, dem Standrestaurant vom gestrigen Abend, finden sich mehr oder weniger wieder alle zusammen. Die rote Fahne flattert, der Wunsch nach Abkühlung ist jedoch größer und wir werfen uns in die Wellen. Was für Wellen! Mit brachialer Gewalt schlagen in kurzen Abständen die Wassermassen gegen das Ufer und gegen uns. Wir halten dagegen, kämpfen uns vor, werden chancenlos überrollt und mitgerissen. Wir tauchen wieder auf, schnappen nach Luft und springen in die nächste Welle, die mit martialischem Lärm die Gischt über uns hinwegspült. Auftauchen, prusten, Luft holen, in den Wasserberg drehen. Der Schlag trifft hart und streift jeweils nur knapp die Grenze zu echten Schmerzen. Der Freude tut das keinen Abbruch, salzwasserspuckend, von Sand und mit kleinen Schürfwunden überzogen, glücklich und adrenalingetränkt stapfen wir etwas später wieder an Land.

เกาะสมุย

Ko Samui ist die drittgrößte Insel Thailands und liegt cirka 35 Kilometer vor der Küste. Klima: tropisch.
9° 30′ 7" N, 99° 59′ 35" O
Palmen und blauer Himmel
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(Bild 1/8) Palmen und blauer Himmel
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„Mein Thailand ist 247 Quadratkilometer groß und eine Insel. Das ist alles, was ich von Thailand kenne. Seit zehn Jahren fahre ich bis auf eine Ausnahme jedes Jahr nach Koh Samui.“
Jana Simon möchte "Immer wieder Koh Samui", berichtet sie in der Zeit.
„Der Strand ist auf einer Insel. Und diese Insel ist... sie ist... vollkommen, ich meine sie ist... ich meine wahre Vollkommenheit, verstehst du? Ich spreche nicht nur von "Oh, ist das schön." Es ist verdammt nochmal das einzig Wahre, okay? Vollkommen. [..] Es ist total geheim und absolut... verboten. Und niemand kann jemals... jemals, jemals, jemals dort hingehn! Jemals! Aber 'n paar Leute habens getan. [..] Männer und Frauen mit Idealen. Verstehst du?“
Popkultur: Zitat aus dem Kinohit aus dem Jahr 2000, The Beach.
Händlerin mit mobilem Grill.
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(Bild 1/12) Händlerin mit mobilem Grill.
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Ausklang und Ende einer Reise

So vergeht der Tag und endet erneut im Wasser, diesmal ist es der chlorgetränkte Pool der Unterkunft. Bei Thaibier sitzen wir in großer Runde beisammen und erinnern uns an Kambodscha, dieses Land, in dem wir vor gefühlten Wochen waren. Oder an die Fahrradtour in Bangkok, irgendwann im letzten Jahr. Intensiv waren die vergangen Tage und nicht nur, dass sie uns alle viel länger vorkamen, wir haben auch das Gefühl, nun diese Ecke der Welt zu kennen. Ein vermessener Gedanke nach der dritten Dose Singha, dennoch: erneut mache ich die Erfahrung, dass der Mensch sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit an neue Umgebungen gewöhnt. Ändern sich die Rahmenbedingungen, ändern sich die Menschen innerhalb kürzester Zeit mit. Auch für mich sind viele Dinge schon nach wenigen Tagen völlig normal, die in Europa undenkbar wären.

Beruhigend, birgt unsere Anpassungsfähigkeit doch stets eine weitere Chance, einfach auf andere Art und Weise weiterzumachen. Und zugleich die beunruhigend banale Erkläung von den kambodschanischen Killing Fields bis zur Straßenarmut auf Ko Samui.

Samui Airport

Tags darauf geht die Reise zu Ende, es ist Spätnachmittag, als der Rucksack vollständig gepackt ist. Die Sandprobe für das Glas auf dem Regal daheim ist mit drin, es klebt bereits ein kleiner Aufkleber mit der Herkunft auf der Plastiktüte. Die Sonnenmilch wird im deutschen Januar auch überflüssig sein und kommt ebenfalls in den Rucksack. Von dessen Boden krame ich geschlossene Schuhe hervor, es fühlt sich ungewohnt an - und deutlich zu heiß, mit langen Hosen, gerüstet für Europa.

Einer der letzten Eindrücke der Reise ist Samui Airport. In der Checkin Halle steht ein Schild, das ihn als achtschönsten Flughafen Asiens ausweist, vermutlich verdienterweise. Was sich hier Gate nennt, ist ein nach allen Seiten offener Pavillon. Sitzgruppen stehen verteilt im Raum, es gibt Kaffee, Tee und Häppchen umsonst. In den holzvertäfelten Waschbereichen sind Aquarien in der Wand und auf jedem Pissoir liegt eine frische, rote Blüte.

Eine Stunde warten wir hier, dann geht es los. Zurück nach Bangkok. Zurück nach Dubai. Zurück nach Frankfurt. Zurück nach Bielefeld. Es regnet. Ist kalt. Schön, wieder hier zu sein.

„Laa goon“
Auf Wiedersehen
Rote Fahne am Strand - gute Wellen
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(Bild 1/8) Rote Fahne am Strand - gute Wellen
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