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An der Küste Benins

Westafrika 2008: Benin, Togo und Niger

Mitteleuropa. Fünf Flugstunden gen Westen liegt New York. Fünf Flugstunden Richtung Osten liegt Moskau. Fünf Flugstunden im Süden liegt eine andere Welt. Was verdächtig nach Floskel klingt, ist tatsächlich wahr. "Andere Welt" jedoch mit "Dritte Welt" gleichzusetzen wäre - wenngleich oft übereinstimmend - zu kurz gegriffen. In den drei Wochen unserer Reise durften wir eine erfolgreiche Marktfrau, zwei sich selbst versorgende Dorfgemeinschaften und einen außergewöhnlichen Friseur kennenlernen. Menschen mit Plänen. Menschen in Städten und Ländern, deren Strukturen für uns Europäer kaum zu greifen sind und von deren Existenz wir nur wissen, weil es ja doch irgendwie alles funktioniert. Eine andere Welt eben. Zeit, das betroffen mitleidige Afrikagesicht abzulegen und genauer hinzuschauen.

Eine andere Welt

Eines unserer Schlüsselerlebnisse findet in Tanguiéta statt, ganz im Norden Benins und an den Grenzen des Pendjari-Nationalparks. Einen Tag nach einer harten Anreise, an deren Unstruktur wir beinahe verzweifelt wären, übernachten wir in Bungalows nahe eines Wasserfalls. Eine Gruppe Kinder führt uns nach oben und auf der zweiten Plateauebene befindet sich nicht nur ein zweiter Wasserfall, sondern auch eine provisorische Umkleidekabine.

Zunächst rätseln wir, fragen uns, warum dieser fantastische Ort so gänzlich unvermarktet ist. Lachen bei der Vorstellung, wie viele Hinweis- und Gefahrenschilder in Europa stünden. Wundern uns, warum keine richtige Umkleidekabine gebaut wird. Bis wir erkennen.

Bis wir erkennen, dass er direkt vor uns liegt, der Tourismus in Afrika. Die "provisorische" Umleidekabine - sie hat alles, was eine Umkleidekabine braucht, nur kein Schild, keine Verordnung. Und die Kinder, die uns den glitschigen Wasserfall nach oben führen und jede einzelne Trittstelle zeigen - natürlich bekamen Sie eine Entlohnung. Statt Eintritt, statt zertifiziertem Führer mit Stempel, statt Geländer und statt Schlange an der Kasse. Tourismus in Afrika ist manches Mal auch deshalb nicht existent, weil wir ihn nicht erkennen.

Reiseziel Afrika

"Klar kannst du mit. Du hast bis morgen neun Uhr Zeit, dich zu entscheiden", sagt Katja, "dann buchen wir". Ich entscheide mich bis neun Uhr am nächsten Tag und zu viert machen wir uns auf, ihr Patenkind zu besuchen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger,

Sie werden es gleich bemerken. In diesem Reisetagebuch ist alles anders. Vor allem: Es ist kein Reisetagebuch. Nennen wir es Dossier. Denn statt eine dreiwöchige Tour minutiös wiederzugeben, hielt ich es dieses Mal für klüger, zu einzelnen Themen Artikel zu verfassen. Ein Dossier eben. Und genau damit wünsche ich nun viel Vergnügen!
Die berühmte Anrede hat Heinrich Lübke vermutlich übrigens gar nie verwendet.
Zwischen Sahelzone und Elfenbeinküste: Westafrika.
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