Erfahrungsbericht: Bildband im Eigenverlag

Prolog

Vor rund eineinhalb Jahren habe ich an dieser Stelle einem Beitrag geschrieben, in dem ich nach Tipps für mein Buchprojekt gefragt habe. Inzwischen ist der Bildband nicht nur erschienen sondern auch bereits komplett ausverkauft. Bevor ich sie wieder vergesse möchte ich heute hier meine Erkenntnisse und Erfahrungen zusammenfassen, möglicherweise helfen sie dem ein oder anderen.

Um was geht es?

Zur Erinnerung: Gemeinsam mit meinem Vater arbeite ich bereits seit mehr als einem Jahrzehnt daran, die umfangreiche Privatsammlung historischer Ansichtskarten unserer Heimatstadt zu digitalisieren und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Begleitend zur Webseite hatten wir uns das Ziel gesetzt, einen hochwertige Bildband zu produzieren. Eine Auswahl der 100 schönsten Karten, hochwertig im (nahezu) Originalformat und mit begleitenden Texten sollte es sein.

Laupheimer Ansichtskarten Webseite

Dieses Ziel haben wir erreicht: Am 15. Oktober 2017 erschien unser Buch »Einhundert historische Laupheimer Ansichtskarten«. Das gesamte Projekt erfolgte in Eigenregie: Vom Konzept über die Inhalte bis hin zur Finanzierung, Produktion und dem Verkauf haben wir alle Schritte ohne Verlag oder weitgehend ohne externe Hilfe umgesetzt.

Das fertige Buch
Das fertige Buch

Warum Eigenverlag?

Wir hätten unser Projekt bedeutend schneller abschließen können, wenn wir das Buch mit Hilfe von Verlagsprofis umgesetzt hätten. Tatsächlich gibt es sogar eine Reihe eines Süddeutschen Spezialverlags, der sich auf Bücher mit historischen Ansichtskarten und Fotos spezialisiert hat und mit einem Angebot auf uns zugekommen ist.

Allerdings können sich solche Projekte für Verlage nur dann lohnen, wenn sie in Serie produziert werden. Jedes Buch der Reihe ist gleich aufgebaut und sieht gleich aus. Individuelle Anpassungen und Sonderwünsche lassen sich so nicht realisieren.

Nachdem wir aber bereits sehr konkrete Vorstellungen hatten, wie unser Buch aussehen soll, und weil wir auch etwas ganz Besonderes schaffen wollten, haben wir uns für den deutlich steinigeren Weg des Eigenverlags entschieden.

Fragen & Antworten

Hinweis: Die nachfolgenden Antworten beziehen sich ganz konkret auf unsere Buchprojekt und lassen sich teilweise auf andere Projekte übertragen, teilweise aber auch nicht. Es handelt sich um mein erstes Buchprojekt, daher erhebe ich keinesfalls den Anspruch darauf, den optimalen Weg gegangen zu sein. Außerdem gilt zu beachten: Es handelt sich um ein Liebhaberprojekt ohne kommerziellen Hintergrund, die nachfolgenden Tipps eignen sich also sicher nicht für Projekte, mit denen Geld verdient werden soll.

Genug des Vorworts, hier meine Erkenntnisse und Tipps zum Buchdruck im Eigenverlag:

Drucktechnik

Für uns kam nur Offset-Druck in Frage. Der Vorteil: Die Qualität. Bilder, Text und Zeichnungen sind gestochen scharf. So ziemlich jedes Buch in einer Buchhandlung ist in diesem Verfahren gedruckt. Der Nachteil: Die Auflage. Wir haben zwar zum Vergleich ein Angebot für nur 200 gedruckte Exemplare angefordert, aber eigentlich ist es wirtschaftlicher Wahnsinn, so kleine Auflagen mit Offset zu drucken. Konkret:

  • Die Preissprung von einer 200er auf eine 300er Auflage liegt bei 43%
  • Die Preissprung von einer 200er auf eine 500er Auflage liegt bei 53%

Die Kosten pro Buch sinken mit der Höhe der Auflage rapide, starten allerdings auch auf einem sehr hohen Niveau.

Auflage

Was ist die perfekte Auflagengröße? Das kommt auf den Markt an und wie der Vertrieb funktioniert. Ist genug Marge da, um im Buchhandel gelistet zu werden, können sicher mehr Exemplare verkauft werden. Allerdings: Niedrige pro-Buch-Kosten in der Produktion helfen auch nicht, wenn schließlich doch auf Jahre hinaus im Keller eine Palette unverkaufter Exemplare verstaubt.

Viele hundert Abbildungen finden sich im Buch
Viele hundert Abbildungen finden sich im Buch

Format

Ich habe lange über das beste Format nachgedacht, schlussendlich gibt es dafür keine perfekte Regel. Harmonischer Schnitt (Goldener Schnitt) ist ein Ansatzpunkt, aber auch der Inhalt selbst definiert natürlich das Format. In unserem Fall musste es breit genug sein, um eine Ansichtskarte im Originalformat horizontal abdrucken zu können.

Konkret ist es dann das hier geworden: 21 cm x 27 cm, also nahe am DIN-A4-Format.

Insgesamt haben wir vier Seiten Umschlag und 254 Seiten Innenteil produziert. Achtung: Seiten entspricht sichtbaren Seiten, zwei Seiten sind also ein Blatt Papier.

254 Seiten, fadengebunden
254 Seiten, fadengebunden

Papierart & Druck

Hier habe ich mich auf die Empfehlung des Druckers verlassen und bin insgesamt extrem zufrieden. Wir haben drei verschiedene Buchteile mit folgendem Papier:

Umschlag: BVS Bilderdruck matt 135 g/m2
Vor- und Nachsatz: h’frei weiß Offset – lasergarantiert 120 g/m2
Innenteil: BVS Bilderdruck matt 135 g/m2

Mit 120 g/m2 sind wir sicherlich an der Untergrenze was die Papierdicke angeht, vollflächige, dunkle Drucke scheinen hier bereits leicht durch, sind aber nicht störend. Die Papierdicke ist angenehm zu blättern, die Abbildungen sind gestochen scharf und wirken beinahe plastisch und noch dickeres Papier hätte dem sowieso bereits volumenstarken Buch nicht gut getan.

Apropos Seiten: die ungerade Seitenzahl gehört immer auf die rechte Seite!

Bindung & Verarbeitung

Bei einer solchen Seitenstärke bleiben wenig Optionen und das Ergebnis ist aus meiner Sicht perfekt. Der Umschlag wurde 4x genutet, das Buch mit Fadenheftung gebunden.

Titel und Titelbildgestaltung

Das ist nicht der richtige Zeitpunkt um kreativ zu sein. Wer ein Sachbuch und keinen Roman schreibt, ist gut beraten, einen sprechenden Titel zu wählen und das Cover so zu gestalten, dass dem Leser sofort klar ist, was er erwarten kann.

Beispiel: »Unse liebe kleine Stadt« mag zwar für Laupheimer ein stehender Ausdruck sein, als Buchtitel wäre er aber denkbar ungeeignet. Wir haben uns daher für »Einhundert historische Laupheimer Ansichtskarten« entschieden, hier weiß man, was man kriegt.

Außerdem haben wir uns für eine Ansichtskartencollage auf dem Titelbild entschieden, so wird klar, dass es sich um eine Sammlung handelt. Der Poststempel ist ein Hinweis darauf, dass es sich nicht nur im Fotos, sondern um gesendete Karten handelt.

Kartenmaterial von Open Street Maps, designed mit Mapbox
Kartenmaterial von Open Street Maps, designed mit Mapbox

Kartenmaterial

Wir haben um Buch selbst vor jedem Kapitel einen Stadtplan angedruckt, in dem die jeweils abgebildeten Häuser eingezeichnet sind. Stadtpläne sind urheberrechtlich geschützt, so dass keinesfalls einfach ein Plan von z.B. der Stadtverwaltung verwendet werden darf.

Google Maps darf unter gewissen Umständen auch in Printprodukten abgebildet werden, die Details der entsprechenden Nutzungslizenz sind aber komplex und auch das Design entspricht nicht dem, was ich mir vorgestellt hatte.

Die Lösung für uns war mapbox.com. Grundlage der Karten dort ist Open Street Maps, eine Open-Source Datenbank. Mapbox bietet einen Editor an, mit dem die (recht hässlichen) OSM-Karten in eine schöne Form gebracht werden können.

Dieser Prozess ist (speziell für Menschen mit Hintergrund in der Webentwicklung, der Karteneditor verwendet eine Art CSS) relativ einfach zu erlernen, es braucht aber unfassbar viel Zeit, um alle Details anzupassen.

Achtung, auch hier ist eine den OSM- und Mapbox-Regeln entsprechende Kennzeichnung notwendig, um sicher zu gehen, sowohl auf der Karte selbst, als auch im Impressum.

Anmerkung: Der E-Mailkontakt mit Mapbox war extrem schnell und hat innerhalb kürzester Zeit die Genehmigung erteilt.

Kein Wappen, sondern ein selbst gestalteter Stempel
Kein Wappen, sondern ein selbst gestalteter Stempel

Wappen

Vorsicht bei der Verwendung von Wappen. Wappen sind Hoheitszeichen und dürfen nicht einfach so abgedruckt werden. Die Wappensatzung einer Stadt regelt, was erlaubt und was verboten ist.

Was in keinem Fall erlaubt ist: Den Anschein zu erwecken, das eigene Buch sei ein »offizielles« Buch der Stadt – das ergibt selbstverständlich Sinn.

Theoretisch erlaubt hingegen ist das Zitieren des Wappens, also zum Beispiel die Abbildung in einem wissenschaftlichen Kontext als Teil einer Analyse.

Ob hingegen die Abbildung eines Stadtwappens in einem Buch wie dem unseren (klarer wissenschaftlicher Hintergrund) in einem verzierenden Kontext (z.B. als Teil des Seitendesigns) juristisch möglich ist: fraglich.

Besser: im Rathaus nachfragen.

Lektorat

Tipp: Nochmal lesen (lassen). Und dann danach: Nochmal lesen (lassen). Und dann danach: Nochmal lesen (lassen). Und dann danach: Nochmal lesen (lassen). Und dann danach: Nochmal lesen (lassen). Und dann danach akzeptieren, dass es trotzdem ein Fehler ins fertige Buch geschafft hat.

Ohne ISBN keine Listung im Buchhandel
Ohne ISBN keine Listung im Buchhandel

ISBN & Listung im Buchhandel

Die ISBN-Nummer ist die Voraussetzung dafür, im Buchhandel gefunden zu werden. Ein Buch braucht keine ISBN-Nummer, ist dann aber auch in keinem Computer verzeichnet. Mehr zu diesem Aspekt weiter unten.

Wer sich für eine ISBN-Nummer entscheidet, muss zur MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, der Agentur für Buchmarktstandards.

Unter german-isbn.de kann diese für rund 90 Euro einmalige Kosten beantragt werden. Wer regelmäßig verlegt, kann gleich einen ganzen Nummernblock kaufen, ich hingegen habe mich für die Antragsart »ISBN-Antrag für (Selbst-)Verlage mit voraussichtlich einmaliger Produktion« entschieden.

Es muss ein Arbeitstitel angegeben werden, dieser kann noch jederzeit geändert werden.

Die ISBN-Nummer muss dann auch als Strichcode auf das fertige Buch gedruckt werden. Die Agentur bietet optional an, diese Strichcodes als digitale Datei für den Druck zu liefern, die Kosten hierfür betragen allerdings freche 39,00 Euro. Mit den Stichwörtern ISBN barcode generator finden sich bei Google dutzende von kostenlosen Onlinetools zur Generierung. Achtung: ISBN 13 Code generieren, das ist der richtige Code. Mit jedem modernen Handy und entsprechender Barcodescan-App lässt sich testen, ob der Code korrekt generiert wurde.

Damit das Buch dann auch tatsächlich in den Computersystemen der Buchhändler gelistet wird, muss das Buch im Verzeichnis lieferbarer Bücher gemeldet werden. Das geht über das moderne Interface auf vlb.de und kostet pro Buch zwar nur rund 3 Euro pro Jahr, allerdings fällt für die Dauer der Listung eine jährliche Grundgebühr von knapp 70 Euro an.

Dort im Portal lassen sich dann Titel, Beschreibung und weitere Daten eingeben sowie Coverfotos und Autorenportrait hinterlegen.

Die gescannten Ansichtskarten sind teils vergrößert und gestochen scharf gedruckt.
Die gescannten Ansichtskarten sind teils vergrößert und gestochen scharf gedruckt.

Buchhandel

Ist die Meldung erfolgt, kann es sein, dass direkt (via E-Mail) Bestellungen aus Buchhandlungen in ganz Deutschland kommen. In der Realität verkaufen die aber selbstverständlich nur dann, wenn ihnen eine Marge für das (kostenlos zugesandte) Buch bleibt. Wer das nicht einkalkuliert, wird sowohl über den Versandhandel als auch den stationären Handel nicht verkaufen. 20%+ vom Verkaufspreis wird mindestens erwartet, eher 30%+.

Buchpreisbindung

»Wenn ich die Bücher nicht losbekomme mache ich sie eben günstiger« ist gut gedacht, geht aber nicht ohne Weiteres. Für uns als Selbstverleger gilt selbstverständlich die Buchpreisbindung.

Insgesamt eine sinnvolle Sache, denn nur so haben auch kleinere Marktteilnehmer die Chance zu bestehen. Von Dumpingpreisen für Bücher würden schlussendlich nur die ganz großen Händler profitieren.

Für den Selbstverleger bedeutet das: die Preisgestaltung ganz am Anfang gut überlegen, der selbst auferlegte Preis lässt sich später nicht mehr ändern. Mängelexemplare sind hiervon ausgeschlossen und in der Regel ein bekannter Trick der Buchhändler, Ladenhüter loszuwerden.

Ansichtskarten aus mehr als 100 Jahren Stadtgeschichte
Ansichtskarten aus mehr als 100 Jahren Stadtgeschichte

Pflichtexemplare in der Nationalbibliothek

Jedes Druckwerk ab einer Auflage von 25 Stück wird in der Deutschen Nationalbibliothek archiviert. Dafür müssen verpflichtend zwei Exemplare eingesendet werden. Welcher der beiden Standorte zuständig ist, ergibt sich aus dem Standort des Eigenverlags (diese umfangreiche FAQ hilft weiter).

Der Einlieferer ist verantwortlich, ggf. einen Nachweis der Einlieferung zu erbringen. Hier hilft es, eine an sich selbst adressierte und frankierte Postkarte der Sendung beizulegen, die dann nach einiger Zeit gestempelt zurückkommt.

Man mag über die deutsche Bürokratie schmunzeln, aber mir gefällt der Gedanke, dass es einen physischen Ort gibt, an dem alle schriftlichen Werke dieses Landes in langen Regalreihen für nachfolgende Generationen archiviert sind. Wer weiß, wer vielleicht einmal in hundert Jahren unser Buch ausleihen wird?

Zusätzlich zur Nationalbibliothek gibt es auch noch die Landesbibliotheken, in meinem Fall war es die Berliner Landesbibliothek, an die ich ein Exemplar gesendet habe. Eine Internetrecherche hilft weiter.

Versand & Porto

Das Laupheimer Ansichtskartenbuch wiegt über 1,5 Kilo! Als Verpackungsmaterial bieten sich die selben Verpackungen an, die auch Amazon verwendet, das sind äußerst flexible und stabile Kartons. Die selbstklebende Variante für bis zu 4 Bücher gibt es in dutzenden von Onlineshops. Für 100 Stück habe ich zirka 75 Euro brutto bezahlt.

Theoretisch gibt es bei der Post die Option »Büchersendung«. Die ist besonders günstig, darf aber

  1. nicht wie oben beschrieben verschlossen sein und muss zur Kontrolle einfach zu öffnen sein und
  2. darf maximal 1kg wiegen.

Damit war das für uns keine Option und es bleibt nur Versand wie Päckchen oder Paket. Tipp: der Kauf von Versandmarken online spart ein paar Cent, besonders wenn gleich 10 oder 50 Versandmarken gekauft werden.

Steuer

Ein (einmaliger) Selbstverleger mit geringem Umsatz ist nicht zwingend vorsteuerpflichtig. Ich allerdings bin es (aus anderen Gründen), weshalb ich beim Einkauf die Vorsteuer abziehen kann, allerdings natürlich auch beim Verkauf dann wieder Umsatzsteuer draufschlagen muss. Die wichtigsten Punkte:

  • Steuerberater nehmen.
  • Für Bücher gilt der reduzierte Satz von 7%
  • Aber Achtung beim Versand: Für die Post kann keine Vorsteuer gezogen werden. Allerdings ist der Inhalt des Pakets steuerpflichtig. Wie das auf der Rechnung korrekt ausgewiesen wird, sagt am besten der Steuerberater.
Die Autoren
Die Autoren

Abschlussbemerkung

Ich habe in meinem Beitrag vom vorletzten Jahr gefragt: »Über was ärgert man sich typischerweise erst, nachdem man den Druckauftrag abgesendet hat?«. Rückblickend kann ich glücklicherweise sagen: Ich weiß es nicht.

Ich würde heute wieder alles ganz genau so machen. Schneller, effizienter, aber im Ergebnis identisch. Dies mag, wie ich schon eingangs gesagt habe, nicht der perfekte Weg sein und so mancher Experte mag noch großes Verbesserungspotential sehen (ich bin sehr daran interessiert, bitte Kontakt aufnehmen!), aber für mich ist das Ergebnis rundum gelungen. Eine Einschätzung, die glücklicherweise auch unsere Leser zu teilen scheinen.

Ich denke, es wird nicht mein letztes Buch gewesen sein.

Laupheimer Ansichtskarten: Der Bahnhof Laupheim West mit Zeppelin

Hinweise, Kommentare und Hallo am liebsten per E-Mail oder in den Kommentaren.

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