Die Seitenstruktur von Google und Bing

Das Thema Bing und die damit verbundene Frage, warum es der milliardenschwere Microsoftkonzern nicht schafft, eine handwerklich saubere Webseiten- und Layoutstruktur für seine Suchmaschine zu entwickeln, lässt mich nicht los. Ja, ich ärgere mich richtiggehend, es ist so schade und unnötig.

Bei den Überlegungen bin ich auch auf folgende Frage gestoßen: Wie kann ich einem wenig design-affinen Menschen, am besten sogar einem absoluten Laien, verständlich aufschlüsseln, dass eine Webseite unstrukturiert ist? Im vorangegangenen Beitrag habe ich versucht, die Screenshots nebeneinander zu stellen. Doch der Effekt der kleinen Thumbnails kommt nicht so stark heraus, wie ich es mir erhofft hatte. Zwar sieht man, dass jede einzelne Seite unterschiedlich gelayoutet ist, die extremen Designsprünge aber, die bei dem klicken auftreten, lassen sich dadurch nicht vermitteln.

Gibt es vielleicht sogar eine Möglichkeit, eine Art Formel festzulegen? Eine Faustregel oder zumindest ein standardisiertes Vorgehen, an Hand dessen eine laien- und vorstandstaugliche Bewertung möglich ist?

Ich habe experimentiert. Das Ziel des Experiments war, zu visualisieren, ob ein Nutzer im Bereich „1 Klick von der Startseite entfernt“ mit (verwirrenden) Design/Layoutveränderungen konfrontiert wird. Ich habe dafür die Startseiten von Google und Bing genommen und jeweils alle auf der Startseite direkt verfügbaren Links angeklickt. Bei Google waren das rund 30, bei Bing die Hälfte.

Von jeder einzelnen Seite habe ich einen Screenshot angelegt, diese Screenshots habe ich übereinander gelegt und die Sichtbarkeit für jede einzelne Ebene von 100% auf 10% reduziert, will heißen: die einzelnen übereinandergelegten Screenshots werden dadurch zu 90% durchsichtig. Mit folgendem Ergebnis (am besten im Vollbild betrachten):

Google

Bing

Was heißt das nun? Das Ergebnis ist auf den ersten Blick nicht so eindeutig, wie ich vermutet hätte. Man muss auch dazu sagen, dass die Reihenfolge der Ebenen zufällig gewählt ist, dies wirkt sich natürlich auch auf das Endergebnis aus und bietet Platz für entsprechende Manipulationen (wenn z.B. Screenshots mit hohem weiß-Anteil ganz oben platziert werden).

Lässt sich mit dieser Methode dennoch etwas über eine Webseite herausfinden? Ich denke, bei genauerer Betrachtung schon.

  • Der direkte Vergleich: der Google-Screen besteht aus 30 Einzelseiten, der Bingscreen aus 15. Dennoch ist Google deutlich weniger ducrheinander (was vom Verzicht auf die Verlinkung externer Domains herrührt. Erkenntnis: Besser lassen, wenn ich Webeite A besuche möchte ich nicht direkt von der Startseite auf Webseite B. Und falls doch, läuft was schief.
  • Bei Google gibt es offenbar 3 mögliche Positionen für das Logo, das ist eine klar begrenzte Anzahl. Bei der Bing-Montage ist das Logo oben links nur zu erahnen.
  • Google verfügt über eine (fast) immer identische Navigationsleiste am oberen Fensterrand. Prima!
  • Einheitliche Domäne: Google machts richtig, die Domäne verändert sich quasi nie. Der Unterschied bei Bing ist jedoch enorm und die URL deutlich öfter kryptisch. Wenn User dahingehend erzogen werden, dass in de Adressleiste sowieso nur unlesbarer Quatsch steht, ist Phishing leichtgemacht. Letzteres lässt sich nicht aus der Montage lesen, möchte ich aber anmerken.

Lässt sich noch mehr aus den Montagen lesen? Oder gibt es andere, viel bessere Methoden zur Visualisierung? Und was sagen eigentlich die Designprofis dazu? Das wär‘ doch was für Sie, Herr Schaffrina!

Und jetzt auch noch Bing: Microsoft und das Internet

Dass Microsoft das Internet verschlafen hat ist kein großes Geheimnis. Jahrelang erkannte man nicht den bevorstehenden Wandel oder zog zumindest keine Konsequenzen daraus. Und als er schließlich da war, schossen kleine Startups an Microsoft vorbei und die Redmonder mussten hilflos zusehen, wie selbst kleine Firmen und OpenSource Bewegungen das schafften, was sie selbst nicht hinbekommen: Eine Größe im Netz zu werden, ein Innovator sein, die Entwicklung voranzutreiben. Continue reading „Und jetzt auch noch Bing: Microsoft und das Internet“

Gesucht: SimRefinery und SimHealth

Was macht man, wenn man über lange Zeit auf der Suche nach einer bestimmten Sache ist, alle Googletreffer zum Thema bereits kennt und trotzdem noch keinen Erfolg hatte? Selbst darüber schreiben, sich in Google finden lassen und hoffen, dass sich jemand mit der passenden Antwort meldet. Und darum gehts: Continue reading „Gesucht: SimRefinery und SimHealth“

Kurzer Zwischenruf zum Thema E-Mail-Marketing

Die eigene eMail-Kampagne wird schneller als Spam wahrgenommen als manchem Marketer lieb ist. Zum Teil liegt das auch an den Mail-Clients.

Schreibt das Marketing-Portal Ecin. Halt, wie war das? Spam liegt am… Client? Und Verbrechen an.. der Polizei? Kuriose Dialektik. Weiter heißt es:

Nicht überraschend kommt das Ergebnis der Umfrage von Dot Email unter US-Nutzern, die unerwünschte Werbebotschaften per Mail kurzerhand zu Spam erklären.

Denken wir uns mal ganz verrückt in den Kopf eines „US-Nutzers“. Nehmen wir an, wir erhalten eine unerwünschte Werbebotschaft. Könnte es da nicht sein, dass diese „zum Spam erklärt“ wird, weil.. nun ja.. wie drückt man es am Besten aus… ES SICH VERDAMMTNOCHMAL UM SPAM HANDELT?

Bei diesem Thema erinnere ich mich an eine Geschichte, die ich unabhängig von der schockierenden ad hoc Meldung oben schon eine ganze Weile bloggen wollte. Beruflich habe ich für einige Zeit die Tochter eines Konzernriesen in Sachen E-Mailmarketing betreut. Neben langwieriger Beratung „Gerne können Sie Newsletter an Ihre Kunden schreiben, aber bitte nur, wenn Sie auch wirklich etwas zu sagen haben. Mit Marketingblabla schaden Sie sich nur selbst.“ wurde ich auch mit dem Schreiben des Editorials bedacht. In regelmäßigen Abständen erhielt ich einen Anruf und sollte Tags darauf einen mitreisenen Text zum Einstieg des Konzernnewsletters geschrieben haben.

Nun muss man dazu sagen, dass das Produkt des Unternehmens ungefähr so spannend wie Briefmarken sammeln für Aussenstehende war, die Kommunikation mit den Mitarbeitern sich schwierig herausfordernd gestaltete und der Empfängerkreis der E-Mailaussendung so vital wie Knäckebrot. Aber der Name eben groß.

Ich schrieb also eines Tages wieder ein Editorial und versuchte, es für den Leser so interessant wie nur irgendwie möglich zu machen. Ich recherchierte die Vorteile des Produkts und entdeckte sogar eine kleine, interessante Neuerung, die für die Kunden des Unternehmens tatsächlich von Interesse ist und verband alles zu einem kurzen, schönen Text.

Tags darauf rief mich der Chef des Unternehmens an, der die Abnahme vornehmen wollte. „Herr Schwarz“ sagte er, „Herr Schwarz, das.. also, es gefällt uns schon soweit ganz gut, Sie müssten es aber doch nochmal überarbeiten. Uns fehlt noch so ein bisschen der aktuelle Bezug. Sie sind doch so ein kreativer Mann, flechten Sie doch bitte noch ein aktuelles Ereignis mit in den Text ein, denken Sie sich irgendetwas aus. Beziehungsweise nein, wir haben da schon einen Wunsch. Schreiben Sie doch bitte irgendwas über den Klimawandel.“

Irgendwas über den Klimawandel. In einem Produktnewsletter mit einem Produkt a la Briefmarken.

Nicht überraschend kommt das Ergebnis der Umfrage von Dot Email unter US-Nutzern, die unerwünschte Werbebotschaften per Mail kurzerhand zu Spam erklären.

Übrigens: Editoriale schreibe ich schon lange nicht mehr. Die verantwortlichen Mitarbeiter im besagten Unternehmen haben jetzt alle andere, wichtige Positionen. Der Newsletter wurde eingestellt.