Eine Dekade Internet

Ebay im Jahr 1999 (via archive.org)

Im bereits vor der Tür stehenden nächsten Jahr wird es eine Dekade, dass ich im Internet bin. Der allererste Kontakt mit dem Medium liegt sogar noch ein wenig länger zurück. Die Universität Augsburg, an der meine Schwester zu diesem Zeitpunkt studierte, hatte mindestens einen Computersaal mit frei zugänglichem Netzanschluss und auch so kuriose Dinge wie ein „Internetcafé“ gab es dort. Ein Café, in dem man vor Computern sitzt und per „surfen“ in irgend ein „Netz“ kann – 1997 für die meisten Menschen eine ziemlich kuriose Vorstellung. Und auch ich, mit einer Kindheit gänzlich ohne Unterhaltungselektronik fand das alles schon ziemlich aufregend. Ich habe eine große Apfelsaftschorle getrunken und wir haben das Intro den Vorspann von „Verbotene Liebe“ als Video heruntergeladen und auf einer 3,5″-Diskette gespeichert. Weil es ging.

Auch den zweiten Kontakt mit dem Internet habe ich meiner Schwester zu verdanken: Sie wandert aus. Telefonieren ist bereits im Inland teuer, von Anrufen ins Ausland ganz zu schweigen und auch Billigvorwahlen sind noch Jahre entfernt. Gute Argumente für das Internet, meinte meine Schwester und ich natürlich auch. Stimmt, meinten meine Eltern und für 169 DM gibt es das Einsteigerpaket von der Telekom. Ein 28k-Modem an den Com-Port des 486er und schon läufts. Zumindest in meiner Erinnerung, in der Realität müssen mindestens eine Deckenbohrung und etliche Stunden Konfiguration dazwischengelegen haben. Doch irgendwann läuft es. Und weil mit dem Einwählen per Modem die Analogleitung belegt ist, war 1998 auch das erste von mehreren Jahren, in denen mein Elternhaus telefontechnisch von der Außenwelt abgeschnitten war.

Aus dem selben Jahr stammt auch meine erste Webseite. Ein Freund kannte sich schon ein wenig mit dem „Netscape Composer“ aus, einem HTML-Editor eines Browsers, dessen Kindeskind heute Firefox ist. Ich habe einen animierten, rennenden Elch eingebaut und ein sich unendlich wiederholendes Puzzelbild im Hintergrund. Ich habe Comic Sans verwendet und „Dominik’s“ geschrieben. Ja, so war ich.

Und trotzdem hatte ich beinahe allen um mich herum etwas voraus: Ich wusste, was das Internet ist. Sehr lange Zeit musste ich den meisten Menschen um mich herum erklären, was es überhaupt mit diesem Hobby auf sich hat und was man in diesem WWW so machen kann. Zum Beispiel sich bei eBay anmelden. Oder downloaden: eine gezippte .mp3 in einem halben Nachmittag war da ein gutes Ergebnis. Sofern man nicht vorher aus dem Netz geschmissen wurde. Oder wer anrufen wollte. Oder ein noch tolleres animiertes gif auftauchte.

Doch ich verheddere mich. Worauf ich eigentlich hinaus möchte ist nur folgendes: Mein Vater hat mit dem heutigen Tage mehr als doppelt (!) so viele Bewertungen bei eBay wie ich.

Die Zukunft, sie ist da.

5 thoughts on “Eine Dekade Internet

  1. Da kommen Errinnerungen auf : Ich glaube es war auch so um 1995 herum , ein 14K Modem hab ich damals zu Weihnachten bekommen. Und dann ? Internet war noch recht teuer , aber rein geschaut hat man trotzdem.
    Und dann hat mir ein Bekannter eine Telefonnummer von einer Mailbox gegeben und kurz später hat ich ein Pointprogramm auf meinem Windows 95 rechner.
    Es war ein schöne Zeit damals , mit den ganzen UT’s und UF’s.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.